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    MainzFrau fiel in Schönheits-Klinik ins Koma: Experte kritisiert Ärzte

    Ein Sachverständiger hat in einem Prozess um ein folgenschweres Versehen an einer Mainzer Schönheitsklinik massive Vorwürfe gegen die Ärzte erhoben. Beim jetzigen Prozessbeginn warf der vom Mainzer Landgericht bestellte Experte vor allem dem Klinikleiter grobe Versäumnisse vor.

    Fontana-Klinik in Finthen. 
Foto: Braun
    Fontana-Klinik in Finthen.
    Foto: Braun - Harry Braun

    In dem Verfahren geht es um eine 52-jährige Frau, die im Juni 2011 nach einem Facelifting einen Herzstillstand erlitten hatte und seitdem im Koma liegt. Eine 25-jährige Medizinstudentin, die als Nachtwache in der Klinik arbeitete, hatte ihr nach eigenen Angaben zuvor versehentlich das Narkosemittel Propofol verabreicht. Dieses hatte sich in einer nicht entsprechend gekennzeichneten Kochsalzinfusion befunden, die der Narkosearzt nach eigenen Worten angefertigt und im OP vergessen hatte. Der Ehemann der Patientin klagt nun auf Schadenersatz von mehr als 800.000 Euro für die Pflege seiner Frau (Az.: 2 O 266/11).

    Der vom Gericht bestellte Sachverständige nahm vor allem den behandelnden Chirurgen ins Visier, der zugleich Chefarzt und Geschäftsführer des Klinikums ist. In seinem Haus habe ein «offensichtlicher, unübersehbarer, grober Organisationsmangel» geherrscht, sagte der Heilbronner Mediziner Uwe Schulte-Sasse.

    Vor allem wegen der Diabetes der Patientin habe es sich bei dem achtstündigen Facelifting mit anschließender Nachsorge um eine komplizierte und potenziell riskante Behandlung gehandelt. Es habe in der Klinik nicht ausreichend Personal gegeben. Aus Sicht des Experten hätte ein Notfallteam zur Verfügung stehen müssen, das in höchstens vier Minuten bei Patientin sein kann. «Eine Medizinstudentin ist kein innerklinisches Notfallteam», betonte Schulte-Sasse.

    Auch der Anästhesist habe fahrlässig gehandelt, als er das Narkosemittel im OP zurückließ, ohne es richtig zu kennzeichnen. Für die weitere Behandlung sei aber der Chirurg verantwortlich gewesen.

    Die Medizinstudentin hatte die Patientin nach ihren Worten an die verhängnisvolle Infusion angeschlossen, weil sie glaubte, dass es sich dabei um eine Nährlösung für Diabetiker handelte. Die Patientin soll zuvor über Übelkeit geklagt haben. Der Sachverständige warf der Studentin vor, ihre Kompetenzen überschritten zu haben. Sie hätte die Übernahme der ärztlichen Aufgabe verweigern müssen, sagte er.

    Die Anwältin des Ehemanns sprach von «katastrophaler Organisation» und fahrlässigem Handeln aller Beteiligten. Die Verteidigung der Ärzte und der Studentin will erreichen, dass die Klage abgewiesen wird. Mit der Urteilsverkündung ist frühestens beim nächsten Termin am 6. November zu rechnen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch strafrechtlich gegen die Ärzte und Klinikpersonal.

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