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  • Der Brigitte aus Koblenz wird Facebook-Gesicht von Otto.de

    Koblenz/Hamburg. Der Brigitte hat es geschafft: Ein Koblenzer Student in Frauenkleidern hat die Abstimmung zum Facebook-Gesicht von Versandhandelsriese Otto klar für sich entschieden.

    Brigitte, der eigentlich Sascha heißt, lässt die Klickzahlen explodeeren: Der Student aus Koblenz, der aus Jux ein Foto in Frauenkleidern hochgeladen hat, steht kurz davor, zum Facebook-Gesicht von Versandhandelsriesen Otto zu werden.
    Brigitte, der eigentlich Sascha heißt, lässt die Klickzahlen explodeeren: Der Student aus Koblenz, der aus Jux ein Foto in Frauenkleidern hochgeladen hat, steht kurz davor, zum Facebook-Gesicht von Versandhandelsriesen Otto zu werden.

    Koblenz/Hamburg - Der Brigitte hat es geschafft: Ein Koblenzer Student in Frauenkleidern hat die Abstimmung zum Facebook-Gesicht von Versandhandelsriese Otto klar für sich entschieden.

    Keine Chance für die bildhübsche Klara, 19-jährige Studentin, die in Jeans und BH im Getreidefeld posierte: Die Abiturientin aus Schweinfurt und 48.488 andere Teilnehmer mussten Brigitte aus Koblenz  mit seinen grellrot geschminkten Lippen, der roten Federboa und den schwarzen Netzhandschuhen den Vortritt überlassen. Mit deutlichem Vorsprung hat der Kandidat(-in) gewonnen. Otto steht parat für den 22-jährigen Koblenzer: "Aus der Nummer kommst du nicht mehr raus." Will er aber auch gar nicht.

    Es hatte am Ende eines stressigen Montags an der FH begonnen. Sascha Mörs wollte eigentlich nur noch in seiner Bude mit den beiden Mitbewohnern "Bauer sucht Frau" gucken. Den Computer warf er kurz an, um noch mal schnell zu checken, was seine Freunde aus seiner alten Heimat im Saarland so machen. Er sah massig Nachrichten rund um eine Modelsuche von Otto. Lawinenartig hatte sich der Wettbewerb verbreitet: Wer sein Foto einstellt und am Ende die meisten Stimmen hat, wird das neue Gesicht der Facebook-Fanseite. Die Regeln sind da eindeutig. Und der Brigitte sieht sich in der Pflicht: "Bei dem Shooting werde ich auf jeden Fall auf Brigitte bestehen. Immerhin wollen es Tausende Menschen so."

    Dabei war er nicht angetreten, um Otto einen Streich zu spielen und den Wettbewerb und damit einen Trip zu Aufnahmen in den Otto Fotostudios in Hamburg mit Begleitperson und Übernachtung zu gewinnen. An 500 Stimmen hatte er gedacht, "von Freunden eben". Das Foto von sich hatte er noch auf dem Laptop, hochgeladen war es schnell, das Bild von "Brigitte Nörf" war eines von weiteren Tausenden Bildern mehr oder weniger fotogener junger Menschen, etwas später ins Rennen gegangen als andere, aber immer noch früher als viele andere: Fast 50.000 Facebook-Nutzer beteiligen sich mit ihrem Bild. Und Brigitte arbeitet sich nach vorne.

    Wildfremde schickten sich den Link zu Brigitte auch auf anderen Netzwerken zu, klickten auf "Gefällt mir". Je weiter sie es nach vorne in der Abstimmung schaffte, umso schneller ratterte der Zähler. Nach zwei Tagen waren von fast 40.000 abgegebenen Stimmen fast 8000 auf ihn entfallen - der Brigitte lag auf Platz zwei. Der Führungswechsel am Donnerstagmittag war dann nur noch Formsache, seither wächst der Vorsprung kontinuierlich.

    Am Montagmorgen wenige Stunden vor Ende der Abstimmung um 12 Uhr zeigte der Zähler zwar nur noch 3000 für ihn an, aber Otto war eifrigst bemüht, bei Facebook dem Fehler auf die Spur zu kommen. Und erklärte ihn  dann auch um 12 Uhr zum Sieger.

    Dass der Student damit die zweite Brigitte ist, die es mit blonder Mähne über Koblenz hinaus zu einem gewissen Kultstatus schafft, war ihm nicht bewusst. Auch zwei Jahre nach ihrem Tod verbinden Koblenzer mit blonden "Brigittchens" vor allem das Freudenmädchen, das es als "Die spaßige Hure" auch auf N-TV zu Fernsehehren brachte und zu einem heimlichen Wahrzeichen wurde. "Oh", sagt der Sascha, der zur Brigitte wurde. "Oh."

    Das lässt sich verschmerzen, wenn einem die eigene Mutter bei Facebook in den Frauenkleidern entdeckt und dann schreibt: "Hallo Leute, votet für unser Brigittchen ...damit sie es auf Platz 1 schafft." Seine Mutter sei von der neugewonnen Tochter "positiv überrascht" gewesen.

