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    Rheinland-PfalzMalu Dreyer: Mit Leib und Seele Sozialpolitikerin

    Manche Politiker treibt auch die Leidenschaft für ein Thema, eine Mission an. Zu dieser Kategorie zählt Malu Dreyer. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin wird an diesem Sonntag 50.

    Malu Dreyer: Mit Leib und Seele Sozialpolitikerin
    Malu Dreyer (SPD) hat viel Freude an ihrer Arbeit: Sie möchte gern auch in Zukunft rheinland-pfälzische Sozialministerin bleiben.
    Foto: dpa

    Rheinland-Pfalz - Es gibt viele Motive, sein Leben der Politik zu widmen: Macht zum Beispiel. Oder der ständige Kick, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Manche Politiker treibt auch die Leidenschaft für ein Thema, eine Mission an. Zu dieser Kategorie zählt Malu Dreyer. Unsere Zeitung hat dieses Porträt zu ihrem 50. Geburtstag im Februar 2011 veröffentlicht: 

    Wer sie in ihrem Ministerium besucht, spürt, dass sich hier jemand mit einer Aufgabe identifiziert. Ihr Amtszimmer strahlt so gar nichts Herrschaftliches aus. Es ist nicht besonders groß und auch nicht auffallend repräsentativ. Überall hängen knallbunte Bilder. Als Kleider- oder Taschenablage dient der Sozialdemokratin ein roter Thron. Alles Geschenke von Sozial- und Behinderteninitiativen, die Malu Dreyer auf den Stationen ihres Arbeitslebens erhalten hat. Damit sind nicht nur die neun Jahre an der Spitze des Mainzer Ministeriums gemeint, sondern auch ihre Zeit als Sozialdezernentin in Mainz (1997–2002) und als Bürgermeisterin in Bad Kreuznach (1995–1997).

    Das Leben im Schammatdorf

    Und noch etwas zeigt die hohe Identifikation mit ihrem Amt. Die Juristin lebt in einem modellhaften Wohnprojekt in Trier: dem Schammatdorf. Seit 1984 besteht diese Siedlung inmitten der Römerstadt. Wer dort lebt, lässt sich auf das enge Miteinander von behinderten und nicht behinderten Menschen ein. Malu Dreyer und ihrem Mann, dem Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen, gehört eine der Wohneinheiten. Die Architektur des Dorfes mit seinen Wohnhöfen, Laubengängen und einem Zentrum samt Kneipe ist auf Offenheit und Begegnung angelegt. „Hier herrscht ein besonderer Zusammenhalt“, sagt Malu Dreyer. Man hilft sich: alt und jung, gesund und krank, kinderreich und kinderlos.

    In der SPD ist der Name Malu Dreyer einer derjenigen, der keinerlei Missklänge erzeugt. „Sie ist eine Politikerin mit Herzenswärme“, heißt es immer wieder. Zweifelsfrei: Die beliebte Ministerin hätte das Zeug zu Höherem. Bei der Diskussion, wer in der SPD das politische Erbe von Kurt Beck antreten könnte, fällt meist irgendwann der betrübte Satz: „Ja wenn ihre Krankheit nicht wäre.“ Malu Dreyer leidet seit 17 Jahren an Multipler Sklerose, einer chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann sich schlecht bewegen. Viele in der SPD ziehen sie als mögliche Ministerpräsidentin nur deshalb nicht ins Kalkül. Dabei entwickelt sich ihre Krankheit erstaunlich positiv. „Sie schreitet nicht fort“, freut sich Malu Dreyer. „Ich kann sogar schon wieder besser laufen. Das macht mich glücklich.“ Und was ihre Karriere betrifft, meint sie nur: „Ich möchte bleiben, was ich bin. Und ich bin mit Leib und Seele Sozialministerin.“

    Dabei ist Malu Dreyer mehr als das. Sie führt ein Ministerium mit 240 Mitarbeitern, ist auch für Arbeit, Gesundheit, Familie und Frauen zuständig. Sie amtiert als Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz auf Bundesebene, mischt in der Sozial- und Arbeitspolitik mit. Dreyer streitet für Mindestlöhne, hat früh ein Konzept für einen Freiwilligendienst entwickelt, der den Zivildienst ersetzen soll. Ihr großes Leitmotiv ist soziale Gerechtigkeit. In ihrem Ministerium werden unzählige Bundesrats- und Gesetzesinitiativen erarbeitet, worüber die Mitarbeiter zuweilen stöhnen. Dennoch: Respektiert wird sie im eigenen Haus.

    Die Kompetenz Dreyers findet parteiübergreifend Anerkennung, auch wenn sich über Inhalte trefflich streiten lässt. Nur einmal geriet sie ernsthaft in die Bredouille: in der „Rodalben-Affäre“. 2003 wurde eine Erzieherin von zwei Heiminsassen erstochen. Die CDU sprach von „Schlamperei“ bei der Vorbereitung des Projekts, das die Untersuchungshaft vermeiden sollte. Doch ein Untersuchungsausschuss ergab, dass Malu Dreyer keine persönliche Schuld trug.

    Meisterstück in Trier

    In der SPD gilt sie als Kämpferin und geschickte Strippenzieherin. Eines ihrer Meisterstücke hat sie in Trier absolviert, wo sie den Stadtverband führt. Die einst schwarze Hochburg wird seit 2007 von einem roten OB regiert. Und im Stadtrat gibt es eine rote Ampel, auch wenn sie in jüngster Zeit bedenklich flackert.

    Malu Dreyer ist tiefgläubige Christin. Ihre große Liebe Klaus Jensen hat sie erst spät kennengelernt. Er brachte drei Kinder mit in die Ehe. Auch Jensen hat sein soziales Bewusstsein über die eigene Lebenserfahrung geschärft. 1999 musste er eine folgenschwere Entscheidung treffen. Er opferte seine Karriere als Staatssekretär, um seine todkranke erste Frau zu pflegen.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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