40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Mobbing brutal: Facebook-Seite führt Schülerinnen als "Schlampen" vor
  • Mobbing brutal: Facebook-Seite führt Schülerinnen als "Schlampen" vor

    Mainz. Mädchen und junge Frauen, die vor Tausenden Augen mit freizügigen Fotos gezeigt und aufs Übelste verunglimpft werden. Auf Facebook macht sich seit Ende März ein neuer abscheulicher Mobbingtrend breit. Das hessische Landeskriminalamt ermittelt. Facebook hatte die Seiten trotz Hinweisen bis zum Mittwoch nicht gelöscht.

    Am Sonntag ging es los mit der Seite, die auf völlig entwürdigende Art Mädchen und junge Frauen zum Abschuss als Schlampen freigibt. Für 100 Likes war das erste Foto in Aussicht gestellt worden, am Mittwoch hatte die Seite 8000 Likes - und es gab in anderen Städten ähnliche. Hier ist unkenntlich gemacht, was die Seite besser auffindbar macht.
    Am Sonntag ging es los mit der Seite, die auf völlig entwürdigende Art Mädchen und junge Frauen zum Abschuss als Schlampen freigibt. Für 100 Likes war das erste Foto in Aussicht gestellt worden, am Mittwoch hatte die Seite 8000 Likes - und es gab in anderen Städten ähnliche. Hier ist unkenntlich gemacht, was die Seite besser auffindbar macht.
    Die Seiten führen im Namen ein eingedeutschtes Jugendsprache-Wort für „Schlampe, Hure“ und den jeweiligen Ort. So gibt es Seiten für Frankfurt, für München, für Aachen, für einige weitere Orte  – und die übelste für Wiesbaden/Mainz. Nutzer werden dort aufgefordert, peinliche Fotos von Frauen zu schicken. Die Fotos werden dann anschließend von dem Adminstrator oder den Adminstratoren der Seite verbreitet. „Hier wird jede Bitch bestraft“, heißt es dort, quasi als perfides Motto. Auf der Mainzer Seite tauchen so seit Sonntag immer wieder die Fotos junger Frauen und Mädchen auf, auf denen sie teilweise nackt sind oder bei sexuellen Handlungen zu sehen sind. Mehr als 8000 Menschen hatten bis zum Mittwochabend bei der Mainzer Seite auf „Gefällt mir“ geklickt.

    Zum Teil wurden die dort verbreiteten Bilder auch mit den Facebook-Profilen der Frauen verknüpft oder ihre Schulen angegeben. Die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion von Linken und Piraten in Wiesbaden, Manuela Schon, nennt das „extremstes Mobbing“. Sie hat den Fall beim LKA in Wiesbaden und bei Facebook gemeldet. Das LKA bestätigte unserer Zeitung Ermittlungen. Eingeschaltet ist offenbar auch die Ansprechstelle Kinderpornografie.

    Seite über Nacht inaktiv

    Facebook hat gegen die Seite bisher nichts Erkennbares unternommen. Möglicher Hintergrund: Der Betreiber oder die Betreiber schalteten die Seite jeweils über Nacht ab und löschten eingestellte Bilder jeweils nach kurzer Zeit wieder. Lange genug, dass sich Nutzer die Bilder selbst speichern können. „Facebook hat mir nach etlichen Meldungen schließlich geantwortet, die Bilder seien ja entfernt“, sagt Schon. Die Facebook-Frage, ob das eine zufriedenstellende Antwort sei, empfand sie als Hohn. 

    Am erschreckendsten sei aber, wie die Seite innerhalb kurzer Zeit so erfolgreich werden konnte und wie die Menschen dort reagieren. Völlig gedankenlos wird über die buchstäblich völlig bloßgestellten Frauen und Mädchen hergezogen. Ein menschenverachtender Tiefpunkt: Ein Kommentar „Du sollst Weiber posten, keine Tiere“ zu einem Foto hatte am Mittwoch 50 „Likes“. Ein anderer Nutzer beschwerte sich, es würden zu viele Frauen aus Mainz gezeigt und verlangte nach Wiesbadenerinnen.

