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    WesterwaldkreisSteigende Umsätze: Wäller Immobilienmarkt ist ein Millionengeschäft

    Niedrigzinsphase und Investitionschance – für die Experten beim Vermessungs- und Katasteramt Westerwald-Taunus und dem dort ansässigen Gutachterausschuss liegen die Gründe auf der Hand, warum auch der heimische Grundstücksmarkt stark in Bewegung ist. „Man kann schon von einer Flucht in die Grundstücke reden“, bringt es Behördenleier Wolfgang Schuld auf eine kurze Formel.

    Viele Menschen investieren derzeit in Immobilien, so wie hier im Quartier Süd in Montabaur.
    Viele Menschen investieren derzeit in Immobilien, so wie hier im Quartier Süd in Montabaur.
    Foto: Thorsten Ferdinand

    Da bildet auch der Westerwaldkreis keine Ausnahme. Betrachtet man allein die Geldumsätze, die im vergangenen Jahr auf dem Grundstücksmarkt erzielt wurden, so kletterte dieser Wert von fast 305,6 Millionen im Jahr 2015 auf mehr als 371,2 Millionen im vergangenen Jahr – ein Plus von knapp 21,5 Prozent. Unangefochtener Spitzenreiter bei den zehn Verbandsgemeinden ist die VG Montabaur mit 128,7 Millionen Euro, in der allein jeder dritte Euro im Kreis umgesetzt wird. Und nicht nur das: Die von einem Bauboom rund um den ICE-Bahnhof profitierende Region erreicht auch im gesamten Zuständigkeitsbereich des Katasteramtes in Westerburg (neben dem Westerwaldkreis sind dies noch die Kreise Altenkirchen, Rhein-Lahn und Neuwied) die Top-Platzierung. Lediglich die Stadt Neuwied kann da mit 123,3 Millionen Euro noch mithalten. Auf Rang drei der 34 Verbandsgemeinden und Städte findet sich mit deutlichem Abstand die VG Linz (50 Millionen) wieder.

    Schaut man nur in den Westerwaldkreis, so folgen nach Montabaur mit deutlichem Abstand die Verbandsgemeinden Ransbach-Baumbach und Hachenburg. Am Ende der kreisweiten Liste findet sich die Verbandsgemeinde Wallmerod mit 16,7 Millionen Euro (siehe auch Tabelle).

    Ordnet man die Wäller Verbandsgemeinden in das Gesamtranking ein, so landen Ransbach-Baumbach, Hachenburg und Westerburg hintereinander auf den Plätzen 6 bis 8. Wirges findet sich auf Platz 14 wieder, Höhr-Grenzhausen auf Rang 18. In der zweiten Tabellenhälfte finden wir Selters (20.), Rennerod (21.), Bad Marienberg (23.) und Wallmerod (29.). Die drei Schlusslichter in diesem Ranking der 32 Verbandsgemeinden sowie der Städte Neuwied und Lahnstein liegen allesamt im Rhein-Lahn-Kreis: die Verbandsgemeinden Nassau (14,1 Millionen), Hahnstätten (13,7 Millionen) und Katzenelnbogen (8,8 Millionen Euro).

    Aber was wird konkret gekauft? „Viele Immobilien, die früher als unverkäuflich galten, weil der Sanierungsaufwand zu groß war, gehen jetzt“, beschreibt Joachim Görg, Fachgruppenleiter Immobilienmarkt, einen Trend, der sich auch mit Zahlen untermauern lässt. Denn kreisweit betrug der Immobilienumsatz bei den bebauten Grundstücken 254,81 Millionen Euro, also knapp 69 Prozent. Bei unbebauten Grundstücken beträgt der Umsatz im Westerwald 47,77 Millionen Euro, auf Wohnungs- und Teileigentum entfallen 68,12 Millionen Euro.

    Knapp 10.500 Kaufverträge hat der für die Region zuständige Gutachterausschuss 2016 ausgewertet, 3562 davon im Westerwaldkreis, wie der Ausschussvorsitzende Günter Steudter zu berichten weiß. Hier ist eine Stagnation im Vergleich zum Vorjahr festzustellen, denn 2015 flossen 7 Verträge mehr in die Bewertung ein. Dass aber unabhängig von der Niedrigzinsphase im Immobiliengeschäft die Preise leicht angezogen haben, sieht man am Flächenumsatz. Denn die 2016 erzielten 371,2 Millionen Euro Umsatz „verteilen“ sich auf gut 768 Hektar. 2014 erbrachten mehr als 614 Hektar lediglich einen Umsatz von 292,3 Millionen Euro. „Man kann nicht sagen, dass Bauen billiger geworden ist. Sind die Zinsen niedrig, werden Immobilien in der Regel teurer und umgekehrt“, beobachtet Dirk Fitting, Abteilungsleiter Bodenmanagement, ein Wechselspiel.

    Eher kontinuierlich ist da schon der Preisanstieg bei landwirtschaftlichen Flächen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als etwa bei Bauland. So betrug der Preisanstieg bei Ackerland im Bereich Westerwald-Taunus zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 1. Januar 2016 satte 9,9 Prozent, bei Grünland mit einer restriktiveren Nutzung immerhin noch 7,1 Prozent. Vergleicht man die Entwicklung über einen längeren Zeitraum, so wird der Trend noch deutlicher. Für Ackerland zahlte man 2016 im Westerwaldkreis 35 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Bei Grünland beträgt das Preis-Plus 19 Prozent und liegt damit höher als in der geografischen Nachbarschaft. So meldet der Landkreis Neuwied hier „nur“ einen Anstieg von 10 Prozent.

    Von unserem Redakteur Markus Kratzer

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