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    LimburgLimburger Prunkbau: Denkmalschützer widerlegt Erklärungen des Bischofs

    Die Kritik wird immer lauter und Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst verteidigt sich. Doch ein Denkmalschützer, der am Bau der 31 Millionen Euro teuren Limburger Residenz beteiligt ist, widerlegt die Aussagen des Bischofs.

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    Von unserem Redakteur Markus Eschenauer

    Wer ihn kenne, wisse, dass er "keinen pompösen Lebensstil brauche". Der Mann, der das der "Bild" sagte, ist derselbe, der plötzlich überrascht feststellen musste, dass der Umbau seines Bischofssitzes nicht drei, nicht zehn, sondern plötzlich 31 Millionen Euro kostet. Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sieht darin offenbar immer noch kein großes Problem. In dem Interview weist er den Vorwurf der Verschwendung zurück. Man müsse viele Details kennen, insbesondere die Auflagen des Denkmalschutzes.

    Diese Aussagen des Bischofs müssen für Architekt Stephan Dreier wie Hohn klingen. Er ist als denkmalpflegerischer Berater am Bau beteiligt. Doch Ausgaben für den Denkmalschutz machen nach seinen Angaben nämlich nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus: höchstens 400.000 Euro, vor allem für die Sanierung des Fachwerks, des Dachstuhls und der Außenfassade.

    Wie viele Mitarbeiter, die auf der Baustelle Bischofssitz beschäftigt sind, hat auch Dreier einen Geheimhaltungsvertrag unterschrieben. Trotzdem packt er jetzt aus - In einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk. Den Verdacht, der Denkmalschutz wäre für einen großen Teil der Kostensteigerung verantwortlich, will er nicht auf sich sitzen lassen.

    Nicht die Denkmalpflege habe den Bau verteuert, sondern extravagante Wünsche des Bauherrn, also des Bischofs. Dreier nennt das Beispiel der alten Vikarie, die aufwendig tiefergelegt worden sei, damit ein unterirdischer Verbindungsgang zum Neubau geschaffen werden konnte. Außerdem habe der Bauherr hohe Decken gewünscht. Nach Ansicht Dreiers war die Raumhöhe jedoch "vorher schon sehr komfortabel".

    Allein dieses Teilprojekt zu realisieren, erforderte einen erheblichen Aufwand. Das Gebäude habe in der Luft gehangen und aufwendig mit Gurten gesichert werden müssen. Hinzu kam, dass durch Anhebung der Deckenhöhe alle Fenster vergrößert werden mussten, erklärt Dreier in dem Hörfunk-Interview.

    Mit der Umsetzung eines solchen Vorhabens und den dadurch entstehenden hohen Kosten habe Architekt Dreier zwar grundsätzlich keine Probleme. Aber man dürfe dann nicht die Denkmalpflege für das alles verantwortlich machen. Die alte Vikarie ist wohl nicht der einzige Sonderwunsch, der zu der Kostenexplosion beigetragen hat.

    Nachdem Bischof Tebartz-van Elst von verspiegelten Scheiben für sein Büro im Altbau abgeraten worden sei, habe er extrem kostspieliges Spezialglas geordert. Laut Dreier lasse sich dieses Sicherheitsglas auf Knopfdruck matt schalten, sodass man nicht mehr hindurchschauen kann.

    Jochen Riebel ist einer von drei Mitgliedern im Vermögensverwaltungsrat des Bistums und der frühere Chef der Hessischen Staatskanzlei. Auch er erhebt gegenüber Tebartz-van Elst schwere Vorwürfe. In einem Bericht der "Frankfurter Neuen Presse" (FNP) nennt Riebel einige Beispiele: Schreinerarbeiten für die Bischofswohnung (350.000 Euro), eine frei stehende Badewanne (15.000 Euro), diverse Kunstwerke (450.000 Euro), Fenster der Privatkapelle (100.000 Euro) oder ein Tisch im Konferenzraum (25.000 Euro). Riebels Kommentar dazu: "Das ist doch alles nicht mehr normal." Außerdem soll es da ja noch die ominöse zweite Wohnung geben, die mühsam in den Fels gefräst wurde.

    Für das Mitglied des Vermögens- und Verwaltungsrat ist es vollkommen unverständlich, dass ein normaler Mensch, wenn er etwas umplanen lässt, nicht nach den Kosten fragt. Riebel wurde noch deutlicher: "Der Bischof ist entweder ein ausgebuffter Betrüger oder krank." Eine Aussage, der sich vermutlich zahlreiche Menschen in der ganzen Republik anschließen - und noch stärker das Ende der Tebartz'schen Amtszeit fordern. 

    Gleichzeitig muss sich auch der Vermögensrat Kritik gefallen lassen, als "Aufseher" nicht genau hingeschaut zu haben. Dies wird zurückgewiesen. Das Gremium hatte dagegen erklärt, vom Bischof "hinters Licht geführt" worden zu sein.

    Jeden Tag fließt neues Wasser auf die Mühlen der Bischof-Kritiker. Jeden Tag treten neue Details zutage. Jeden Tag melden sich weitere Insider zu Wort. Wie es genau zu der Kostenexplosion bei der neuen Bischofsresidenz gekommen ist, steht dennoch nicht genau fest. Das wird noch zu ermitteln sein. Nicht abzustreiten ist hingegen die Tatsache, dass der Bischofssitz in Limburg mittlerweile rund sechsmal so teuer wird, wie ursprünglich geplant.

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