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    WesterwaldkreisProjekt 25: Westerwälder Polizei will junge Raser ausbremsen

    Vor gut sechs Jahren ging die Polizei im Westerwald einen nicht alltäglichen Weg. Schockiert von vielen tödlichen Unfällen rief sie ein Projekt ins Leben, um junge Fahrer zu besonnenerem Fahren zu bewegen.

    Ein Holzkreuz am Straßenrand erinnert an einen tödlichen Verkehrsunfall. Nicht selten sind es Fahranfänger, die durch unangepasste Fahrweise ihr Leben riskieren. Die Polizei im Westerwald appelliert bewusst auch mit drastischen Wahrheiten an die Einsicht junger Autofahrer. Foto: dpa
    Ein Holzkreuz am Straßenrand erinnert an einen tödlichen Verkehrsunfall. Nicht selten sind es Fahranfänger, die durch unangepasste Fahrweise ihr Leben riskieren. Die Polizei im Westerwald appelliert bewusst auch mit drastischen Wahrheiten an die Einsicht junger Autofahrer.
    Foto: dpa

    Von unserem Chefreporter
    Markus Kratzer

    „19 Tote, 118 Schwerverletzte in den vergangenen Monaten hier in unserer Region. Bist Du bald auch dabei?“ Auch wenn der Kinospot etwas in die Jahre gekommen ist. Wem diese Frage von der Leinwand gestellt wird, muss schon besonders hart gesotten sein, wenn ihn das kalt lässt. Ortswechsel. Eine Berufsbildende Schule im Westerwald. Ein Rettungssanitäter berichtet Schülerinnen und Schülern schonungslos über seine Erlebnisse an einem Unfallort. Für den jungen Fahrer kam damals jede Hilfe zu spät. Zwei Puzzleteile eines Projekts, das als Ganzes ein Ziel hat: junge Menschen dazu zu bringen, sich vorsichtig im Straßenverkehr zu verhalten.

    Seit mehr als sechs Jahren gibt es das Projekt 25, eine Initiative der Polizeidirektion Montabaur – 2009 ins Leben gerufen, weil sich gerade in diesem Jahr auf den Straßen des Westerwaldkreises besonders viele tödliche Unfälle ereignet haben, in die junge Fahrer verwickelt waren. Und wenn sich die Mitglieder der Gruppe aktuell treffen, um über die neuste Unfallstatistik zu reden, dann sind es genau die jungen Leute unter 25 Jahren, die sie besonders im Blick haben. 2015 saßen bei 6 der 14 tödlichen Verkehrsunfälle im Westerwaldkreis junge Männer in dieser Altersgruppe am Steuer. Bei zwei weiteren waren die verstorbenen Fahrer gerade einmal 26 und 27 Jahre alt. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 39 junge Menschen schwer verletzt.

    Auch wenn die Zahlen niedriger liegen als 2009, als in dieser Altersgruppe 15 Tote zu beklagen waren und 82 Menschen schwer verletzt wurden, ist das Problem auf Westerwälder Straßen weiter präsent. „Jeder Tote ist einer zu viel“, bringt es Thomas Delzepich von der Polizeiinspektion (PI) Hachenburg auf einen kurzen Nenner. Die Frage, wie stark die Projektarbeit dazu beigetragen hat, dass die Zahlen rückläufig sind, wagt keiner zu beantworten. Die Umkehrfrage, ob ohne das Projekt mehr Menschen auf Westerwälder Straßen gestorben wären, wäre zwar nicht minder spekulativ. Doch es scheint genau die Hoffnung zu sein, etwas bewirken zu können, die die Beamtinnen und Beamten an diesem nicht alltäglichen Unterfangen festhalten lässt.

    Und die Ziele, die damals definiert wurden, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Über allem thront das Vorhaben, schwere Verkehrsunfälle junger Fahrer dauerhaft zu verhindern, vor allem an Anfänger zu appellieren, mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Denn in den meisten Fällen führt zu hohes Tempo dazu, dass unerfahrene Autofahrer die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlieren. Laute Musik, Selbstüberschätzung, Alkohol, Drogen, Ablenkung, etwa durch das Handy oder den Beifahrer – all dies sind weitere Risikofaktoren, die im schlimmsten Fall dazu führen, dass irgendwann ein Holzkreuz am Straßenrand steht und Blumen daran erinnern, dass an dieser Stelle ein Mensch ums Leben gekommen ist.

