40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Missbrauch oder Liebe?
  • Missbrauch oder Liebe?

    Betzdorf. Das Amtsgericht Betzdorf hat einen 68-Jährigen für schuldig erklärt, als Therapeut eine Patientin zum Sex gezwungen zu haben. Nun legte der Mann Berufung dagegen ein und plauderte vor dem Koblenzer Landgericht aus seinem bewegten Arbeits- und Liebesleben.

    Als Co-Therapeut einer psychotherapeutischen Praxis in Altenkirchen hat ein 68-jähriger Mann nach Überzeugung des Amtsgerichts Betzdorf im Jahr 2001 eine damals 23-jährige Patientin 41 Mal zum Sex gezwungen. Hierbei nutzte er sein therapeutisches Behandlungsverhältnis aus. Dafür verurteilte ihn das Schöffengericht im Dezember 2006 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Da der Mann dagegen Berufung eingelegt hat, wird der Fall zurzeit vor dem Koblenzer Landgericht neu verhandelt.

    Redegewandt und selbstbewusst tritt der intelligent wirkende Angeklagte auf. Er bezeichnet sich selbst als ehemals alkohol- und medikamentenabhängig. Bei seinen oft ausschweifenden Schilderungen muss ihn Richter Ulrich Buddendiek immer wieder mahnen, zum Punkt zu kommen.

    Er sei gleichzeitig Patient und Therapeut einer psychotherapeutischen Praxis Altenkirchen gewesen, sagt der Mann. Im Betzdorfer Prozess bescheinigte ihm ein Gutachter, er sei vielen akademisch gebildeten Therapeuten weit voraus.

    Der Mann war außerdem Vorsitzender des Vereins Psychosozialer Dienst. Der Verein betrieb unter dem Motto "Die Tür steht offen, mehr noch das Herz" nahe Altenkirchen ein Therapie- und Schulungszentrum. In diesem Haus kam es zu den Sexkontakten zwischen dem Angeklagten und der in Bayern lebenden Frau, die als Nebenklägerin vom Koblenzer Anwalt Dr. Gerhard Prengel vertreten wird.

    Kennengelernt hat sich das altersmäßig ungleiche Paar bei einem Wochenendseminar, bei dem es um die Bekämpfung von Zukunftsängsten ging. Nach langen Gesprächen sei man sich nähergekommen. Irgendwann, so der Angeklagte, habe die Frau laut gesagt: "Ich habe mich in den Oberguru mit dem dicken Kuschelbauch verliebt." Der Sex sei immer einvernehmlich gewesen.

    Stolz berichtete der 68-Jährige auch von seinen guten Kontakten zu Chefärzten von großen Kliniken. Einem habe er einige Hundert Patienten vermittelt. Das Zuführen von Patienten war auch eine wichtige Aufgabe in der Zusammenarbeit des Mannes mit dem Altenkirchener Psychologen. Man habe sich gut ergänzt.

    Wegen seiner 21 Vorstrafen hätte er als Therapeut keine Zulassung bekommen. Seine Leistungen hätte der Psychologe dann mit der Krankenversicherung abgerechnet. Später habe er ihn beim Abrechnungsbetrug ertappt. Näher kennengelernt habe man sich in dessen früherer bayerischen Praxis bei einem Paarseminar beim Jahreswechsel 1999/2000. "Das war jedoch eher Ringelpiez mit Anfassen.".

    Hier habe ihm die Ehefrau des Seelenarztes nachgestellt, so der Angeklagte, weil eine ihrer Bekannten von seinen Sexqualitäten geschwärmt hätte. Diesen Kontakt habe er jedoch abgelehnt.

    Die Verhandlung wird am Montag, 12. April, fortgesetzt. 

    Winfried Scholz

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst

    Redakteur

    Maximilian Eckhardt

    Mail | 0261/892743

    Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Das Wetter in der Region
    Sonntag

    -5°C - 4°C
    Montag

    -2°C - 4°C
    Dienstag

    0°C - 4°C
    Mittwoch

    3°C - 6°C
    Anzeige
    UMFRAGE
    Thema
    Umfrage: Feiertagsruhe

    Ist es noch zeitgemäß, an etlichen Feiertagen Musik-, Sport- und Tanzveranstaltungen zu verbieten?

    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!