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  • Im Moseltal entsteht Monumentales: Bau der umstrittenen Hochmoselbrücke schreitet voran

    Rheinland-Pfalz. In einigen Jahren wird hoch über dem Moseltal der Verkehr rollen - über die Hochmoselbrücke. Deren Bau schreitet voran, erste mächtige Pfeiler stehen schon. Kritiker sehen das Landschaftsbild zerstört.

    Drei mächtige Pfeiler ragen schon an den Hängen des herbstlich grün-gelben Moseltals bei Zeltingen-Rachtig (Kreis Bernkastel) empor. Die grauen Ungetüme zeugen davon, dass hier etwas Großes entsteht - die Hochmoselbrücke. Vom Jahr 2016 an soll in rund 160 Metern Höhe und auf 1,7 Kilometern Länge der Verkehr über das malerische Tal hinwegrollen. Während Befürworter von einem wichtigen Projekt für die Verkehrsinfrastruktur in Rheinland-Pfalz sprechen, befürchten Kritiker die Zerstörung des Landschaftsbildes.

    Die Hochmoselbrücke ist Teil des Hochmoselübergangs, ein 25 Kilometer langer, neuer Abschnitt der B50 zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel und Longkamp im Hunsrück. Insgesamt entstehen neben der Moselbrücke vier weitere Brücken, ein Tunnel sowie zwölf Grünbrücken für Wildtiere, an einigen Stellen gibt es sogar Amphibiendurchlässe etwa für Frösche und Kröten. 4,1 Millionen Kubikmeter Erde werden laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) bewegt. Etwa 375 Millionen Euro soll das Projekt nach jetzigem Stand kosten.

    Das Foto zeigt die im Bau befindlichen Pfeiler des Hochmoselübergangs bei Zeltingen-Rachtig. Die umstrittene Moselquerung mit einer Höhe von 160 Metern gilt als größte Brückenbaustelle in Europa. Foto: dpa
    Das Foto zeigt die im Bau befindlichen Pfeiler des Hochmoselübergangs bei Zeltingen-Rachtig. Die umstrittene Moselquerung mit einer Höhe von 160 Metern gilt als größte Brückenbaustelle in Europa.
    Foto: dpa

    Mit dem Hochmoselübergang entstehe eine schnellere Verbindung zwischen den Nordseehäfen im Benelux-Raum und dem Rhein-Main-Gebiet, sagt der technische Geschäftsführer des LBM, Bernd Hölzgen. „Außerdem ist es eine Entlastung für die hochbelastete A61.“ Da sich Strecken verkürzten und das den Spritverbrauch mindere, sei das Bauwerk auch ökologisch sinnvoll. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) drückt es so aus: „Es ist eine der großen Achsen in Europa, die hier gebaut wird.“ Auch würden der Flughafen Hahn besser angebunden und andere Straßen in der Region entlastet.

    Die Verantwortlichen rechnen anfangs mit rund 20 000 Fahrzeugen pro Tag, davon etwa 20 Prozent Lastwagen, nach und nach soll sich das steigern. Im Vergleich dazu rauschen über die Schiersteiner Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden bis zu 90 000 Fahrzeuge am Tag.

    Unbestrittenes Herzstück des Projekts ist die Hochmoselbrücke - die zurzeit größte Brückenbaustelle Europas, wie Hölzgen sagt. 2011 begannen die Arbeiten. Zusammengesetzt wird das Bauwerk an der Hunsrück-Flanke des Moseltals aus 82 Segmenten, die jeweils 15 bis 25 Meter lang sind. Dafür wurde ein 300 Meter langer Vormontageplatz angelegt. Von dort wird die 29 Meter breite Stahlkonstruktion nach und nach über das Tal auf insgesamt zehn Pfeiler geschoben. Experten nennen das Taktschiebeverfahren. Im Frühjahr steht der erste Schub mit Hilfe hydraulischer Pressen an. Pro Jahr folgen laut LBM zwei bis drei weitere, bis die Brücke auf der Eifelseite angelangt sein wird.

    Bei aller Faszination ob der Ingenieursleistung verdeutlichen die gebauten Pfeiler schon heute, wie dominant die Brücke einmal über dem Tal thronen wird. Um den Eingriff in die Landschaft so gering wie möglich zu halten, wurde eine Stahlkonstruktion gewählt. Die sei deutlich schmaler als eine Betonvariante, erklärt Edeltrud Bayer, Dienststellenleiterin des LBM in Trier. Zudem wird Lewentz zufolge darüber nachgedacht, die Pfeiler später anzustrahlen, an einem eine Kletterwand zu bauen und eine Aussichtsplattform zu errichten.

    Gegner des Projekts kann das nicht beruhigen. Eine Mitarbeiterin eines Informationszentrums im nahen Erden erzählt etwa, zu Beginn der Bauarbeiten seien Schilder beschädigt und das Zentrum mit rohen Eiern beworfen worden. Das habe sich gelegt. Die Bürgerinitiative „Pro Mosel“ sieht indes die Landschaft verschandelt und hält auch die verkehrstechnischen Vorteile für überschaubar. Einige Orte würden sogar mit mehr Verkehr belästigt. Außerdem sieht der Verein durch Erdarbeiten den Wasserhaushalt der Riesling-Lagen gefährdet.

    Die Bürgerinitiative steht auch hinter dem Verein „Konzepte für unseren Lebensraum Erde - Agenda 21“, der vor dem Verwaltungsgericht Trier um Einsicht in die Brückenakten kämpft und Prüfergebnisse zur Statik des Bauwerks sichten will. Das Land hatte einen Antrag laut Gericht abgelehnt, weil so Betriebsgeheimnisse der Baufirmen preisgegeben werden könnten. Der Verein vermutet nach Angaben des „Pro Mosel“-Vorsitzenden Georg Laska, dass es Instabilitäten an den Brückenpfeilern gibt. Das weist das Verkehrsministerium zurück. Eine Entscheidung in der Sache wird in den kommenden Wochen erwartet.

    Schwer zu schlucken haben an der Brücke auch die Grünen. 2011 akzeptierten sie im rot-grünen Koalitionsvertrag im Land zähneknirschend, dass der Bau beendet wird. Die Mittelrheinbrücke wurde dafür auf Eis gelegt. Die Grünen-Bundesvorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir sagten damals: Trotz harter Verhandlungen sei es nicht gelungen, den Bau der Hochmoselbrücke zu stoppen. „Dies ist sicherlich der schwerste Kompromiss aus grüner Sicht.“

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