    Schocken erlaubt. Ja, die Polizei setzt bewusst auf das eine oder andere Überraschungsmoment, um die Botschaft an die junge Frau und insbesondere den jungen Mann zu bringen. Kinospots, Plakate, Poster, Postkarten werben für die gute Sache. Am nachhaltigsten aber scheint der sogenannte Crashkurs zu wirken, den die Polizei in Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen oder Gymnasien veranstaltet. Hier schildern Beamte, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter oder auch Notfallseelsorger von ihren Erlebnissen am Unfallort bis hin zum Überbringen der Todesnachricht an die Angehörigen. „Wir lösen damit spürbare Betroffenheit aus“, berichtet Verkehrsexperte Karl Ort- seifen. Dass etwas hängen bleibt, erfahren die Beamten auch durch die Rückmeldungen der Schüler. Nicht selten sind die, die auf der Straße ihr Leben verloren haben, keine Unbekannten. Dann emotionalisieren die schrecklichen Bilder von Autowracks oder die Schilderungen der Helfer noch einmal deutlich mehr.

    Auf diese Crashkurse wollen die Mitarbeiter des Projekts 25 auch in Zukunft setzen. Bereits am 4. April findet der nächste am Mons Tabor Gymnasium in Montabaur statt. Aber auch sonst wollen die Beamten mit der Zeit gehen. So diskutiert die Gruppe, die sozialen Medien stärker in ihre Arbeit einzubeziehen. Dass der Internetauftritt des Projekts aktualisiert werden muss, steht für die Polizisten außer Frage. Darüber hinaus prüft man, ob Facebook oder der Kurznachrichtendienst Twitter geeignete Plattformen sind, um junge Menschen zu erreichen.

    „Es ist wichtig, sich mit innovativen Ideen der Zeit anzupassen und ruhig auch querzudenken“, unterstützt Volker Schmidt, Leiter der Polizeidirektion Montabaur, das Engagement seiner Beamten. Trotz einer hohen dienstlichen Belastung ist das Projekt für viele zu einer Herzensangelegenheit geworden.

    Auch wenn noch an dem einen oder anderen Detail gefeilt werden muss, steht eines für die Beamten fest: Das Projekt 25 soll fortgesetzt werden. Unterstützt vom Mainzer Innenministerium hat der Grundgedanke auch seinen Weg in die Polizeiausbildung gefunden. Veranstaltungen im Bachelor- oder Masterstudiengang könnten dafür sorgen, dass der besondere Fokus auf junge Verkehrsteilnehmer auch Einzug in die Arbeit anderer Polizeidirektionen hält. Für die Westerwälder ist dies alles andere als ein Signal dafür, die Hände in den Schoß zu legen. Oder wie Achim Grahn von der PI Hachenburg es formuliert: „Wir bleiben dran und stellen uns die Frage ,Was können wir noch tun?' dauernd neu.“

    Wie alles begann ...

    Die Unfallbilanz aus dem Jahr 2009 liest sich heute noch wie eine Horrorgeschichte. Zwischen Januar und September starben in jenem Jahr bei sechs Verkehrsunfällen im Kreis elf Menschen. Was allen Unfällen gemeinsam war: Am Steuer saßen ausnahmslos junge Männer, die zumeist mit nicht angepasster Geschwindigkeit unterwegs waren. Eine Bilanz, die auch die Polizeibeamten im Westerwald damals nicht kalt ließ. Und so wurde bereits im Oktober 2009 bei der Polizeidirektion in Montabaur eine Projektgruppe ins Leben gerufen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zahl dieser Unfälle zu verringern und gezielt junge Menschen anzusprechen, um auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Der Name für die Gruppe war schnell gefunden: Projekt 25 – in Anlehnung an die Altersobergrenze der „jungen Fahrer“, die die Polizeistatistik zwischen 14 und 24 Jahren einordnet. An der Gruppe beteiligt sind alle Polizeidienststellen des Westerwaldkreises durch ihre Dienststellenleitungen und Verkehrssicherheitsberater, der Pressebeauftragte der Polizeidirektion Montabaur sowie punktuell ausgewählte Mitarbeiter der Dienststellen. Deren spezielle Fähigkeiten, etwa bei der grafischen Gestaltung von Plakaten oder Flyern, macht man sich hier gezielt zunutze.

    Montabaur Hachenburg
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