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    Ebernhahn1951 startete die erste Busreise aus dem Westerwald nach Spanien

    Die großen Ferien haben begonnen, und viele Westerwälder werden auch in diesem Jahr wieder nach Spanien reisen. Die iberische Halbinsel ist ein begehrtes Reiseziel. Was die wenigsten wissen: Der erste deutsche Reisebus, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Fahrt nach Spanien aufbrach, stammte aus dem Westerwald. So war es vor 60 Jahren in der Westerwälder Zeitung zu lesen Es war ein neuer Mercedes-Reisebus der Firma Willi Griesar, der im Mai 1951 von Ebernhahn aus startete und ins ferne Madrid und Barcelona aufbrach. Und am Steuer dieses Mercedes-90er-Busses saß Felix Höwer, damals 25 Jahre alt, von Beruf Kraftfahrer und frisch verlobt. Die WZ hat jetzt den rüstigen 85-Jährigen in Ebernhahn besucht.

    Den neuen Mercedes-90er-Reisebus der Firma Griesar parkte der Ebernhahner Felix Höwer 1951 in Paris direkt vor dem Arc de Triomphe - um ein schönes Foto als Reiseandenken zu machen.
    Den neuen Mercedes-90er-Reisebus der Firma Griesar parkte der Ebernhahner Felix Höwer 1951 in Paris direkt vor dem Arc de Triomphe - um ein schönes Foto als Reiseandenken zu machen.

    Ebernhahn - Die großen Ferien haben begonnen, und viele Westerwälder werden auch in diesem Jahr wieder nach Spanien reisen. Die iberische Halbinsel ist ein begehrtes Reiseziel. Was die wenigsten wissen: Der erste deutsche Reisebus, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer Fahrt nach Spanien aufbrach, stammte aus dem Westerwald. So war es vor 60 Jahren in der Westerwälder Zeitung zu lesen Es war ein neuer Mercedes-Reisebus der Firma Willi Griesar, der im Mai 1951 von Ebernhahn aus startete und ins ferne Madrid und Barcelona aufbrach. Und am Steuer dieses Mercedes-90er-Busses saß Felix Höwer, damals 25 Jahre alt, von Beruf Kraftfahrer und frisch verlobt. Die WZ hat jetzt den rüstigen 85-Jährigen in Ebernhahn besucht.

    Felix Höwer aus Ebernhahn steuerte 1951 den ersten Reisebus, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Westerwald nach Spanien fuhr.
    Felix Höwer aus Ebernhahn steuerte 1951 den ersten Reisebus, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Westerwald nach Spanien fuhr.
    Foto: Stephanie Kühr

    „Damals war eine Spanienreise ein aufregendes Unterfangen“, erzählt Felix Höwer. „Denn wer konnte sich schon sechs Jahre nach Kriegsende eine so weite und kostspielige Reise leisten?“ Höwer sitzt am Esstisch seines Hauses im alten Ortskern von Ebernhahn und hat die große Europakarte auf der Tischdecke ausgebreitet. Die Leselupe in der Hand, fährt er die Reiseroute mit dem Finger nach. „Wir haben die Reisegruppe in Koblenz eingesammelt. Denn Veranstalter war ein Koblenzer Reisebüro. Willi Griesar, mein Schwager, hatte den Auftrag für die Fahrt“, erzählt der 85-Jährige. „Es waren wohlhabende, gut gestellte Leute aus der Region, die die Reise gebucht hatten. Ein Arzt war auch darunter“, weiß Felix Höwer noch. 18 Tage lang waren die etwa 35 Urlauber unterwegs. „Das war früher natürlich schon beschwerlicher als heute. Durch Frankreich gab es kaum Autobahnen. Wir sind nur Landstraße gefahren - gemächlich mit 80-Stundenkilometern“, erzählt der Rentner. „Der Bus hatte keine Klimatisierung und auch kein WC, so wie das heute in modernen Reisebussen üblich ist. Nur eine Heizung gab es“, sagt der frühere Busfahrer und schmunzelt. Auch die Hotels ließen manches Mal zu wünschen übrig. „Es waren einfache Unterkünfte. In einem Herbergszimmer krabbelten die Käfer auf dem Fußboden herum“, erzählt Höwer.

    Ganz genau kann er sich noch an alle Stationen erinnern. Über Trier und den Grenzübergang Wasserbillig ging es nach Paris. „Wir hatten hier drei Tage Aufenthalt und haben die vielen Sehenswürdigkeiten besichtigt“, erinnert sich Höwer. Eiffelturm, Invalidendom, die Kathedrale Notre Dame, den Arc de Triomphe und vieles mehr. Höwer zeigt ein kleines Schwarz-Weiß-Foto mit beige gezacktem Rand. „Ich habe meinen Bus aus Spaß vor dem Arc de Triomphe geparkt, um ein Erinnerungsfoto zu machen“, erzählt er. Was heute ein Verkehrschaos samt Hupkonzert verursachen würde, war damals kein Problem. „Es war wenig los auf den Straßen“, meint Felix Höwer und blättert in seinem alten Reisepass. Bunte Stempel vom Mai 1951 geben Zeugnis von der Reise. Über Bordeaux und San Sebastian ging es ins spanische Bergland. „Hier haben die Menschen teilweise noch in Höhlen gelebt. Ihre Häuser waren in den Fels hinein gebaut. Die Kinder liefen auf die Straße und bettelten“, erinnert er sich.
    Über Burgos und Salamanca traf die Reisegruppe schließlich in Madrid ein. „Hier hatten wir einen längeren Aufenthalt und haben jeden Tag Ausflüge ins Umland unternommen, etwa in die wunderschöne Goldschmiedestadt Toledo“, schwelgt Höwer in Erinnerungen. Über Barcelona und Lyon reisten die Urlauber zurück in die Heimat. 2000 Kilometer legten sie in 18 Tagen zurück. Eine klassische Bildungsreise war es, kein Strandurlaub.

    An seine erste Spanienfahrt erinnert sich Höwer gern. „Die Spanier waren sehr gastfreundlich. Abends saßen wir zusammen, tranken Wein, haben getanzt“, sagt er und seine Augen leuchten. Eine schöne Zeit war das. „Wir haben auf der ganzen Reise keinen einzigen Deutschen getroffen. Nur einmal eine britische Reisegruppe.“ Kein Wunder: Touristisch erschlossen war Spanien damals so gut wie nicht. Das machte sich auch auf der Speisekarte bemerkbar. „Wir haben täglich Meeresfrüchte und Fisch gegessen. Das hat gut geschmeckt, aber wir waren froh, als wir mal wieder etwas anderes bekamen“, sagt Höwer und lächelt. Sein Finger ist auf der Europakarte wieder im Westerwald angekommen. Doch die schöne Erinnerung bleibt.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

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