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    WissenFirma Kleusberg setzt auch auf Ältere

    Ein Blick auf die Neueinstellungen der Firma Kleusberg offenbart Überraschendes. Ein Statiker mit 61 Jahren ist da zu finden, ein Bauleiter, der auch schon 59 ist. Der neue Projektleiter für die technische Gebäudeausstattung - er kümmert sich um Heizung, Klima- und Lüftungsanlagen - blickt auf 57 Lebensjahre zurück, die Zeichnerin im Stahlbau ebenfalls.

    Bei Kleusberg entsteht ein Gebäude-Modul: Auch für die Produktion kommen ältere Arbeitslose als künftige Beschäftigte in Betracht - bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten ist allerdings irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht.
    Bei Kleusberg entsteht ein Gebäude-Modul: Auch für die Produktion kommen ältere Arbeitslose als künftige Beschäftigte in Betracht - bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten ist allerdings irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht.
    Foto: Honorarfrei

    Wissen - Ein Blick auf die Neueinstellungen der Firma Kleusberg offenbart Überraschendes. Ein Statiker mit 61 Jahren ist da zu finden, ein Bauleiter, der auch schon 59 ist. Der neue Projektleiter für die technische Gebäudeausstattung - er kümmert sich um Heizung, Klima- und Lüftungsanlagen - blickt auf 57 Lebensjahre zurück, die Zeichnerin im Stahlbau ebenfalls.

    Und die neuen älteren Mitarbeiter sind oft echte Glücksgriffe für den Wissener Modulbau-Spezialisten, sagt Peter Hähner, Personalleiter der "KLEUSBERG GmbH & Co. KG". "Wir fanden lange Zeit einfach keinen Kalkulator", erzählt er. Bis dann der 56-Jährige aus Koblenz vorstellig wurde. Ebenfalls 56 ist der neue Technische Berater für den Bereich Bauphysik, der am 1. Oktober anfing: Er ist wie gebacken für Kleusberg, weil er in einer anderen Firma im Grunde dieselbe Position bekleidete. Dieses Unternehmen hatte Insolvenz anmelden müssen, der ehemalige Technische Leiter war ein Dreivierteljahr ohne Stelle - das Damoklesschwert Langzeitarbeitslosigkeit schwebte schon bedrohlich über ihm.

    Doch dann kam der Kontakt zu Peter Hähner zustande. "Wir hätten ewig suchen müssen, um so jemanden irgendwo in Deutschland zu finden", sagt der Personalleiter. Der neue Mitarbeiter wohnt in Mudersbach, nur ein paar Kilometer entfernt vom Firmensitz in Wissen (Kreis Altenkirchen).

    Für Hähner ist die regionale Verwurzelung der Idealfall. Denn mit hoch qualifizierten Fachkräften, die unter Einsatz teurer Personalberater nach Wissen gelockt wurden, hat er nicht die besten Erfahrungen gemacht. Viele von ihnen - gekommen aus Dortmund, Köln, womöglich den neuen Bundesländern - werden mit dem Städtchen mitten im Westerwald nicht warm. "Nach zwei Jahren haben sie dann oft wieder etwas in der Nähe ihrer Heimat gefunden", sagt Hähner. Dann sind sie weg - bitter und auch ein finanzieller Verlust, weil die Einarbeitung etwa eines Architekten in die speziellen Anforderungen des Modulbauers im Schnitt zwölf Monate in Anspruch nimmt. Ähnlich die Erfahrung mit Jungingenieuren, die aus Karlsruhe oder Hannover kamen: Sie sammelten erste Erfahrungen bei Kleusberg, anschließend gingen sie. "Das sind Reisende", ist die Erkenntnis von Personalleiter Hähner.

    Doch im Westerwald ansässige und verfügbare Fachkräfte sind dünn gesät. Und so machen die Verantwortlichen bei dem Wissener Unternehmen aus ihrer Not schon seit Jahren eine Tugend: Wer in der Region verwurzelt ist, bekommt auch eine Chance aus der Arbeitslosigkeit heraus. Selbst dann, wenn er schon etwas älter ist.

