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    FluterschenMissbrauch in Fluterschen: Detlef S. - Tyrann und Märchenerzähler

    Es ist nichts Ungewöhnliches an dem Mann, der im Jahr 2003 seine hochschwangere Tochter in das Krankenhaus nach Altenkirchen bringt. Er ist nett, höflich und wirkt ein wenig besorgt um die junge Frau. Erst als das Baby schreit und klar ist, dass es auch der Mutter gut geht, da freut er sich, wie sich ein junger Großvater eben freuen kann. Acht Jahre später weiß man es besser: Detlef S. ist nicht der nette Opa des Kindes, sondern der Vater. Acht Kinder hat er mit seiner Adoptivtochter gezeugt. Laut Anklage beherrschten Tyrannei, Gewalt und Psychoterror das Familienleben.

    Fluterschen - Es ist nichts Ungewöhnliches an dem Mann, der im Jahr 2003 seine hochschwangere Tochter in das Krankenhaus nach Altenkirchen bringt. Er ist nett, höflich und wirkt ein wenig besorgt um die junge Frau. Erst als das Baby schreit und klar ist, dass es auch der Mutter gut geht, da freut er sich, wie sich ein junger Großvater eben freuen kann.

    Acht Jahre später weiß man es besser: Detlef S. ist nicht der nette Opa des Kindes, sondern der Vater. Acht Kinder hat er mit seiner Adoptivtochter gezeugt, bei allen acht Geburten ist er dabei und spielt den besorgten liebevollen Familienvater. Laut Anklage aber beherrschten Tyrannei, Gewalt und Psychoterror das Familienleben.

    Wer ausbrechen will, der wird bedroht

    Zu Hause aber zeigt er - gerade 1,60 Meter groß - sein wahres Gesicht: Er säuft, feiert Partys und tyrannisiert die Kinder. Der 48-Jährige ist raffiniert, er schafft um seine Kinder eine Welt aus Angst und Gewalt. Einmal soll er seinen Sohn unter der Dusche zum Masturbieren aufgefordert haben. Der Junge macht es, weil er fürchtet, blutig geschlagen zu werden. Er droht auch denen, die aus dem Kreis aus Gewalt und Missbrauch ausbrechen wollen und lauert ihnen auf. Einmal will eines der Kinder in der Not zum Jugendamt, da erzählt er von seinen guten Kontakten dorthin. Wenn das alles nicht reicht, versucht er es mit erfundenen Geschichten. Die Kinder nennen ihn den "Märchenerzähler", weil er sich immer wieder durch Lügen rausredet.

    Draußen im wahren Leben kommt der "Märchenerzähler" mit seinen Geschichten nicht weit. Neun Mal gerät er mit dem Gesetz in Konflikt: wegen Betrug, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein und Trunkenheit am Steuer. Auch im Berufsleben scheitert er. Wenn er einen Job gefunden hat, dauert es nicht lange, da setzen sie ihn wieder vor die Tür. Lange Zeit lebt der gebürtige Betzdorfer von Sozialhilfe. Im Sommer 2007 versucht er sich als Ein-Euro-Jobber beim Bauhof in Altenkirchen. Aber bald meldet er sich krank und kommt wochenlang nicht mehr zur Arbeit. Wenig später bekommt er eine zweite Chance. Er versucht sich als Praktikant, diesmal bei einer Brandschutzfirma in Altenkirchen. Allerdings eignet er sich dafür nicht, heißt es.

    Detlef S. hat offenbar Geldsorgen. Bei einem Pizzaservice kommt er schnell auf die schwarze Liste. Dort gibt es Ärger wegen der Bezahlung, oft behauptet er, es wurde die falsche Pizza geliefert. Manchmal sagt er es, ohne sich die Pizza überhaupt anzusehen

    In schlechter Erinnerung ist Detlef S. auch bei der Firma Gross in Hachenburg (Westerwaldkreis). Zwischen 2001 und 2003 arbeitet er dort als Lkw-Fahrer -- auch da scheint er sich nicht wirklich zu bewähren. Ihm wird nahegelegt, sich "lieber einen anderen Job zu suchen". Frühere Kollegen erinnern sich noch an die vielen Kinder und Stiefkinder von Detlef S. Immerhin: Sein freundliches und höfliches Auftreten gegenüber den Kunden wird gelobt.

    Zuletzt arbeitet er als Praktikant in einem Dönerladen in Altenkirchen. Er ist Küchenhilfe, wischt den Boden, spült das Geschirr. Dem damaligen Besitzer des Ladens soll er auch seine minderjährige Tochter gegen Geld angeboten haben.

    Auch die Mutter prügelt Detlef S. windelweich

    Zu Hause geht die Gewalt laut Aussagen von Zeugen und mutmaßlichen Opfern weiter. Einem Adoptivsohn wird Anfang 2002 klar, dass es bei den Schlägen nicht bleibt. Detlef S. trinkt wieder einmal mehr als er vertragen kann, er wird zudringlich, setzt seine Tochter auf den Schoß, sucht schon den ganzen Abend die Nähe zu dem neunjährigen Kind. Als das Mädchen später schläft, folgt er ihr ins Zimmer. "Mama, hilf mir. Mama, hilf mir", hört er und rennt gemeinsam mit seiner Mutter nach oben. Als die Mutter schreit, dass er das Mädchen in Ruhe lassen soll, prügelt er sie windelweich.

    Nach außen aber zeigt sich Detlef S. weiterhin als guter Vater. Er kommt regelmäßig zu den Elternsprechstunden seiner Kinder und interessiert sich offenbar tatsächlich für die Tochter. Als er einmal von einer Hebamme auf die große Familie angesprochen wird, sagt er. "Sie können mir glauben, bei uns hat alles seine Ordnung. Jeder hat Aufgaben und die muss er erfüllen."

    Detlef S.' Welt der Lügen bricht zusammen, als der Abschiedsbrief seiner Tochter auftaucht. Darin schildert sie das jahrelange Martyrium. Für Detlef S. klicken am 10. August die Handschellen.

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