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    Westerwaldkreis"Mensch ärgere dich nicht" und Co.: Brettspiele sind weiter gefragt

    Adventszeit – das ist auch die Zeit, wo "Mensch ärgere dich nicht" oder "Monopoly" wieder vermehrt aus dem Regal genommen werden. Brettspiele sind nach wie vor gefragt, trotz iPhone und Co. Und das nicht nur in einer gemütlichen Freundesrunde, sondern beispielsweise auch im Kindergarten oder in Jungendzentren.

    In der Pi-pa-pestalozzi-Kita Bad Marienberg gehören Brettspiele fest zum Alltag dazu. Die Mädchen und Jungen sind begeistert bei der Sache, wenn sie würfeln, die bunten Figuren setzen und dabei einem möglichen Gewinn immer näher kommen.
    In der Pi-pa-pestalozzi-Kita Bad Marienberg gehören Brettspiele fest zum Alltag dazu. Die Mädchen und Jungen sind begeistert bei der Sache, wenn sie würfeln, die bunten Figuren setzen und dabei einem möglichen Gewinn immer näher kommen.
    Foto: Röder-Moldenhauer

    Karola Kuschmirtz, Leiterin der Pi-pa-pestalozzi-Kita Bad Marienberg, wünscht sich, dass Eltern wieder mehr mit ihren Kindern zusammen spielen. In der Einrichtung, die Platz für 135 Kinder hat, gehören Brettspiele zum Alltag. "Dabei wird die Motorik geschult, etwa wenn die Kinder würfeln lernen. Ebenso müssen sie sich konzentrieren und Spielregeln einhalten lernen. Außerdem wird das Sozialverhalten geschult, zum Beispiel müssen die Kinder warten, bis sie dran sind", beschreibt Kuschmirtz den pädagogischen Wert. Zudem, so ergänzt sie, lernen die Kleinen dabei Farben und Zahlen kennen.

    Leider, so bedauert Kuschmirtz, sei heute das gemeinsame Spielen nicht mehr selbstverständlich. Auch das Spielverhalten der Kinder habe sich verändert, was sicher auch damit zusammenhänge, dass die Kinder heute mit Lern- und Spielprogrammen am PC groß werden, die oft alleine gespielt werden. Dagegen sei nichts zu sagen, aber, so argumentiert die Erzieherin: "Es gehört zum Leben dazu, dass man auf den anderen achtet, miteinander sprechen kann." Auch Christian Heller, Diplomsozialpädagoge vom Jugend- und Kulturzentrum "Zweite Heimat" (Höhr-Grenzhausen), sagt: "Brettspiele und Tablets gehören beide zum Familienalltag dazu." Ebenso wie zur "Zweiten Heimat", wo es einen riesengroßen Spieleschrank mit rund 350 Spielen gibt, darunter die Klassiker wie "Monopoly" und die jeweils gekürten "Spiele des Jahres". Immer wieder kommen neue dazu.

    Richtige Favoriten gibt es daher im Jugend- und Kulturzentrum nicht. "Auf den Mix kommt es an", sagt Heller und antwortet amüsiert auf die Frage, ob beim Spielen bestimmte Regeln eingehalten werden müssen. "Natürlich muss zu Ende gespielt werden. Sonst macht es ja keinen Spaß." Aber es geht ebenso darum, einen sorgsamen Umgang mit dem "Material" zu erlernen. Wer miteinander spielt, muss Rücksicht nehmen, aufeinander achtgeben, auch das Verlieren lernen. "Sämtliche Sozialkompetenzen werden geschult", meint Heller. Außerdem seien Brettspiele eine gute Möglichkeit, überhaupt erst einmal in Kontakt mit den Kindern oder Jugendlichen zu kommen.

    Olaf Neumann, Jugendpfleger der VG Selters, hat beobachtet, dass vor allem jüngere Kinder (8 bis 12 Jahre) gerne zu Brettspielen greifen. Für Jugendliche hingegen seien die digitalen Spiele, die "unheimlich animiert sind", interessanter. Wer miteinander spielt, trainiert Ausdauer, das Dranbleiben an einer Sache und lernt, Frustrationen auszuhalten. Somit fördern Spiele auch ein soziales Miteinander und können integrativ wirken, führt Neumann aus.

