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    WeitefeldDrei Monate auf der Flucht: Schäferhund Rocky hält ganzes Dorf in Atem

    Rocky ist ein ganz Gewiefter: 13 Wochen lang schaffte es der junge Rüde aus Weitefeld-Oberdreisbach, seinen Verfolgern zu entkommen. Egal ob Hundefutter mit Betäubungsmittel oder professionelle Falle eines Tierfängers" - Rocky fiel auf keinen Trick herein.

    Weitefeld - Rocky ist ein ganz Gewiefter: 13 Wochen lang schaffte es der junge Rüde aus Weitefeld-Oberdreisbach, seinen Verfolgern zu entkommen. Im Sommer war der weiße Schäferhund bei der Familie Raffaele Vinaccio ausgebüxt – und ließ seitdem niemanden mehr an sich heran.

    Misstrauisch hielt Rocky Abstand, ließ sich bestenfalls mal ein Stück Pizza oder Huhn zuwerfen, streunte nachts herum und versteckte sich tags in einem Waldstück unweit seines Zuhauses. Die Familie stellte Fallen auf, doch Rocky fiel auf keinen Trick herein.

    Dann machte ein professioneller Hundefänger dem Ausreißerleben mit dem Betäubungsgewehr ein Ende. Als Rocky, den man im Dorf in Erinnerung an den Berliner Eisbären „Knut von Weitefeld“ nennt, von der Narkose erwachte, war er wieder im Schoß seiner Familie.

    Bis dahin war Rocky in ganz Weitefeld zu Hause. Immer wieder tauchte in der Dämmerung, oft im Nebel, seine weiße Gestalt auf, mit großen hungrigen Augen. Manch einem dürfte der Schäferhund einen Schrecken eingejagt haben. Beschwerden blieben nicht aus.

    Der Beigeordnete Karl-Heinz Keßler, selbst Hundebesitzer, beteiligte sich an der Jagd. „Auch uns besuchte Rocky regelmäßig, wohl wegen unseren zwei Hündinnen“, so Keßler. „Bei der abendlichen Geburtstagsfeier meiner Frau sprachen wir gerade über Knut, als dieser plötzlich zur Terrassentür hineinschaute. Morgens stand er oft wie ein Geist ganz ruhig unter unserem Haselnussbaum im weißen Morgennebel und wartete auf unsere Hündinnen. Aber alle Fangversuche blieben erfolglos.“
    Bei der Familie des ehemaligen Pizzabäckers Vinaccio wohnte Rocky nur drei Tage, ehe er entwischte. „Wir haben ihn im Internet gefunden“, erzählt Frauchen Manuela, „er kam aus Würzburg und hatte kein Heim mehr, weil das Besitzerehepaar sich plötzlich scheiden ließ.

    Weil wir schon die weiße Schäferhündin Cora und ihren Bruder Joey haben, sind wir hingefahren und haben Rocky geholt.“ Doch der Scheidungshund war traumatisiert. „Rocky war scheu und hatte Angst vor Menschen, im Haus verkroch er sich in die stillste Ecke.“
    Doch nicht nur Rocky hatte Angst. Weil neben den Schweizer Weißen Schäferhunden Rocky, Cora und Joey auch Rottweiler-Mischling Chichi und Chihuahua-Pinscher-Mix Paulinchen in dem Haus leben, traute sich der Postbote nicht zur Tür. „Ich gehe immer zu ihm ans Auto“, erzählt Raffaele Vinaccio. „An diesem Morgen hatte ich Rocky an der Leine. Aber als der Postbote die Autotür zuschlug, erschreckte der Hund sich und riss sich samt Leine mit einem Ruck los.“
    Erst vier Tage später bekam die Familie ihn wieder zu Gesicht, als der Hund über eine Pferdekoppel in Sichtweite des Hauses lief. Von da an versuchten sie, das Tier mit Futter zu locken. Rocky schnappte sich das Fressen, ließ sich aber nie packen. Jetzt kam „Plan B“:

    Die Familie stellte Fallen der Marke Eigenbau auf: umgekippte, mit Gras und Ästen getarnte Einkaufswagen etwa, in die sie Futter legten, mit einem halbem Holzgartentor als Fallgitter. Oder ein Sonnenschirmgestell mit Netz, das über den Hund fallen sollte, wenn er sich sein Leckerli schnappt. Die Fallen wurden zwar berühmt im Dorf – doch Rocky war zu clever. Da diese Aktionen nicht geräuschlos vonstattengingen, beschwerten sich Anwohner.
    Rocky indes dehnte seine Streifzüge ungeachtet aller Nachstellungen aus und plünderte Igel- und Katzenfutterschalen. Schließlich holte man einen Tierarzt in die Jagdtruppe, der Betäubungsmittel ins Futter einer Schüssel bröselte. Das Ordnungsamt der VG Daaden forderte die Familie bald auf, die Fallen zu entfernen und Rocky zu fangen.

    Denn „Knut“ entging weiter allen Fangversuchen. Selbst als ein professioneller Tierfänger eine Lebendfalle aufstellte, war der Hund auf Zack und schnappte sich nur das ausgelegte Futter.

    „Er war nicht zu kriegen“, erzählt Keßler, „obwohl ihn viele Weitefelder sahen.“ Aggressiv gewesen sei der Hund nie. Er habe weder geknurrt noch die Zähne gefletscht. Keßler: „Die Frage ist, wie sich ein schon verwilderter Schäferhundrüde verhalten hätte, wenn er in die Enge getrieben worden wäre...“
    Schließlich ordnete das Rathaus Daaden an, dem Rüden mit einem Betäubungsgewehr aufs weiße Fell zu rücken.

    „Es ging nicht mehr anders“, sagt auch Frauchen Manuela. Das Ordnungsamt erstellte ein „Bewegungsprofil“, um dem Hundefangprofi den bestmöglichen Ort für seinen Schuss zu geben. Am Abend des 9. Oktober waren Ordnungsamt, Hundefänger, Familie, Bekannte und Feuerwehrleute mit Funkgeräten im Ort verteilt.

    Rocky wurde per Funkmeldung aufgespürt – dann zischte der Betäubungspfeil. Halb betäubt lief das Tier noch 300 Meter, bevor es zusammensackte. „Ihm geht es gut“, sagen die Hundebesitzer nun, „er ist zwar immer noch sehr scheu, aber wir passen auf ihn auf.“

    Da liegt er nun im Wohnzimmer an der Heizung und schlummert. Und was ist, wenn er es wieder schafft, durch die Haustür zu flitzen? Raffaele Vinaccio zuckt die Schultern: „Das darf nicht passieren.“

    Von unserem Redakteur Peter Seel

    Ein Dorf jagt einen Hund: Wie der "Knut von Weitefeld" endlich geschnappt wurde"Jagd-Szenen" aus Weitefeld: Wie "Knut" geschnappt wurde.
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