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  • Rheinland-PfalzKleine Schulen per Gesetz: Jeder Einzelfall wird geprüft

    Die CDU fordert eine Änderung des Schulgesetzes, damit mehr kleine Grundschulen überleben können. Die Mindestgröße soll abgesenkt werden. Dieser Schritt geht Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zu weit. „Die festgelegte Mindestgröße macht Sinn“, sagt sie. Die Sozialdemokratin verspricht aber, sich jeden Einzelfall genau anzuschauen. Hier das Interview mit Hubig.

    Foto: dpa

    Viele Kommunen im Land sind in Sorge, dass ihre kleine Grundschule geschlossen wird. Haben Sie dafür Verständnis?

    Klar ist, dass das für alle Beteiligten nicht leicht ist, deshalb gehen wir auch sehr verantwortungsbewusst an die Sache heran. Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass nur die kleinsten Grundschulen, die nur aus ein oder zwei Klassen bestehen, geprüft werden. Derzeit sind 41 der 964 Grundschulen landesweit in der Prüfung. Welche das sind, haben wir klar kommuniziert, und die Fragen mit den betroffenen Schulträgern hier im Bildungsministerium diskutiert. Und: Überprüfen heißt nicht zwangsläufig schließen. Es geht um die Sicherung eines qualitativ hochwertigen, wohnortnahen und vor allem zukunftsfesten Grundschulangebots. Das ist und bleibt oberstes Ziel. Deshalb gehen wir mit Augenmaß vor, schauen uns jeden Einzelfall genau an, sind transparent und beziehen die Akteure vor Ort mit ein, damit alle regionalen Gegebenheiten berücksichtigt werden können.

    Die CDU will mehr Spielräume für die Kommunen und das Schulgesetz ändern, damit eine Schule nur noch insgesamt zwei Klassen haben muss. Was halten Sie davon?

    Schon meine Vorgängerinnen haben sich seit geraumer Zeit konstruktiv mit dem Erhalt von kleinen Grundschulstandorten befasst – lange bevor die CDU jetzt auf das Thema gesprungen ist. Angesichts zurückgehender Schülerzahlen wurden Maßnahmen ergriffen, um Grundschulen in der Fläche möglichst zu erhalten. Die Absenkung der Klassenmesszahl von 30 auf 24 Kinder pro Schulklasse etwa hat zur Sicherstellung der Mindestgröße bei vielen kleinen Grundschulen beigetragen. Die Entwicklung hat aber leider gezeigt, dass das nicht reicht. Nach dem Schulgesetz müssen Grundschulen mindestens eine Klasse je Jahrgangsstufe umfassen. Schon jetzt sind Ausnahmen davon in besonderen Fällen möglich. Was Gründe für Ausnahmen sein können, haben wir in unseren Leitlinien beispielhaft dargestellt. Die festgelegte Mindestgröße macht aber Sinn: Größere Grundschulen haben mehr Handlungsspielraum bei der Gestaltung der pädagogischen Arbeit, des Angebots und des Schullebens, etwa in Hinblick auf Arbeitsgemeinschaften, Schulfeste oder der Einrichtung eines Ganztagsangebots. Lehrkräfte können sich untereinander austauschen, und vor allem lernen Schüler ein vielfältiges soziales Miteinander über Alters- und Klassenstufen hinweg kennen.

    Zudem empfiehlt die Opposition, dass Grundschulen mit mehreren Standorten nur an einem Standort zwei Klassen nachweisen müssen. Ist das vorstellbar?

    Es ist bereits seit dem Schuljahr 2009/2010 möglich, dass Grundschulen nach dem sogenannten Sprengelschul-Modell organisiert sind und zusammenarbeiten. Das heißt, dass Grundschulen an verschiedenen Standorten in verschiedenen Schulbezirken zusammengefasst werden und sich Verwaltungs- und Leitungsaufgaben teilen. Einen Mehrwert kann ich beim CDU-Konzept nicht erkennen. Das Ziel muss doch sein, ein vielfältiges pädagogisches Angebot zu gewährleisten. Außerdem stellen sich weitere Fragen, auf die die CDU keine Antwort gibt. Zum Beispiel, wie die Aufsichtspflicht bei nur einer Lehrkraft am Standort immer gewährleistet werden kann. Diese Konstruktionen der CDU sind nicht zu Ende gedacht.

    Eine andere Variante sind Kooperationsmodelle zwischen Kitas und kleinen Grundschulen in Bildungshäusern, wie sie in Baden-Württemberg existieren. Ist der Ansatz auf Rheinland-Pfalz übertragbar?

    Es ist wichtig, dass für die Kinder ein erfolgreicher Übergang von der Kindertagesstätte zur Grundschule gestaltet wird. Wir haben in Rheinland-Pfalz deshalb viele Kooperationsmodelle, in denen Erzieherinnen und Erzieher mit Grundschullehrkräften vor diesem Hintergrund vor Ort eng zusammenarbeiten. Ich bezweifle aber, dass ein Kooperationsmodell, wie jetzt von der CDU ins Spiel gebracht, die Probleme der zu kleinen Grundschulen löst. Bei den grundsätzlichen Fragen des sozialen Lernens mit Gleichaltrigen oder der Gestaltung der pädagogischen Arbeit hilft das nicht wirklich weiter. Kitas benötigen anderes Fachpersonal und stellen völlig andere Ansprüche an die Räumlichkeiten als eine Grundschule. Es reicht eben nicht, an eine leer stehende Schule ein Schild zu hängen, auf dem „Bildungshaus“ steht. Und wenn vor Ort tatsächlich in absehbarer Zeit so viele Kita-Kinder sind, wäre das ja schon im Vorhinein ein Grund für den Erhalt der Schule.

    Wie geht es in den nächsten Monaten mit dem landespolitischen Reizthema kleine Grundschulen weiter?

    Wir brechen nichts übers Knie, die Schulträger haben nun bis Oktober Zeit, um die jeweiligen Rahmenbedingungen darzustellen und die damit verbundenen Überlegungen für den Umgang mit ihren Schulstandorten zu erarbeiten. Die Schulbehörde ist von Anfang an dabei und wird diesen Prozess begleiten. Außerdem sollen alle vor Ort an Schule Beteiligten hier einbezogen werden. Sobald die Konzepte bei der Schulbehörde eingereicht werden, wird die ADD diese genau prüfen. Damit sind wir auf einem guten Weg, um überall im Land ein pädagogisch wertvolles Grundschulangebot zu sichern, und zwar verlässlich und vor allem dauerhaft, damit Eltern auch die nötige Planungssicherheit haben.

    Das Gespräch führte Dietmar Brück

    Eine Liste der zu prüfenden Schulen im Land finden Sie, wenn Sie diesen Artikel mit der RZplus-App scannen.

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