    In seinem Freundeskreis wurde die bis dato unentdeckte Ader mit amüsierter Begeisterung aufgenommen, viele arbeiteten mit, warben in ihrem Freundeskreis um Stimmen.

    Spott bleibt aber auch nicht aus. Da wird er gefragt, ob er auf den Erfolg schon ein Piccolöchen getrunken hat, und ein Fußballkumpel meldet Bedenken vor dem nächsten gemeinsamen Duschen an. Sascha Mörs hat aber noch keine Angst vor den Geistern, die er als Brigitte auf den Plan gerufen hat: "Es ist etwas seltsam, von meinen Freunden und Kommilitonen Brigitte genannt zu werden, aber man gewöhnt sich an alles." Und wenn die Marke von 50.000 geknackt werden sollte, macht er richtig Karneval: "Dann werden Dessousfotos veröffentlicht."

    Bei am Ende gut 23.000 Stimmen musste er die Grenzen der Teilnahmeregeln aber dann doch nicht austesten: "Anstößige Fotos" dürfen nicht hochgeladen werden, hieß es da. Schon am Mittwoch, als Brigitte noch auf Platz zwei lag, hatte sich der erste Blogger gefragt, ob Otto jetzt ein Problem hat und wie der Handelsriese mit dem Thema umgehen wird.

    Sehr gelassen. "Überrascht und amüsiert" sei man, sagt eine Sprecherin. Klar sei aber: "Die Nummer 1 beim Voting wird es auch. Die Nutzer haben das Sagen! Wenn Brigitte gewinnt und das will, dann wird er auch als Frau fotografiert und auf die Seite kommen!“.

    Otto sichert das ohnehin nur für zwei Wochen zu - und Otto hatte auch kaum mehr eine andere Wahl, sagt Klaus Eck, ein auf Online Reputation Management und Social Media Marketing spezialisierter Berater: "Das Letzte, was Otto machen sollte, ist das Ergebnis nicht zu akzeptieren." Das Ergebnis derzeit sehe absurd aus, sagte er unserer Zeitung, während die Abstimmung noch lief. "Aber das Netz liebt diese Absurditäten." Was sich bislang abspielt, schade der Reputation von Otto.de nicht. Eck macht deutlich, dass das nicht in allen Fällen funktionieren kann: "In der Mode ist Individualität ein wichtiges Thema und funktioniert", in anderen Bereichen werde das nicht akzeptiert.

    Der Fall zeige, dass Unternehmen genau überlegen sollten, was passieren kann, wenn sie sich auf Crowdsourcing einlassen, wenn sie also die Nutzer mitbestimmen lassen. "Der Preis, den man für die Einbindung zahlt, ist, dass man dann mit dem Ergebnis einverstanden sein muss."

    Allerdings sind nicht alle Otto-Fans mit dem Ergebnis einverstanden: Einige Nutzer beklagen in Kommentaren die "Verarsche", Brigitte sei keine Frau, das Ergebnis Betrug. "Unseriöse" sei das von Otto. "Es gibt sehr viele sehr hübsche Leute, die diesen Contest ernst genommen haben, und so ein Witz gewinnt dann?" Andere Nutzer legen solche Rückmeldungen als Neid und Spießertum aus.

    Aber wie soll Otto mit dem Ergebnis umgehen, wie den Nutzern erklären, wenn ihnen irgendwann im kommenden Jahr auf der Facebook-Seite plötzlich ein Mann in Frauenklamotten entgegenlacht? "Das wird die Kunst sein, eine klassische Vermittlungsaufgabe", so Klaus Eck. Es sei auch eine Frage, wie dann die Fotos gemacht werden. Otto müsse überlegen, wie es die Verrücktheit weiter für sich spielen lassen kann. "Ich bin da auch gespannt."

    Die Einladung an Brigitte soll jetzt schnell rausgehen, Fotoaufnahmen werden laut Otto Anfang kommenden Jahres gemacht. Die Otto-Sprecherin erklärte, man werde dann "kommunikativ an die Aktion anknüpfen". Die Fans werden also wohl schon wieder von dem Gewinner bei Otto.de erfahren, noch ehe das neue Gesicht auf der Seite Einzug hält.

    Unglücklich ist man bei Otto über die Entwicklung nicht: „Die Riesen-Aufmerksamkeit, wie wir derzeit erzielen, verdanken wir ja auch nicht unwesentlich Brigitte.“ Rund 1,2 Millionen Stimmen waren am Ende abgegeben worden, die Zahl der Fans ist von rund 25.000 am 12. November auf mehr als 160.000 geklettert. Und anstrahlen wird sie demnächst Brigitte, der Student aus Koblenz.

    Lars Wienand

    "Der Brigitte" aus Koblenz hat Spaß als ModelRosarot: Der Brigitte wirft sich für Otto in die Brust
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