    Schulen sollen sensibilisiert werden

    Einzelne Stimmen kommentieren aber auch entsetzt, auf diese Weise könnten Menschen in den Selbstmord getrieben werden. Freunde Betroffener empörten sich. Andere Nutzer loben bereits ein Kopfgeld auf den Betreiber der Seite aus. Schulen im Rhein-Main-Gebiet sollen nach Informationen unserer Zeitung heute sensibilisiert werden, auf betroffene Schülerinnen zu achten. Es wird auch versucht, die Opfer zu ermitteln, um sie zu betreuen.

    Tobias Huch, Bezirksvorsitzender der Jungen Liberalen, fühlt sich an den Fall "IshareGossip" erinnert: Anfang 2011 hatte die Seite nach Schulen sortiert dazu eingeladen, Gerüchte und Klatsch über Mitschüler zu verbreiten. Internet-Unternehmer und –Aktivist Huch hatte damals mitgewirkt, die Seite vom Netz zu bekommen. „Die Dummen sterben aber offenbar nicht aus“, so Huch, der kurz nach der Schule ein Altersverifikationssystem für Erotikseiten entwickelt hatte. Für ihn sind die Betreiber der Seite "nichts anderes als Kinderschänder". Huch will auch in diesem Fall seine technischen Mittel und Kontakte einsetzen.

    Kanadierin hatte Selbstmord begangen

    Die mögliche Tragweite zeigt die Junge Union Mainz mit dem Fall der 15-jährigen Kanadierin Amanda Todd auf. „Wir wollen nicht, dass in unserer Region ähnliches passiert“, sagt Felix Leidecker, stellvertretender Vorsitzender der JU. Amanda Todd hatte in einem berühmt gewordenen Video geschildert, wie sie wegen eines Nacktfotos erpresst wurde, wie das Foto schließlich verbreitet wurde und ihre Welt sich völlig veränderte. Es war ihr Abschiedsvideo, die Schülerin nahm sich vier Wochen später das Leben. "Ich kann das Foto nie zurückholen", steht auf einem der Zettel, die sie stumm und anklagend in die Kamera hält. "Es wird immer irgendwo da draußen sein."

    Das Video wurde vielfach als letzter Hilferuf interpretiert, auf den ihre Umgebung nicht reagiert hat. Erst nach ihrem Tod löste der Film erschütterte Reaktionen aus.

    UPDATE: Die Seite war am Donnerstag bisher nicht aufrufbar. Unklar ist, ob die Betreiber sie auf inaktiv geschaltet haben oder ob sie gelöscht wurde. Es gibt allerdings auch bereits eine neue Seite.

    Wer selbst betroffen ist, findet bei der Telefonseelsorge unter 0800/1110111 und 0800/1110222 rund um die Uhr Ansprechpartner. Die Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden bietet auch in ihren Geschäftsstellen weiterführende persönliche Beratung an. 

    Von Lars Wienand

    Autor:
    Lars Wienand
    (Mail, )

    Cybermobbing nach Vergewaltigung: Suizid von 17-Jähriger löst Entsetzen ausFacebook: Mobbing-Seite ist vom Netz - Experten warnen: Anstiftung zum Posting kann Straftat seinUnterirdisch: Kommentare zu den Mobbing-Fotos
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Wetter
    Dienstag

    13°C - 26°C
    Mittwoch

    14°C - 28°C
    Donnerstag

    12°C - 26°C
    Freitag

    14°C - 27°C
    epaper-startseite
    Anzeige
    Hartmut Wagner

    Prozesse in Koblenz: Hartmut Wagner berichtet aus dem Gerichtssaal. Er freut sich über Anregungen, Tipps oder Kritik per Mail.