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  • Praktikum im Westerwald: Deutsches Brot für Bäcker in Guatemala

    Bannberscheid. Gaspar Sánchez Chávez aus Guatemala darf in der Westerwälder Backstube von Frank Burggraf mit anpacken. Seine Erfahrungen soll der 20-Jährige in seiner Heimat weitergeben.

    Vieles hätte schief gehen können, im noch jungen Leben von Gaspar Sánchez Chávez: Die Mutter früh verstorben, der Vater zu arm, um ihn und seine vier Geschwister zu versorgen, drohte eine Karriere als Bettelkind auf der Straße und später womöglich als Mitglied in einer Drogengang. Doch der Sechsjährige hat Glück. Er erhält einen Platz in einem der Kinderdörfer, das die Hilfsorganisation Nuestros pequenos hermanos (Nph, "Unsere kleinen Brüder") auch in seiner Heimat Guatemala betreibt. Er wächst heran, entdeckt seine Leidenschaft fürs Backen und startet eine Ausbildung zum Bäcker. "Die Hingabe, mit der er das macht, ist uns sofort aufgefallen", berichtet Evelin Schuster, Projektkoordinatorin der Hilfsorganisation in Deutschland.

    Nach einem Besuch in Chávez' Heimatdorf Paramos initiiert sie ein Projekt, das für alle Beteiligten Neuland bedeutet: Der inzwischen 20 Jahre alte Guatemalteke erhält die Gelegenheit zu einem mehrwöchigen Praktikum in einer deutschen Bäckerei. Als aufnehmender Betrieb kann die Bäckerei Burggraf in Bannberscheid gewonnen werden. Für Bäckermeister Frank Burggraf ist es nicht der erste Kontakt mit Lateinamerika: Als 2014 eine Dauerbaustelle vor der Tür die Existenz seines Unternehmens gefährdete, machte er aus der Not eine Tugend: Burggraf reiste nach Chile, um dort in einer von deutschen Auswanderern gegründeten Bäckerei zu arbeiten und die Mitarbeiter zu schulen.

    Für seinen Gast aus Guatemala ist er voll des Lobes: "Er ist hoch motiviert, etwas Neues zu lernen und auch sehr wissbegierig. Anders als in Deutschland scheint es in Lateinamerika noch erstrebenswert, ein Bäcker zu werden", vermutet Burggraf. "Wenn er es schafft, unsere Sprache zu lernen, habe ich ihm bereits eine Lehrstelle bei mir zugesichert." Der zierliche Praktikant gibt das Kompliment gerne zurück. Die Arbeit in einer deutschen Bäckerei sei großartig, lässt er erklären. Nur an die Arbeitsgeschwindigkeit, die um einiges höher liege als in seiner Heimat, müsse er sich erst noch gewöhnen. "Hier in Deutschland habe ich sehr viel mit der Maschine gearbeitet, daheim hingegen wird noch sehr viel mit der Hand gemacht." Nach den geschmacklichen Unterschieden gefragt, nennt er das Vollkornbrot. "Das kennt man in Guatemala nicht. Ich mag es aber. Mir schmeckt vor allem das einhundertprozentige Roggenbrot."

    Während des Lateinamerikatags, bei dem der gelungene Wissensaustausch mit den Einwohnern Bannberscheids gefeiert wurde, war auch Günther Thiermann anwesend. Ohne den 71-Jährigen wäre das Talent von Chávez vermutlich nie entdeckt worden. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich der pensionierte Bäckermeister im Rahmen des "Senior Expert Service" für die deutsche Entwicklungshilfe. Im Nph-Kinderdorf in Paramos führt er seitdem interessierte Jungen und Mädchen an sein Handwerk heran. "Einfach nur Geld überweisen, ist für mich keine Entwicklungshilfe", findet er. Vier Wochen im Jahr nimmt er sich daher die Zeit, um vor Ort anzulernen. "Gaspar ist definitiv einer der besten Bäcker, die ich in dieser Zeit gesehen habe. Er sieht die Liebe im Beruf, nicht nur, dass er jeden Tag etwas zu essen hat."

    Dabei war vor allem am Anfang in Gaspars Heimat Improvisationstalent gefragt: "Die Backstube hat sich in einem miserablen Zustand befunden: Es gab lediglich einen alten, verrosteten, amerikanischen Küchenofen und einen Tisch. Nicht einmal ordentliche Messer waren vorhanden", erinnert sich Thiermann. Dann jedoch wurde die Aktion "Ein Herz für Kinder" auf sein Engagement aufmerksam und übergab Spenden in Höhe von 11 000 Euro. "Von dem Geld haben wir in Vallendar einen gebrauchten Backofen gekauft und nach Guatemala verschifft", berichtet er nicht ohne Stolz. Selbst die offizielle Berufsschule komme nun in das Dorf, um ihre Lehrgänge durchzuführen.

    Von unserem Mitarbeiter Martin Boldt

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