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  • Befürworter und Skeptiker: Fall Henri bringt Inklusionsdebatte in Fahrt

    Rheinland-Pfalz. Der Fall des kleinen Henri hat alles, um leidenschaftliche Befürworter und überzeugte Skeptiker in der Inklusions-Debatte in Rage zu bringen.

    Foto: picture alliance

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Die Eltern des 11-Jährigen mit Downsyndrom wollen ihr Kind auf eine normale Schule schicken, in die auch Henris Freunde gehen. Doch das örtliche Gymnasium im badischen Walldorf wie auch die Realschule seines Heimatortes wollen ihn nicht aufnehmen. Sie befürchten, das behinderte Kind nicht richtig fördern zu können. Ein symbolischer Streitfall, der bis nach Rheinland-Pfalz hohe Wellen schlägt. Zumal er in der ARD-Sendung "Günther Jauch" Thema war, in der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) für einen Ausbau der Inklusion mit Augenmaß warb.

    Doch auch wenn in Rheinland-Pfalz noch kein "Fall Henri" bekannt wurde, wird auch hier heftig um den Umbau in ein inklusives Schul- und Bildungssystem gerungen, bei dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam lernen. Wie brisant die Debatte verläuft, zeigt eine interne und vertrauliche Analyse der Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz.

    Dort ist alles versammelt, was Rang und Namen hat. Das sechsseitige Papier, bei dem jede Seite mit einem dicken Stempel "nur zur Liga-internen Verwendung" gekennzeichnet wurde, hat es in sich. Akribisch werden Anspruch und Wirklichkeit der rheinland-pfälzischen Inklusionspolitik gegenübergestellt. Das Dokument, das unserer Zeitung vorliegt, datiert vom Januar diesen Jahres. Einer der Kernsätze lautet: "Mit dem Blick hinter die Kulissen stellt die Liga Rheinland-Pfalz fest, dass Anspruch und Realität in der Behindertenpolitik in Rheinland-Pfalz weit auseinander klaffen."

    Und weiter heißt es: "Behinderten Menschen in Sonntagsreden auf der Vorderbühne Hoffnungen zu machen, aber die Rechnung für eine kostenintensive Inklusion auf der Hinterbühne nicht zahlen zu wollen, können wir nicht mittragen." In der internen Analyse wirft die Liga Rot-Grün also schlicht Doppelzüngigkeit vor. Die Autoren stellen der Landesregierung ein ausgesprochen schlechtes Zeugnis aus: "Für die Inklusion fehlen fachliche, strukturelle und finanzielle Konzepte der Umsetzung."

    Das SPD-geführte Bildungsministerium sieht die Lage natürlich anders. Vorwürfe, das Land betreibe "Inklusion mit der Brechstange", wie es jüngst CDU-Chefin Julia Klöckner nannte, hält man für völlig überzeichnet. Schließlich werde das Netz an Schwerpunktschulen, in denen gemeinsam gelernt wird, bereits seit zehn Jahren Schritt für Schritt ausgebaut. Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) ist in der Tat für eine vorsichtige Vorgehensweise bekannt, steht in dieser Frage aber unter dem Druck des grünen Koalitionspartners.

    Und die Frage der Konnexität (wer bestellt, der bezahlt) wurde laut Landesregierung gründlich geprüft. Die in den Schwerpunktschulen benötigten zusätzlichen Integrationshelfer fallen laut Bildungsministerium "eindeutig in die Zuständigkeit der Träger von Sozial- und Jugendhilfe". Sie stünden behinderten Kindern schon immer zu. Ergo müssen die Kommunen zahlen, was diese mächtig empört. Das neue Schulgesetz, dass die Wahlfreiheit der Eltern verankert, soll in einer der nächsten Plenarsitzungen beschlossen werden. Dann zeigt sich, ob aus der Protestwelle eine kommunale Klagewelle wird.

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