    Erfahrung ist ein Pluspunkt

    Denn das hat auch Vorzüge, betont Thomas Weber, der als Prokurist für die Qualitätssicherung verantwortlich ist. Schließlich verfügen diese Menschen über eine Erfahrung, die jemand frisch von der Uni oder direkt nach der Ausbildung gar nicht haben kann. "Den 30-Jährigen mit 20 Jahren Berufspraxis haben wir noch nicht gefunden", witzelt Hähner.

    Zudem beobachten Prokurist und Personalleiter: Die Arbeitsseinstellung passt bei den Älteren. In der Regel sind sie auch gut ausgebildet, was längst nicht auf alle (Langzeit-) Arbeitslosen zutrifft - doch hier geht es meist um Höherqualifizierte, die einfach das Pech hatten, ihre Stelle zu verlieren. Oft können sie in ihrem Tätigkeitsfeld eine Art "informelle Führung" ausüben: Die Reife verschafft auch eine gewisse Autorität, die Ruhe an den Arbeitsplatz bringt. Und wenn in einer Hochphase besonders viele Zeitarbeiter im Unternehmen sind, können gerade die Älteren diese unerfahrenen Kräfte rasch in die richtige Spur bringen. "Wenn da ein 22-Jähriger steht, ist das schwieriger", sagt Weber.

    In der Produktion kommt noch ein Aspekt hinzu: "Das sind die, die auf Ordnung und Sauberkeit achten." Es sind die, die ihren (jüngeren) Kollegen auch einmal darauf hinweisen, dass er doch bitte ein herumliegendes Teil aufhebt oder eben kurz den Besen in die Hand nimmt.

    Bei den schweren Tätigkeiten in der Montage zeigen sich dann allerdings auch die Grenzen der Strategie, mit "alten Neuen" gegen den Fachkräftemangel zu kämpfen. Ein 60-Jähriger tut sich nun einmal schwer damit, beispielsweise mit sperrigen Gipskartonplatten den Innenausbau der Gebäudemodule zu erledigen. Zwar gibt es auch spezielle, rückenschonende Arbeitsplätze bei Kleusberg - aber die sind eher den lang gedienten Mitarbeitern vorbehalten, die teils schon seit mehr als drei Jahrzehnten im Unternehmen sind.

    Besser Zeitarbeit als nichts

    Im Angestellten-Bereich können PC-Defizite ein Einstellungshemmnis sein, doch das "hat in den vergangenen fünf Jahren schon nachgelassen", meint Weber. Wichtiger ist ihm, dass die Zeit der Arbeitslosigkeit nicht allzu lange war - sonst weiß beispielsweise ein Architekt womöglich noch gar nichts über die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV). Weber empfiehlt deshalb die umstrittene Zeitarbeit: "Für Qualifizierte ist das auf jeden Fall ein Sprungbrett"; auch Kleusberg stellt gern bewährte Leiharbeitnehmer ein. Für den Prokuristen ist es eine rhetorische Frage: "Was ist besser: zwei Jahre Arbeitslosigkeit oder zwei Jahre Leiharbeit?"

    Modulbauweise sichert rasche Fertigstellung

    Die „KLEUSBERG GmbH & Co. KG“ ist auf Modul- und Systembau spezialisiert. Die einzelnen Räume der Gebäude beruhen auf einer Stahlkonstruktion. Sie werden weitgehend in der Halle vorgefertigt, teilweise bis hin zur Vorinstallation der Elektro- und Sanitärausstattung und dem Innenausbau der Wände. Auf der Baustelle werden die Elemente dann zusammengesetzt. Großer Vorteil dieser Herangehensweise ist laut Kleusberg die Fertigstellung in extrem kurzer Zeit – verglichen mit herkömmlichen Bauweisen. In Hallen integrierte Büroräume und Systemcontainer runden das Produktionsprogramm ab. Zudem wächst die Vermietung von Bürocontainern stetig. Mittlerweile bietet Kleusberg 14 600 eigene Mieteinheiten an. Das Unternehmen mit Sitz in Wissen (Kreis Altenkirchen) und weiteren Standorten in Dölbau (Sachsen-Anhalt) sowie Remseck am Neckar hat 2010 mit mehr als 400 Mitarbeitern einen Umsatz von 94,2 Millionen Euro erzielt.¶

    Von unserem Redakteur Jörg Hilpert

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