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    Bad Honnef/BonnJugendamt glaubte immer Annas Pflegemutter

    Im Fall Anna hat eine Mitarbeiterin des Königswinterer Jugendamts acht Stunden lang ausgesagt. Sie war für das neunjährige Mädchen zuständig, das im Juli 2010 in der Badewanne seiner Pflegeeltern gewaltsam zu Tode kam.

    Die Angeklagte Petra W.
    Die Angeklagte Petra W.
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Marcelo Peerenboom

    Als Anna im Juli 2008 aus einem Kinderheim kam und in eine Pflegefamilie wechseln sollte, da sprach vieles gegen das Bad Honnefer Ehepaar, wie im Lauf der Vernehmung deutlich wurde. Die Jugendamtsmitarbeiterin selbst fand die Pflegemutter unsympathisch. Vor allem störte sie das ständige Eigenlob. Auch die Wohnverhältnisse waren nicht ideal: Um Anna aufnehmen zu können, mussten die Eheleute ihr Schlafzimmer räumen und auf der Couch im Wohnzimmer schlafen. Und vor allem: Anna war kein einfaches Kind, brauchte viel Aufmerksamkeit. Daher schlug das Jugendamt auch laut Zeugin eine Fachpflegefamilie vor, in der mindestens ein Elternteil eine pädagogische Ausbildung hat.

    Doch die vorgeschlagene Familie lehnte die leibliche Mutter ab, wie es vor Gericht hieß. Stattdessen bestand sie auf dem Ehepaar, das jetzt auf der Anklagebank sitzt. Begründung: Anna kannte die beiden, weil sie schon mal dort zur Kurzzeitpflege war. Dass das Jugendamt nicht dennoch auf einer fachlich qualifizierten Unterbringung bestand, begründete die Zeugin damit, dass die Mutter das Sorgerecht hatte und man einen Sorgerechtsstreit vermeiden wollte.

    Anfangs war nur die Unterbringung für ein Jahr vorgesehen, bis Annas Mutter wieder in der Lage ist, für das Mädchen zu sorgen. Da nahm die Behörde auch die beengten Wohnverhältnisse in Kauf. Die Pflegemutter informierte das Jugendamt regelmäßig über das Leben mit Anna, auch Probleme mit dem Mädchen benannte sie. Die Jugendamtsmitarbeiterin dazu: „Mein Eindruck war: Auch wenn es Schwierigkeiten gab, ist sie mit Anna gut zurechtgekommen.“ Sie habe die Angeklagte als „sehr aufopferungsvoll“ erlebt.

    Wie sich aus der Zeugenvernehmung ergab, hat sich die Mitarbeiterin des Königswinterer Jugendamts immer nur auf das verlassen, was ihr die Pflegemutter berichtet hatte. „Ich bin nie auf die Idee gekommen, dass ich etwas kritisch überprüfen sollte“, sagte sie vor Gericht. Der Eindruck, den ihr ebenfalls die Pflegemutter vermittelte: Anna hatte immer dann Probleme mit dem Essen und musste sich übergeben, wenn sie mit ihrer leiblichen Mutter Kontakt hatte. Folge: Mit Einwilligung des Jugendamts wurde der Kontakt zur Mutter reduziert, bis er am Ende ganz eingestellt wurde. Auf die Idee, dass es vielleicht darum ging, eine Misshandlung zu vertuschen, kam offenbar niemand.

    Überhaupt wurde wenig überprüft. So reichte der Jugendamtsmitarbeiterin die Angabe der Pflegemutter, sie schalte eine Therapeutin ein, die Annas Probleme lösen soll. Dass diese Anna erst fast ein Jahr später zu Gesicht bekam, erfuhr das Jugendamt erst nach dem Tod Annas. Auch sorgenvolle Hinweise von der Schule, aus der Nachbarschaft und von der Polizei, dass es Anna dort nicht gutgeht, hatten nicht zur Folge, dass das Jugendamt das Kind aus der Familie herausholte.

    Die Zeugin selbst war vor Gericht deutlich angespannt und musste mehrfach mit den Tränen kämpfen. Sie frage sich bis heute, wie Anna so gequält werden konnte. Gegen sie und den Jugendamtsleiter laufen derzeit noch Ermittlungen.

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