    Digitale Spiele wie Pokémon Go zeigen den Reiz von handybasierten Spielen, erläutert Diplompädagoge Fabian Hering (Lehrer an der BBS Westerburg). Er ist überzeugt, dass Brettspiele auch heute eine Chance gegenüber digitalen Spielen haben. Ein populäres Beispiel dafür sei "Siedler von Catan". Bei beiden Formen sei der Spaßfaktor ähnlich ausgeprägt, egal ob alleine oder mit mehreren gespielt wird. Hering verweist auf einen weiteren Aspekt: Bei Jugendlichen hat das neben Spaß viel mit Identitätsfindung zu tun.

    Ein weiterer Pluspunkt pro Brettspiele ist, dass sie das soziale Miteinander fördern und soziale Kompetenzen schulen. So ist Frustrationstoleranz gefragt, wenn man beispielsweise beim "Mensch ärgere dich nicht" auf der Verliererstraße ist. Oder Teamfähigkeit bei Kooperationsspielen, bei denen Aufgaben nur zusammen erfolgreich gestemmt werden können. Außerdem, so ergänzt Hering, kommt man beim Spielen in der Regel ins Gespräch. Klassische Brettspiele sind aber nur ein kleiner Ausschnitt der Möglichkeiten, spielerisch integrativ zu arbeiten.

    Dass Jugendliche tatsächlich gerne mal zu einem Brettspiel greifen, das bestätigt auch eine Klasse an der BBS Westerburg. Die 16- bis 24-Jährigen sind angehende Sozialassistenten und absolvieren gerade das erste Ausbildungsjahr. Ein junger Mann sagt, dass er mit seiner Freundesgruppe das Schachbrett aufbaut, hin und wieder auch mal Mühle oder "Mensch ärgere dich nicht". Ein anderer hat eine feste Pokerrunde. Weitere Schüler erzählen, dass sie vor allem bei Familientreffen gerne eine Runde Rommé spielen. "Es ist ganz schön, zusammenzusitzen und Spiele rauszuholen", begründet eine Schülerin. Früher, so berichtet hingegen ein 16-Jähriger, habe er schon eher einmal Brettspiele gespielt, heute bevorzuge er Handyspiele. Eine Klassenkameradin dagegen bekennt, noch gerne jeden Sonntag mit der Familie oder auch dem Freund zu Kniffel oder Scrabble zu greifen. "Das ist schöner, als vor der Röhre zu sitzen."

    Die angehenden Sozialassistenten haben sich auch Gedanken darüber gemacht, warum Spielen so wichtig für die Entwicklung ist: "Man kann die Spielregeln auch in den Alltag übertragen. Es ist wichtig, das Verlieren zu lernen." Außerdem, so fügt ein Schüler an, schule es die motorischen Fähigkeiten, wenn die Kinder würfeln oder die Spielfiguren aufstellen.

    • Merkmale von Spielen: Sie haben einen Spaßfaktor, bieten zugleich Spannung und Entspannung, sind oft überraschend. Beim Spielen wird Gemeinschaft erlebt. Sie sind wiederholbar, ein Kind möchte ein Spiel immer wieder spielen. Sie sind zweckfrei und machen Freude.
    • Es gibt unterschiedliche Arten: Brettspiele sind Regelspiele, Paradebeispiel dafür ist Mensch-ärgere-dich-nicht. Übungs- und Funktionsspiele: Dabei entwickeln Kinder bestimmte Fähigkeiten; so wird beim klassischen "Fangen" die Motorik geübt. Konstruktionsspiele: Der Klassiker: Lego. Auch die ersten Steckspiele gehören dazu zu. Rollenspiele: Hierzu zählt Vater-Mutter-Kind.

    Von unserer Reporterin Angela Baumeier

    Interview: Spiele bereiten die Kinder aufs Leben vor
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