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  • Mahnungen, offene Forderungen, Pfändungen: Antenne-Radios stecken in Schwierigkeiten

    Rheinland-Pfalz. Ausgesprochen brüchig scheint das finanzielle Fundament der Radio Group zu sein, die 15 Lokalradios in Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen betreibt - oft unter dem Namen „Antenne“. Das belegen Dutzende von internen Dokumenten, die unserer Zeitung vorliegen. 

    Die Dokumente zeigen: Stephan Schwenk (50), über die Schwenk Medien Holding GmbH Herr der Lokalsender etwa in Koblenz, Bad Kreuznach, Idar-Oberstein, Kaiserslautern, Trier und Saarbrücken, muss seit langem ständig neue Finanz-Löcher stopfen.

    Von unserer Redakteurin Ursula Samary
    und unserem Chefredakteur Christian Lindner

    Die vertraulichen Unterlagen offenbaren: Die Antenne-Sender halten sich offenbar nur über Wasser, weil es Schwenk und seinen leitenden Mitarbeitern immer gelingt, Mitarbeiter, Dienstleister, Vermieter und andere Gläubiger bei der Bezahlung von Gehältern, Honoraren und Rechnungen hinzuhalten - mal ein paar Tage, öfter auch monatelang, teils sogar über Jahre.

    Hier ein Überblick, an welchen Fronten Schwenk in dieser Weise agiert:

    Gehälter und Honorare: Nach Angaben von Beschäftigten werden Gehälter seit Monaten verspätet gezahlt. Das trifft selbst Kräfte, die für die Sender von zentraler Bedeutung sind. Der Musikchef des Senders in Kaiserslautern etwa beklagt sich in einem Mail an die Geschäftsleitung, dass er „diese nicht gehaltenen Versprechen nicht mehr ertragen kann“. Er habe mittlerweile „um die 37.000 Euro Offenstände“.

    Ein anderes, offenbar typisches Mail aus dem Innenleben der Radio Group vom 7. April: „Hi Steve, Deine Zusage, dass das Gehalt pünktlich kommen soll, ist leider wieder nicht in die Tat umgesetzt worden.“ Mit Steve ist Stephan Schwenk gemeint.

    Dienstleister: Viele Funktionen des Sender-Gruppe werden von Dienstleistern übernommen, die preiswerter als Festangestellte sind. Auch die aber laufen ihrem Geld lange hinterher. Zwei für die Sender zuständige Techniker sollen deshalb kurz vor der Privatinsolvenz stehen. Einer dieser Studiotechniker summierte seine Forderungen im Januar auf 80.000 Euro. Ein Moderator flehte „Steve“ und dessen Geschäftsführer am 9. April per Mail regelrecht an, ihm seine offene Rechnung zu bezahlen - „damit ich die Vollstreckungsankündigungen vom Finanzamt abwehren kann“.

    Ein Studio-Besitzer, der den Sendern wöchentlich 140 Musik-Programmdateien übermittelte, beklagte im September 2013, seit Januar kein Geld mehr bekommen zu haben. Auch ein Software-Dienstleister („aus den vergangenen Jahren sind aufgrund von Rücklastschriften 5236 Euro offen“) und ein Videoproduzent („40 000 Euro + Steuer“) mahnten ihr Geld an. Letzterer mailte Schwenk: „Du hast mich echt an finanzielle und glaubwürdige Grenzen gebracht.“

    Sende-Infrastruktur: Die Media Broadcast (Köln), größter deutscher Dienstleister für Bild- und Tonübertragungen, ließ Schwenk am 22. April wissen, dass für seine Radio Group und andere Sender seiner Wellen „wieder Außenstände in erheblicher Höhe aufgelaufen sind“ - insgesamt 179.250 Euro, mit bis zu 128 Tagen im Verzug. Überträgt aber dieser Partner die Antenne-Signale nicht mehr, verstummen die Sender. Das Kölner Unternehmen betont gleichwohl, „dass man auf einem guten Weg“ mit Schwenk sei. Auch Kabel Deutschland mahnte im März 1365 Euro offene Rechungen an - und drohte mit der „unangekündigten Beendigung der Einspeisung“.

    Mieten: Auch Vermietern bleibt die Radio Group Geld schuldig - so in Homburg, wo der Vermieter Ende März beklagte, dass die Mieten für Januar und Februar „bis heute nicht bezahlt worden sind“. In Trier waren CityRadio Trier wegen Mietrückständen bereits die Räume gekündigt worden, es kam zu einer Gerichtsverhandlung. Der Trierer Sender-Chef Oliver Schwenk beklagte in einem Mail an seinen Bruder Stephan Schwenk: „Unser Anwalt hatte keine Chance, die Verhandlung zu vermeiden, da wir nix bezahlt haben. Wollen wir die Firma nicht besser gleich zumachen?“

    Die Standorte der Radio Group

    Schuldanerkenntnis: Am 25. April unterzeichnete Schwenk bei einem Notar in Kaiserslautern ein „Schuldanerkenntnis mit Zwangsvollstreckungsunterwerfung“ über Forderungen in Höhe von rund 132 000 Euro gegenüber einer Düsseldorfer Kanzlei von Anwälten und Steuerberatern. Diese hatten Schwenk und seine Radio Group in Kartellrechtsfragen beraten. Weite Teile ihrer Rechnungen aber blieben unbezahlt.

