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    Rheinland-PfalzFurcht und Freude: Der Wolf ist zurück

    Wölfe hat es viele Jahrzehnte lang nur noch in Märchen und Tierparks gegeben. Doch inzwischen kehren sie aus dem Osten zurück – auch nach Rheinland-Pfalz. Seit 2012 sind hier laut dem Mainzer Forstministerium mindestens vier dieser streng geschützten Raubtiere nachgewiesen worden. Sie bereichern die Artenvielfalt im Land – und reißen mitunter Schafe. Auch mitten im Winter können jederzeit neue Wölfe auftauchen.

    Er ist wieder da: In Rheinland-Pfalz sind die Wölfe zurückgekehrt, vier sind definitiv nachgewiesen worden. Allerdings sind die Tiere wohl fast immer nur auf der „Durchreise“.
    Er ist wieder da: In Rheinland-Pfalz sind die Wölfe zurückgekehrt, vier sind definitiv nachgewiesen worden. Allerdings sind die Tiere wohl fast immer nur auf der „Durchreise“.
    Foto: dpa

    Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat sich kürzlich für eine „begrenzte Abschussfreigabe“ ausgesprochen: „In einem dicht besiedelten Land wie bei uns müssen der Ausbreitung Grenzen gesetzt werden.“ Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) widerspricht. Die Rückkehr des Wolfs sei erfreulich, sagte sie. Er gehe dem Menschen aus dem Weg, habe diesen in Rheinland-Pfalz seit der Gründung des Landes 1946 noch nie angefallen. „Unser Wolfsmanagementplan sieht aber bereits jetzt die behördlich angeordnete Entnahme (Abschuss) von Wölfen vor, falls von ihnen eine Gefährdung für den Menschen ausgehen sollte.“ In Niedersachsen ist 2016 bereits ein sogenannter Problemwolf legal geschossen worden, und auch einem verhaltensauffälligen Rüden in Sachsen droht aktuell dieses Schicksal.

    Ein Wolfsmanagementplan in Rheinland-Pfalz? Der gemeinsam mit Schäfern, Tierhaltern, Jägern und Naturschützern erarbeitete Leitfaden listet Handlungsabläufe, Ansprechpartner und Maßnahmen bei Konflikten auf. Für gerissene Nutztiere können Entschädigungen gezahlt werden.

    Ein Teil bleibt ein Phantom

    Laura Kettering, Biologin beim Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz, betont: „Der Wolf steht europaweit unter Naturschutz.“ Im 19. Jahrhundert habe der Mensch das Raubtier in Deutschland ausgerottet, seit der Jahrtausendwende gelangen wieder Wölfe vor allem aus Osteuropa vorwiegend in die ostdeutschen Bundesländer. Rheinland-Pfalz durchstreifen bislang wohl nur Durchzügler – Hinweise auf hier ansässige Wölfe gibt es noch nicht. „Sie können 80 Kilometer am Tag laufen“, erklärt Kettering. Ein Teil der Durchzügler werde hier wohl nie bemerkt.

    Für einen Nachweis können 100 Euro Belohnung ausgezahlt werden. Für ein Foto von einem Wolf und für einen Hinweis auf ein gerissenes Tier ist das laut Forstministerium bislang je einmal geschehen. „Bisher wurden neun Damtiere und sechs Schafe nachweislich von Wölfen gerissen“, sagt Ministerin Höfken. „In allen Fällen waren die Zäune der Nutztiere unzureichend.“ Sollten sich Wölfe in einem Gebiet ansiedeln, könne das Land Präventionsgebiete ausweisen. „Dort können Tierhalter finanzielle Unterstützung zum Beispiel für wolfsabweisende Zäune erhalten.“

    Unfälle bergen Gefahr für Menschen

    Der Vorsitzende des Landesverbandes der Schafhalter, Werner Neumann, sagt: „Wir sind nicht grundsätzlich gegen Wölfe, aber die verhaltensauffälligen müssen entnommen werden.“ Gelange ein Wolf in eine große Schafherde, seien weniger zwei oder drei gerissene Tiere das Problem. Schlimmer sei, wenn Hunderte Schafe auf eine Straße oder Bahnstrecke ausbrächen. Dann könnten bei Unfällen auch Menschen zu Tode kommen.

    Eine der ganz wenigen Wanderschäferinnen in Rheinland-Pfalz ist Lisa Vesely. Mit ihrer Mutter und ihrem Opa hütet sie zwischen Hunsrück und Mosel eine Herde mit 750 Tieren. Sie sagt im Freien in der winterlichen Kälte: „Ich bin nicht gegen Wölfe, aber für meine Schafe.“ Nach einer Wolfsattacke könnte es auch immense Folgeschäden geben, etwa wenn die halbe Herde später gestresst Totgeburten zur Welt bringe oder „wenn in einer Panik ein Teil meiner 500 Lämmer von den Muttertieren totgetrampelt würde“. Eine ausgebrochene Herde könnte laut Vesely auch einem Bauern das Wintergetreide wegfressen. Dann bekomme sie von diesem keine Hütefläche mehr. „Wir haben wirklich Angst. Bei jedem Schäfer-Stammtisch geht es heute um den Wolf.“ Der Sprecher des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz, Günther Klein, erinnert an frühere Jahrhunderte: „Da haben Wölfe Bauern die Existenzgrundlage genommen. Da war die Einstellung natürlich eine andere.“ Heute sehe auch der Jagdverband in Wölfen keine Konkurrenten, sondern eine Bereicherung der Artenvielfalt. Die scheuen Vierbeiner dürften weder verteufelt noch verharmlost werden: „Der Wolf ist mit Sicherheit kein Kuscheltier, sondern ein Großraubtier. Man muss respektvoll mit ihm umgehen“, mahnt Klein.

    Illegale Kofferraumwölfe

    Sein Verband sei für eine strafrechtliche Verfolgung von Jägern bei verbotenen Abschüssen von Wölfen. Genauso müsse aber auch die illegale Aussetzung sogenannter Kofferraumwölfe geahndet werden. Kommt dies oft vor, etwa weil ein Wildpark zu viel Nachwuchs hat? „Es gibt keine belastbaren Zahlen“, sagt Klein.

    Den ersten registrierten Wolf seit rund 120 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz hat 2012 im Westerwald ein Jäger aus Nordrhein-Westfalen erschossen. Er will das Tier für einen wildernden Hund gehalten haben. Vor Gericht hat er eine Geldstrafe von 3500 Euro kassiert. Und der tote Wolf? Präpariert steht er im Naturhistorischen Museum Mainz.

    Von Jens Albes

    Rheinland-Pfalz gilt als ein Durchzugsland

    Wie viele Wölfe leben heute wieder in Deutschland? Im Monitoring-Jahr 2015/2016 waren es laut dem Bundesamt für Naturschutz 46 Rudel, 15 Paare und 4 sesshafte Einzeltiere. Insgesamt streifen damit bundesweit rund 120 bis 130 erwachsene Wölfe durch die Landschaft. Das gilt als Erfolg für den Artenschutz, denn lange Zeit gab es in Deutschland gar keine Wölfe mehr. Heute leben die scheuen Raubtiere hauptsächlich in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Rheinland-Pfalz gilt bislang nur als Durchzugsland von Wölfen, die sehr weit laufen können.


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