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  • MontabaurSchüler graben tief in der Geschichte: Auf den Spuren der Mädchenschule

    Hinter der alten Schule in der Montabaurer Kirchstraße stand einst ein Turm. Doch wozu wurde er genutzt? Die Historica gGmbH und eine Klasse des Musikgymnasiums haben im Fundament gegraben.

    Knapp ein Meter tief haben die Schüler des Leistungskurses Geschichte zusammen mit ihrem Lehrer Claus-Peter Beuttenmüller (links) und Bernd Schrupp vom Stadtarchiv gegraben. Pauline und Joelle (hinten links und rechts) stehen auf den Resten der Stadtmauer.  Fotos: Verena Hallermann
    Knapp ein Meter tief haben die Schüler des Leistungskurses Geschichte zusammen mit ihrem Lehrer Claus-Peter Beuttenmüller (links) und Bernd Schrupp vom Stadtarchiv gegraben. Pauline und Joelle (hinten links und rechts) stehen auf den Resten der Stadtmauer. Fotos: Verena Hallermann
    Foto: Verena Hallerman

     

    Aus der alten Scheune in der Kirchstraße in Montabaur dröhnen stumpf die Geräusche einer Spitzhacke, die sich ihren Weg zwischen Steinen und Erde sucht. Claus-Peter Beuttenmüller steht in einem knietiefen Loch und fährt sich zwischendurch mit dem Handrücken über die Stirn. Einen Steinbrocken nach dem anderen hat der Geschichtslehrer vom Landesmusikgymnasium Montabaur bereits aus dem Loch gehievt. Zusammen mit seinen Schülern der 11. Klasse des Geschichte-Leistungskurses, der Historica gGmbH und der Stadt Montabaur hat er ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt: Durch die Grabung wollen sie die Geschichte der alten Scheune ans Licht bringen. Denn: Die Scheune steht im Hinterhof der ehemaligen Mädchenschule. Einst stand genau an dieser Stelle ein großer Turm.

    Gegenüber der katholischen Kirche St. Peter in Ketten gab es im 17. Jahrhundert eine Mädchenschule. Wo heute ein Geschenkladen seine Waren anbietet, wurden Mädchen im Nähen und Stricken unterrichtet. Ein Tor führt zum Hinterhof des historischen Gebäudes. Der alte Schuppen steht direkt an den Resten der alten Stadtmauer. Die Holzbalken, die heute die brüchigen Steinmauern zusammenhalten, trugen einst einen meterhohen Turm, den Mädchenschulturm. Handelte es sich um einen Sicherheitsturm? Haben die Schülerinnen vielleicht dort Unterricht gehabt? Oder war es ein Wohnturm? „Genau das wollen wir herausfinden“, erklärt Bernd Schrupp, ehrenamtlicher Mitarbeiter des Stadtarchives. „Mit dem Projekt wollen wir Geschichte für die Schüler greifbar machen.“

    Aus der Scheune dringen weiterhin die dumpfen Schläge der Spitzhacke. Die Schülerinnen Joelle und Antonia sitzen draußen und waschen die Fundstücke, die sie in dem Loch gefunden haben. Im Hintergrund singt Billie Holiday, eine Jazzsängerin des 20. Jahrhunderts. „Das motiviert voll“, freut sich Joelle, während sie ein knochenähnliches Gebilde inspiziert. „Es ist richtig cool, was man hier für Sachen findet.“ Antonia fischt derweil ein Stück Eisen aus den Fundstücken hervor. Ein paar Einkerbungen sind dort zu erkennen. Was das wohl mal war, fragt sich die junge Nachwuchshistorikerin, während sie vorsichtig die Erde entfernt.

