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  • Machtfrage am Nürburgring ist geklärt: Exklusive Einsichten in den Vertrag

     Rheinland-Pfalz. 25 Seiten, 36 Anlagen: Der Vergleich zum Nürburgring ist ein umfangreiches Dokument. Monatelang wurde darüber verhandelt. Mehrfach standen die Gespräche kurz vor dem Abbruch. Am Ende waren sowohl die bisherigen Pächter als auch die Sanierer an der Rennstrecke zufrieden. Wir haben in das Vertragswerk hineingeschaut.

    Die stillstehende Achterbahn Ring-Racer ist fast wie ein Symbol für das Scheitern der Ring-Pläne. Vielleicht fährt sie ja doch noch irgendwann – wo jetzt die Zukunft des Nürburgrings begonnen hat.
    Die stillstehende Achterbahn Ring-Racer ist fast wie ein Symbol für das Scheitern der Ring-Pläne. Vielleicht fährt sie ja doch noch irgendwann – wo jetzt die Zukunft des Nürburgrings begonnen hat.

     Rheinland-Pfalz. 25 Seiten, 36 Anlagen: Der Vergleich zum Nürburgring ist ein umfangreiches Dokument. Monatelang wurde darüber verhandelt. Mehrfach standen die Gespräche kurz vor dem Abbruch. Am Ende waren sowohl die bisherigen Pächter als auch die Sanierer an der Rennstrecke zufrieden.

    Die Gesellschafter der Nürburgring Automotive GmbH (NAG), Kai Richter und Jörg Lindner, betrachten das Dokument als Basis zum Wiedereinstieg nach der Räumung. Die Sanierer Thomas Schmidt und Jens Lieser sehen den Vergleich als Grundlage dafür, dass nunmehr die wichtigsten Blockaden gelöst sind, die sie bislang an einer Verwertung des Nürburgrings gehindert haben. Wir haben in das Vertragswerk hineingeschaut.

    Hier ein Überblick:

    Aufschlussreiche Auflistung: Am Ende des Vergleichs zahlen die Ex-Pächter rund 272 000 Euro. GHB steht für Grüne Hölle Betriebsgesellschaft mbH, MIBV für MI-Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH. Im Vertrag gehören beide Firmen zur Pächter-Seite (NAG-Parteien). Zur Gegenseite zählen die CST (Cash Settlement & Ticketing GmbH), das Zahlungssystem am Ring, und die Sanierer-Firma NBG (Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH).

    Der finanzielle Vergleich: Nach Aufrechnung aller strittigen Positionen zahlt die private NAG 272 480 Euro an die insolvente Nürburgring GmbH (NG), die alte, nahezu landeseigene Besitzgesellschaft. Im Gegenzug für den Verzicht auf Pachtforderungen erhält die staatliche NG Vermögenswerte. Dazu zählen die Betriebs- und Geschäftsausstattung: der Warenbestand, Büromöbel oder etwa Fanartikel. Das allein ist nach Angaben der Sanierer mehrere Millionen Euro wert. Dazu kommt die riesige Schankanlage, mit der die gesamte Ring-Gastronomie versorgt wird. Enthalten in den Vermögenswerten sind auch das bargeldfreie Bezahlsystem und ein Grundstück. Unabhängig von den 272 480 Euro bekommt die NAG einmalig 165 000 Euro dafür, dass sie den Sanierern Personal überlässt, und 300 000 Euro dafür, dass die Laufzeit des Lindner-Managementvertrags für Hotels und Gastronomie deutlich verkürzt wurde.

    Wäre da nicht mehr drin gewesen? Die Sanierer sagen Nein. Nach ihrer Lesart waren bei den Pächtern nur noch Vermögenswerte zu holen - und zwar auf dem Wege der Verrechnung. Lieser und Schmidt wollten auf jeden Fall vermeiden, dass die klamme NAG insolvent geht. Hohe Finanzforderungen hätten zwangsläufig die Zahlungsunfähigkeit der privaten Betreibergesellschaft bedeutet. Mit der unangenehmen Konsequenz, dass die Sanierer in einem Insolvenzverfahren noch schwerer an ihr Geld gekommen wären. Thomas Schmidt wörtlich: „Wir mussten dafür sorgen, dass die NAG den Vergleich überlebt.“ Und weiter: „Über das hinaus, was wir haben, war nichts da.“

    Aus einer Tabelle auf Seite 20 des Vertrags geht hervor, dass die säumigen Pächter am Ende lediglich rund 2,7 Millionen Euro Pacht nachzahlen. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass die strittige Tourismusabgabe (von der NAG einbehalten) allein 3,2 Millionen Euro pro Jahr betrug.

