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    MontabaurWenn Träume zerplatzen wie ein Luftballon

    Ein Crashkurs der Polizei hat im Rahmen eines Verkehrserziehungsprojektes am Mons Tabor Gymnasium in Montabaur nachdenkliche Schüler zurückgelassen.

    Ungewöhnlicher „Anschauungsunterricht“ auf dem Schulhof des Mons Tabor Gymnasiums. Schülerinnen und Schüler schauen sich im Rahmen eines Crashkurses ein schrottreifes Unfallauto an. Die Westerwälder Polizei will auch so junge Menschen zu besonnenen Autofahrern machen.
    Ungewöhnlicher „Anschauungsunterricht“ auf dem Schulhof des Mons Tabor Gymnasiums. Schülerinnen und Schüler schauen sich im Rahmen eines Crashkurses ein schrottreifes Unfallauto an. Die Westerwälder Polizei will auch so junge Menschen zu besonnenen Autofahrern machen.
    Foto: Markus Kratzer

    Von unserem Chefreporter

    Markus Kratzer

    Montabaur. „Und mit einem Mal zerplatzen alle Lebensträume.“ Pfarrer Wilfried Steinke aus Wirges sticht mit einer Nadel in einen riesigen blauen Luftballon. Die Zettel mit Wünschen der Oberstufenschülerinnen und Schüler des Mons Tabor Gymnasiums in Montabaur, die an dem Ballon klebten, fallen auf den Boden der Aula.

    Eindrucksvolles Finale eines einstündigen Crashkurses, den die Polizeidirektion Montabaur im Rahmen eines Verkehrserziehungsprojektes der Schule veranstaltet hat. An einem konkreten Unfall wird den rund 200 jungen Menschen drastisch vor Augen geführt, wie schnell das Leben eines Heranwachsenden enden kann. Gingen die ersten Worte von Daniela Delzepich von der Polizeiinspektion (PI) Montabaur noch in einem lebhaften Gemurmel der Schüler unter, verstummte die Unterhaltung im Laufe der Präsentation deutlich hörbar. Bis das Geräusch des platzenden Ballons fast alle aus einem betroffenen Nachdenken in die Realität zurückholt.

    Ein Film mit Bildern von schweren Unfällen auf den Straßen des Westerwaldes eröffnet den Crashkurs. Oft sind Unachtsamkeiten und nicht angepasste Geschwindigkeit die Ursache. Schonungslos offene Bilder, auch von dem Unfall jenes 20. Februar 2015, bei dem ein junger Mann in der Nähe von Langenhahn ums Leben kam. Polizeioberkommissarin Franziska Hülpert und Polizeikommissar Florian Schwan hatten an jenem Freitagmorgen Dienst, als um 6.01 Uhr der Notruf bei der PI Westerburg einging. Das Bild, das sich Schwan und später Hülpert an der Unfallstelle bot, schildern die beiden Beamten ungefiltert. Was in den Polizeiakten eher nüchtern als „Missachtung der Vorfahrt mit Todesfolge“ geführt wird, hat an diesem nasskalten Morgen in der Dunkelheit ein schreckliches Gesicht. Schwan schildert, wie er noch ein Röcheln des eingeklemmten jungen Mannes vernehmen konnte. Seine Kollegin berichtet von leicht einsetzendem Schneefall, als man die Unfallaufnahme beendete und sie durch ein Geräusch aufgeschreckt wurde. „Es war der Bestatter, der den Sarg in den Leichenwagen geschoben hat.“

    Schon während des Films kann man das eine oder andere Schluchzen in der Aula vernehmen. „Die Betroffenheit ist immer dann groß, wenn die Schülerinnen und Schüler eines der Unfallopfer persönlich gekannt haben“, lässt Franziska Hülpert ihre Erfahrungen bei inzwischen drei Veranstaltungen dieser Art Revue passieren.

    Patrick Schäfer, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Langenhahn, berichtet von dem vergeblichen Bemühen, mit einem hydraulischen Rettungsspreizer das Unfallauto zu öffnen, Rettungssanitäter Kevin Krämer schildert dezidiert die Verletzungen des jungen Fahrers, die er sich bei dem Zusammenstoß zugezogen hatte, Pfarrer Wilfried Steinke erzählt von Gesprächen mit der Mutter des Opfers, auch von der Beerdigung.

    Der Crashkurs will bewusst schockieren, und er lässt an diesem Morgen viele Schülerinnen und Schüler nachdenklich zurück. „Das ist schon krass, mal so etwas hautnah zu erfahren“, kommentiert eine Zwölftklässlerin, als sie sich auf dem Schulhof zusammen mit ihren Mitschülern ein schrottreifes Unfallauto auf einem Abschleppwagen anschaut. „Mir ist klar geworden, wie schnell von einer auf die andere Sekunde alles vorbei sein kann“, ergänzt ein junger Mann. Reaktionen, die die Polizeibeamten kennen. „Ich habe schon den Eindruck, dass solche Veranstaltungen dazu beitragen können, in den Schülern etwas zu verändern“, bringt Franziska Hülpert den didaktischen Ansatz auf einen kurzen Nenner. Wie lange ein solcher Crashkurs „nachhält“ – darüber kann auch sie nur spekulieren. Wertet man die abschließende Stille am Mons Tabor Gymnasium, so darf man hoffen: lange.

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