40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Fahnder durchsuchen Johann Lafers Stromburg
  • Fahnder durchsuchen Johann Lafers Stromburg

    Stromberg/Guldental – Ungebetene Gäste bei Sternekoch Johann Lafer: Am Montagmorgen durchsuchten Fahnder sein Restaurant auf der Stromburg und seine Kochschule in Guldental.

    Von unserem Redakteur Rainer Gräff

    Fahnder der Bundesfinanzverwaltung und der Staatsanwaltschaft wurden am Vormittag zeitgleich auf Johann Lafers Stromburg und in dessen TV-Studio und Kochschule Table d'Or in Guldental vorstellig, nahmen kistenweise Akten und mindestens einen Computer mit. Die unangekündigten Gäste mit den unauffälligen Kleintransportern interessierten sich nicht für raffinierte Rezepte, sondern für die Buchführung. Gegen den Unternehmer und Arbeitgeber Lafer wird ermittelt.

    Es besteht laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Koblenz der Verdacht auf Steuerhinterziehung und Hinterziehung von Sozialabgaben. Bestätigt wurde auf unsere Anfrage, dass zwei Staatsanwälte sowie Beamte der Steuerfahndung an der konzertierten Aktion beteiligt waren.

    Johann Lafer, wie man ihn kennt: Mit selbstbewusstem Lächeln posiert der Sternekoch vor der Stromburg.
    Johann Lafer, wie man ihn kennt: Mit selbstbewusstem Lächeln posiert der Sternekoch vor der Stromburg.
    Foto: picture alliance

    Am Dienstag findet in Bad Kreuznach die zweite Verhandlung vor dem Arbeitsgericht innerhalb kurzer Zeit gegen Johann Lafer statt. Es geht erneut um die Prüfung, ob Entgelte korrekt gezahlt wurden. Im ersten Prozess hatte der Koch gegen eine ehemalige Angestellte obsiegt, nachdem er zuvor Gelder nachgezahlt hatte. Die Frau hatte ihren ehemaligen Chef wegen des Verdachts auf Betrug und Steuerhinterziehung angezeigt. Die arbeitsrechtlichen Ansprüche aus dem Beschäftigungsverhältnis, das am 31. Mai geendet hatte, seien allerdings abgegolten, befand die Arbeitsrichterin am 21. August.

    Jetzt klagt noch ein zweiter Beschäftigter, der mehr als zehn Jahre lang als Spüler auf der Stromburg gearbeitet hatte. Der Mann fordert, dass Lafer rückwirkend Sozialversicherungsbeiträge entrichten soll. Am 2. September muss das Arbeitsgericht Bad Kreuznach darüber befinden. Im Streit soll es um eine mittlere fünfstellige Summe gehen. Schon bei der ersten Verhandlung im August war das Medieninteresse groß.
    Doch was die zahlreich aufgetretenen Fahnder am Montagvormittag interessierte, könnte möglicherweise schwerer wiegen als der arbeitsrechtliche Zwist. Es geht um Steuern und Sozialabgaben und den Verdacht, dass diese innerhalb des Laferschen Firmengeflechts möglicherweise nicht korrekt abgeführt worden sein könnten.

    Mit betretener Miene verließ die frühere Haushälterin von Johann Lafer das Arbeitsgericht: Ihre Klage wurde abgewiesen. Im Raum steht aber noch ihre Strafanzeige wegen Betrugs und Steuerhinterziehung.  Foto: Gustl Stumpf
    Mit betretener Miene verließ die frühere Haushälterin von Johann Lafer das Arbeitsgericht: Ihre Klage wurde abgewiesen. Im Raum steht aber noch ihre Strafanzeige wegen Betrugs und Steuerhinterziehung.
    Foto: Gustl Stumpf - gst

    Im Arbeitsgerichtsprozess, den eine ehemalige Haushälterin der Familie angestrengt hatte, kamen trickreiche Details der Beschäftigung und Abrechnung zur Sprache. Die Frau, die im Guldentaler Privathaushalt arbeitete, war offiziell in zwei Lafer-Firmen angestellt. Das Gehalt wurde in einen normal sozialversicherungspflichtigen Teil und einen abgabebegünstigten Minijob aufgeteilt. Außerdem, so gab die Ex-Beschäftigte an, habe sie einen weiteren Teil des Geldes für mehr gearbeitete Stunden in bar bekommen – worüber es keine Belege gibt und was Johann Lafers Anwalt im Prozess bestritt. Nach den Vorwürfen sollen vom Arbeitgeber zu geringe Sozialabgaben – zum Beispiel für Renten- und für Arbeitslosenversicherung – abgeführt worden sein. Ähnliche Vorwürfe stehen nun im zweiten Gütetermin vor dem Arbeitsgericht im Raum. Hier geht es um einen Mann, der mehr als zehn Jahre lang im Restaurant „Le Val d'Or“ auf der Stromburg tätig war.

    Die Staatsanwaltschaft Koblenz nimmt die Fälle nun offenkundig zum Anlass, Lafers Betriebe zu durchleuchten und die Buchführung zu überprüfen. Die Frage steht im Raum, ob die angezeigten oder behaupteten Unkorrektheiten im Falle der Haushälterin und des Spülers nur die Spitze eines Eisbergs sind und inwiefern dem Sozialsystem Schaden entstand.

    Silvia Lafer, die Ehefrau des medial allgegenwärtigen Johann, kritisierte am Montag in Guldental am Rande des Geschehens, dass die unbewiesenen Vorwürfe wie ein dunkler Schatten über all dem lägen, was die Unternehmerfamilie geschaffen und geleistet habe. „Neider gibt es immer“, sagte die gebürtige Guldentalerin, die mit dem Steiermärker Koch ein Firmenkonglomerat aufgebaut hat. Doch welche Arbeit hinter der Berühmtheit, den erfolgreichen Firmen, aber auch den benefizorientierten Aktivitäten stecke, das werde nicht gesehen.

    Silvia Lafer befürchtet eine Vorverurteilung auf der Basis von Gerüchten und beklagt, dass ihre Familie und vor allem die Kinder Schaden nähmen. Sie sei überzeugt davon, dass sich alles als unbegründet aufkläre.

    Lafer zieht sich aus der Schulmensa am Gymnasium am Römerkastell zurück Kommentar: Lafers Abgang ist zu verschmerzen TV-Koch akzeptiert Bewährungsstrafe: Johann Lafer kassiert deftige Quittung Kommentar: Lafers größtes Kapital ist futschEinspruch zurückgezogen: Lafers Helfer akzeptieren ihre Strafbefehle weitere Links
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Rhein-Zeitung bei Facebook
    Rhein-Zeitung bei Twitter
    Wetter
    Freitag

    17°C - 27°C
    Samstag

    15°C - 25°C
    Sonntag

    13°C - 24°C
    Montag

    12°C - 23°C
    epaper-startseite
    Anzeige
    Hartmut Wagner

    Hartmut Wagner berichtet vom Koblenzer Landgericht