    Die Sanierer haben sich in dem vor wenigen Tagen beurkundeten Vertrag sogar ausdrücklich von dem Insolvenzrechtler Christoph Brandts bestätigen lassen, dass die NAG „nach Abwicklung der in diesem Vergleich vorgesehenen Maßnahmen“ keine Insolvenz anmeldet. Der Düsseldorfer Anwalt bestätigte, dass die Gesellschaft der früheren Pächter mindestens über 450 000 Euro Eigenkapital verfügt.

    Natürlich stellt sich die Frage, warum die NAG derart knapp bei Kasse war, obwohl die Geschäfte am Ring doch angeblich prima liefen. Die Sanierer räumen allerdings auch ein: Pachtsummen von 10 oder 15 Millionen Euro waren am Nürburgring niemals zu erwirtschaften. Offenbar stand der Betriebspachtvertrag vom 25. März 2010 zu keinem Zeitpunkt auf einem soliden Fundament. Der Plan, die Investitionskosten von 330 Millionen Euro für den Ausbau des Rings zum Freizeitpark irgendwann wieder hereinzuholen, basierte auf reinem Wunschdenken. Der Nürburgring lässt sich daher nur rentabel betreiben, wenn die Renditeerwartung nach unten korrigiert wird. Dennoch sind sich die Sanierer sicher: „Am Nürburgring lässt sich Geld verdienen.“

    Die Macht am Ring: Das Sagen an dem Eifelkurs haben eindeutig Lieser und Schmidt. Es zeichnet sich ab, dass die weitaus meisten der 230 Mitarbeiter zur Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH (NBG) wechseln werden, die von den Sanierern gegründet wurde. Wer in der NAG bleiben will, kann in einer „Serviceeinheit“ ausgeliehen werden. Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt besitzt das alleinige Direktionsrecht, braucht aber die Kooperation der NAG für Hotels und Gastronomie.

    Was den früheren Pächtern bleibt: Sie haben das Erstzugriffsrecht auf die Formel 1. Um das Grand-Prix-Rennen 2013 am Nürburgring ausrichten zu können, müssen die Chefvermarkter aber den Formel-1-Boss Bernie Ecclestone zum Verzicht auf die Fahrerfeldgebühr bewegen. Dafür sieht die NAG gute Chancen. Das Geschäft muss bis Mitte Dezember in trockenen Tüchern sein, sonst fehlt die Zeit für den Vorverkauf der Ticket-Pakete. Die Lindner AG kann zudem die beiden Hotels, die Grüne Hölle und das Feriendorf Drees vorerst weiterbetreiben. Das Lindner-Management gilt als professionell und effizient. Dessen Vertrag mit der NAG bleibt bestehen. Neu ist die zeitliche Befristung bis Ende 2015. Werden die Verträge von den Sanierern bereits früher gekündigt, frühestens Ende 2013, erhält die NAG 43 000 Euro netto pro Monat - bis zum 31. Dezember 2015. Eine solche Regelung greift, wenn Hotels und Gastronomie früher verkauft würden. Die Sanierer wollen aushandeln, dass der monatliche Schadensersatzanspruch dann vom neuen Besitzer getragen wird.

    Überhaupt sind die Verträge mit der NAG so gestrickt, dass sie enden, wenn die von ihnen betroffenen Immobilien einen neuen Besitzer haben oder die derzeitigen Betreiberstrukturen eine EU-konforme Ausschreibung verhindern. Ein neuer Eigentümer hat natürlich jederzeit die Möglichkeit, mit der NAG oder der Lindner AG neue Verträge zu schließen. Oder aber Lindner und Richter erwerben den Nürburgring selbst, was sie ja offenbar vorhaben. Dafür müssen sie sich allerdings in der kommenden Ausschreibung durchsetzen.

    Auch im Vertrag geregelt: Die NAG erhält (für die Übergangsphase bis zum Verkauf) „angemessene Räumlichkeiten im Businesscenter“. Weitere Räume werden ihr für monatlich 5 Euro plus Mehrwertsteuer pro Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Lindner und Richter werden also nicht vom Ring verbannt.

    Was sonst noch geregelt ist: Die Nürburgring GmbH übernimmt vier Prozessverfahren der NAG-Parteien. Die dadurch entstehenden Kosten dürfen 800 000 Euro aber nicht überschreiten. Den Rest muss die NAG zahlen. Dabei geht es laut Vergleich unter anderem um die Vermittlung von Ex-Tennisprofi Boris Becker (425 000 Euro) und Lieferrechte der Warsteiner Brauerei (86 000 Euro) sowie weitere Provisionsansprüche.

    Mit Blick auf das für Februar/März 2013 anvisierte Ausschreibungsverfahren zum Ring muss die NAG „unmittelbar uneingeschränkten Zugang zum Rechnungswesen“ ermöglichen. Die Domains „nuerburgring.de“ und „nürburgring.de“ sollen künftig Sanierer und NAG nutzen können. Auch das ist geklärt: Bei den Ex-Pächtern verbleibt für die Übergangsphase die Hauptsammeltelefonnummer 302- unter der Vorwahl von Nürburg (02691).

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

     

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