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  • Hochmoselbrücke: Betonschacht soll Pfeiler vor Rutschhang schützen

    Mainz. Wird am Hochmoselübergang gegen die Regeln der Architektur verstoßen? Das jedenfalls ist die Ansicht von Rafig Azzam, Inhaber des Lehrstuhls für Ingenieurgeologie an der Universität Aachen.

    So soll sie einmal aussehen, die Brücke über die Mosel zwischen Ürzig und Rachtig. Über ihre Standfestigkeit wird allerdings schon seit Monaten diskutiert. Jetzt hat ein Aachener Experte neue Zweifel genährt. Das Mainzer Innenministerium weist diese zurück und hat den Geologen eingeladen.
    So soll sie einmal aussehen, die Brücke über die Mosel zwischen Ürzig und Rachtig. Über ihre Standfestigkeit wird allerdings schon seit Monaten diskutiert. Jetzt hat ein Aachener Experte neue Zweifel genährt. Das Mainzer Innenministerium weist diese zurück und hat den Geologen eingeladen.
    Foto: picture alliance

    Von unserer Mitarbeiterin Katharina Hammermann

    Azzam ist Experte für Erdrutsche und Gutachter im Verfahren zum Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Heute trifft er sich mit den Planern der 160 Meter hohen Hochmoselbrücke und mit Vertretern des Landesverkehrsministeriums zum nicht öffentlichen Fachgespräch. Azzam hatte das Sicherheitskonzept für den Bau der Brücke am Ürziger Hang, der ein ausgewiesenes Rutschgebiet ist, als nicht ausreichend bezeichnet. Denn der laut DIN-Norm nötige Standsicherheitsnachweis werde nicht erbracht. Es sei für jeden Fachmann klar, dass die Ausführung im Laufe der Bauphase verändert werde. Und dabei rechnet Azzam mit einer erheblichen Kostensteigerung.

    Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben ein Konzept entwickelt, das die Baugrube am Hang zusätzlich stabilisiert", sagt Diplom-Ingenieur Bernd Hölzgen - der für den Brückenbau verantwortliche Leiter des LBM. Nach der Herstellung werde ein DIN-Norm-konformer Standsicherheitswert erreicht. Und zwar sollen die bis zu 47 Meter langen Bohrpfähle, die die riesigen Pfeiler tragen werden, von einem Stahlbetonschacht geschützt werden.

    "Wenn der Hang wirklich ins Rutschen kommt, dann schiebt er erstmal gegen den Baugrubenverbau und nicht gegen die Pfeiler", sagt Hölzgen. Die obere Stahlbetonwand soll zudem mit bis zu 41 Meter langen Ankern und 12 Meter langen, betonummantelten Nägeln im Berg befestigt werden. Dies alles sei auch bereits Bestandteil der aktuellen Kostenkalkulation (das Großprojekt soll inklusive der 25 Kilometer Bundesstraße 456 Millionen Euro kosten).

    Am heutigen Mittwoch wollen die Landesvertreter Azzam, der unter anderem Frühwarnsysteme für Erdrutsche entwickelt hat, davon überzeugen, dass die Brücke gut und sicher geplant wurde.

    Erste Bohrarbeiten für Pfeiler am umstrittenen Hang der Hochmoselbrücke sollen noch in dieser Woche beginnen. Das dazu notwendige Bohrgerät sei bereits auf der Eifelseite angeliefert worden und werde derzeit montiert, sagte eine Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz in Koblenz. Zunächst werde das Fundament für die Pfeiler geschaffen, dann werde eine Pfahlkopfplatte darauf betoniert.

    Die oberirdisch sichtbaren Pfeilerarbeiten auf jener Moselseite sollten 2015 beginnen, sagte sie. Auf der Hunsrückseite sind bereits vier Pfeiler fertig, drei weitere im Bau. Die Bürgerinitiative "Pro Mosel" hatte Anfang Dezember Strafanzeige gestellt, weil sie Zweifel an der Sicherheit der Hochmoselbrücke hat. Die Brücke zwischen Ürzig und Rachtig soll rund 160 Meter hoch werden und 456 Millionen Euro kosten. Ab 2018 sollen dort Autos rollen. Der Bau wird Teil des Hochmoselübergangs, der das Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel mit dem Hunsrück verbinden soll.

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