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    Kreis Ahrweiler/KoblenzGeständnis vor Gericht: Kuss war Auslöser für Hammerattacke

    Er brauchte fast ein halbes Jahr, um die unverständliche Hammerattacke zu gestehen. Ein halbes Jahr, um den alles entscheidenden Satz zu sagen: „Ich habe diese Tat begangen.“

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Er sitzt in Gerichtssaal 105, spricht leise, meidet jeden Blickkontakt. Dann entschuldigt er sich, sagt zu seinem Opfer: „Niemals wollte ich dich umbringen. Niemals.“

    Der Mann (25) hat einem 26-Jährigen in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit einem 300-Gramm-Hammer ein Loch in den Schädel geschlagen, weil dieser zwei Tage zuvor auf einer Party seine Freundin geküsst hatte. Jetzt steht er wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Koblenz. Ihm droht lebenslange Haft. Bisher hatte er die Tat bestritten. Am Freitag, dem zweiten Prozesstag, legte er überraschend ein Geständnis ab.

    „Was brachte Sie so auf die Palme?“, fragt ihn der Vorsitzende Richter Ralf Bock. „Ein Kuss auf einer Party zu vorgerückter Stunde – das ist doch nicht unbedingt ein Weltuntergang.“ Der Angeklagte denkt lange nach, schüttelt den Kopf und erklärt: „Das kann ich Ihnen heute nicht mehr sagen.“

    Alles begann mit einer Nachricht über Facebook – das zumindest behauptete der Angeklagte im Prozess. So schilderte er den 17. März 2013, den Tag als er fast einen Menschen tötete: Er bekam vormittags eine Nachricht, die er angeblich sofort löschte und deren Absender unklar ist. Jedenfalls warnte der Absender, der Angeklagte solle besser auf seine Freundin aufpassen. Denn die habe einen anderen geküsst – das spätere Opfer. Der Angeklagte stellte seine Freundin zur Rede. Die stritt alles ab und verließ die Wohnung.

    Bis zur Tat waren es da noch rund zehn Stunden. Was der Angeklagte in der Zwischenzeit machte, ist nicht restlos geklärt. Fest steht: Um 19.30 Uhr besuchte er ein Sonnenstudio, um 22 Uhr klingelte er an der Haustür des Nebenbuhlers. Er fragte über die Freisprechanlage: „Gehört Ihnen der Audi? Ich habe den Spiegel mitgenommen.“ Der 26-Jährige wollte sofort nachsehen. Er stürmte aus seiner Wohnung, lief das Treppenhaus hinunter und öffnete die Haustür. Der Angeklagte drosch ihm sofort den Hammer auf den Kopf. Laut Anklage ließ er von seinem Rivalen erst wieder ab, als der den Hammer festhalten und um Hilfe rufen konnte.

    Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur, musste noch in dieser Nacht operiert werden. Der Angeklagte fuhr nach der Tat nach Hause, ließ einen Teil seiner Kleidung verschwinden und steckte den Rest in die Waschmaschine. Als die Polizei kam, bestritt er die Tat und behauptete, dass er seit Stunden zu Hause war. Aber der Motor seines Autos war noch warm. Er wurde festgenommen, sitzt seither in Untersuchungshaft.

    Der Angeklagte behauptet, er habe die Tat spontan verübt. Doch die Polizei ermittelte, dass er sich mit dem Opfer schon länger auseinandersetzte. Er recherchierte dessen Namen, Adresse und Autokennzeichen, suchte an mehreren Tagen nach dessen Facebook-Profil und speicherte dessen Telefonnummer in seinem Handy – allerdings unter falschem Namen.

    Vor der Tat konsumierte der Angeklagte weder Drogen noch Alkohol. Laut einem Gutachter war er voll schuldfähig. Er ist durchschnittlich intelligent und nicht vorbestraft. Der Prozess geht am 12. September weiter.

     

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