    In die Scheune dringt durch die löchrigen Steinmauern das Sonnenlicht. Mittlerweile ist das Loch einen Meter tief und der Geröllhaufen immens. In der Ecke stehen Gartengeräte, die irgendjemand im Lauf der Zeit dort abgestellt hat. Im hinteren Teil sind die Reste der Stadtmauer zu erkennen. In der Ecke guckt ein Rohr aus der Wand. „Das stammt von einer Belüftungsanlage“, erklärt Schrupp. Das Rohr führt aus dem alten Gewölbekeller, der einst zur Hannappelschen Brauerei gehörte, in die Scheune. Warum die Belüftungsanlage einst in den Mädchenschulturm führte, ist unklar.

    Die Schulkameraden Peter und Pauline tragen einen Eimer Schutt nach dem anderen von der archäologischen Grabungsstelle nach draußen. Über ein großes Sieb untersuchen sie das Erd- und Sandgemisch auf etwaige Schätze. Dieses Mal haben sie kein Glück. „Nein, nichts dabei“, ruft Pauline ihren Kameraden zu. Vielleicht beim nächsten Mal. Joelle und Antonia haben mittlerweile eine Scherbe ins Visier genommen. Ein Henkel ist an dem blau und grau glasierten Fundstück zu erkennen. Vielleicht ein altes Milchkännchen? Wer das wohl zuletzt benutzt hat? Peter trägt gleich den nächsten Eimer Schutt nach draußen – nur eine kurze Pause in der Schubkarre hat er sich gegönnt.

    Sorgfältig wurden die Fundstücke gewaschen.
    Sorgfältig wurden die Fundstücke gewaschen.
    Foto: Verena Hallerman

    Doch was hat es nun mit dem ehemaligen Mädchenschulturm auf sich? Ganz genau lässt sich das auch nicht durch die Grabung sagen. Fest steht, dass eine Karte aus dem Jahr 1789 darauf schließen lässt, dass der Mädchenschulturm nicht zur Befestigung der Stadtmauer gehörte, erläutert Schrupp. Denn dort sind einige Türme eingezeichnet, die der Befestigung dienten – nicht jedoch der Mädchenschulturm. Die Vermutung liegt also nahe, dass es sich bei dem Turm nicht um einen Sicherheitsturm, wie der rund 200 Meter entfernte Wolfsturm im Verbund der Stadtmauer, handelt. „Dieser Turm kam später als die Stadtmauer“, sagt Schrupp. „Ich vermute, dass der Mädchenschulturm etwa nach dem 30-jährigen Krieg entstand, als Wohn- oder Schulturm.“ Alte Aufzeichnungen belegen auch, dass es sich um einen dreistöckigen Turm gehandelt haben soll.

    Die Untersuchungen haben in Zusammenarbeit mit dem Bauhof noch mehr zum Vorschein gebracht: In dem kleinen Vorraum der Scheune federt der Boden leicht nach. Das haben Probebohrungen ergeben. Ein Hohlraum? Vielleicht ein weiterer Teil eines Gewölbekellers? Genaueres lässt sich derzeit noch nicht dazu sagen.

    Auf dem Hinterhof der ehemaligen Mädchenschule ist es ruhiger geworden. Geschichtslehrer Claus-Peter Beuttenmüller hat die Spitzhacke beiseitegelegt. „Wir brechen mal so langsam das Buddeln ab“, sagt der Lehrer sichtlich erschöpft zu seinen Schützlingen, die sich zusammen mit Bernd Schrupp um die Fundstücke versammelt haben. Einige gebrannte Tonscherben, Eisenteile und Bruchstücke ehemaliger Gefäße liegen vor ihnen verteilt. Auf einem Stück Ton ist sogar ein Fingerabdruck zu erkennen, den ein Töpfer wohl vor vielen Jahren im feuchten Ton hinterlassen hat. „Vielleicht kann man da noch was zusammensetzen“, hofft Joelle mit Blick auf die vielen Kleinteile. Die Auswertung ihrer Funde wird jedenfalls noch dauern.

    Von unserer Reporterin Verena Hallermann

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