    Mahnungen und Vollstreckungen: Immer wieder erreichen die Schwenk-Unternehmen Zahlungserinnerungen oder Vollstreckungen. Ende März etwa ging eine „letzte Zahlungserinnerung“ eines Unternehmens aus Kaiserslautern an die Schwenk Medien Holding über 80.920 Euro ein, im April drohte das Finanzamt mit Pfändungen, weil rund 6800 Euro Körperschaftssteuern nicht gezahlt worden waren.

    Die Selbstdarstellung der Radio Group im Video

    Jonglieren mit Geld: Mails aus Antenne Koblenz belegen, dass in der Gruppe ständig mit Geld jongliert werden muss. Der Koblenzer Geschäftsführer bezifferte beispielsweise Mitte April einen „dringenden Kapitalbedarf“ von 30.000 Euro - 11.000 Euro für die Media Broadcast („denke in den nächsten Tagen kommt die Abschaltdrohung“), 8500 Euro für die Gema („letzte Mahnung vor der Klage“), 4400 Euro fürs Finanzamt („Pfändung steht bevor“). Danach überwies Schwenk 10.000 Euro. Die Reaktion des Koblenzer Geschäftsführers: Damit könne er „noch nicht mal die Gehälter zahlen“.

    Schwenk musste in den vergangenen Monaten immer wieder Geld für seine Sender locker machen - so mit dem Verkauf seiner Villa auf Mallorca für angeblich 2,5 Millionen Euro oder zwei Wohnungen in Berlin. Seinem Bruder erklärte er danach, wie er dieses Geld nutzen wollte: „Es geht nicht, dass wir alles auf einmal wegzahlen. Wenn wir die Media Broadcast, K-Net und andere nicht bezahlen, wird abgestellt. Also bleibt jetzt noch Geld für Finanzamt, Krankenkassen und Vermieter. Das ist alles wohl überlegt.“

    Gleichzeitig suchte er nach neuen Geldgebern. Die Idee, Genussscheine herauszugeben, scheiterte aber offenbar. Bei Verhandlungen mit neuen Investoren, die 49 oder später auch 51 Prozent an der Radio-Gruppe erwerben sollen, wurde dann sogar über einen „Börsengang in China bzw. Hongkong in 2016“ geredet.

    „Steve ist ein meisterhafter Verkäufer“

    Wie gelingt Schwenk dieser permanente finanzielle Drahtseilakt? Warum folgen „Steve“ so viele Mitarbeiter, trotz allem? Dem Mann, der 1994 mit Wim Thoelke in Berlin das „Spreeradio“ erfolgreich entwickelte, gestehen auch seine Kritiker zu: Er ist „ein meisterhafter Verkäufer“, ein Menschenfischer. Andere sagen: Er ist ein Blender, dem Menschen immer wieder vertrauen, auch wenn er sie ständig damit vertröstet, dass schon irgendwann Geld fließt.

    Der stets gebräunte und gut gekleidete Medienmanager hat offenbar die Gabe, „Radio-Verrückte“ immer wieder zu überzeugen, enthusiastisch an Bord zu bleiben. Auffallend viele Gläubiger appellieren trotz aller gebrochenen Versprechungen an „Steve“: „Enttäusche uns nicht.“ Auch wer sich über den Tisch gezogen fühlt, kommuniziert freundlich bis devot mit „Steve“ - auch bei dem Verdacht, „dass Du Dich eigentlich über uns kleine Gläubiger finanzierst“, so ein Lieferant, der auf 80 000 Euro wartet.

    Spekulationen: bis zu sechs Millionen Euro Schulden

    Gegenüber unserer Zeitung versicherte Schwenk, er könne von sich behaupten, dass er stets „alle Zahlungsvereinbarungen“ einhalte. Bis auf Idar-Oberstein schreiben nach seinen Worten „alle Sender schwarze Zahlen“. Schwenk will bereits viele Kredite bei Banken abgebaut haben und „Ende nächsten Jahres entschuldet“ sein.

    In der Branche wird spekuliert, dass Schwenk auf sechs Millionen Euro Schulden sitze. Und die kleinen Gläubiger, die verzweifelt auf ihr Geld warten? Da gebe es Absprachen, sagt Schwenk. „Bis 30. Juni“, so kündigt er an, „bekommen alle ihr Geld“. 

     

    • Offenlegung: Unsere Zeitung erscheint im Mittelrhein-Verlag. Er ist einer der drei wesentlichen Gesellschafter des Unternehmens Rheinland-Pfälzische Rundfunk GmbH & Co KG, das Radio RPR betreibt.

     

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