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  • Die Tomatenzüchterin von Wallmenroth

    Wallmenroth. Tomaten. überall Tomaten. Bärbel Weber züchtet sie im Garten, auf der Terrasse, auf dem Balkon. Und im Keller. "Denn da steht schon der Nachwuchs", verrät ihr Ehemann Michael verschmitzt unserer Mitarbeiterin, die das kleine Tomatenparadies in Wallmenroth besuchen darf. Sieben Sorten Tomaten züchtet Bärbel Weber momentan, wie stets vier Pflanzen von jeder - 28 gut daumendicke und gut zwei Meter hohe Triebe voll verlockender Früchte: Goldene Königin, Black Ethiopian, Ei von Phuket, Indigo Rose, Apricosa, Besser Select und Coracao de Boi. Und jede hat eine besondere Geschichte.

    Bärbel Weber aus Wallmenroth züchtet mit Leidenschaft Tomaten. Sie wachsen bei ihr auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten. Seit sie sich der Tomatenzucht verschrieben hat, wird jede einzelne Tomate von Bärbel Weber gewogen und Buch darüber geführt.  Fotos: Eva-Maria Stettner
    Bärbel Weber aus Wallmenroth züchtet mit Leidenschaft Tomaten. Sie wachsen bei ihr auf dem Balkon, der Terrasse und im Garten. Seit sie sich der Tomatenzucht verschrieben hat, wird jede einzelne Tomate von Bärbel Weber gewogen und Buch darüber geführt. Fotos: Eva-Maria Stettner

    In ihrem Fundus hat die 50-jährige Wallmenrotherin 18 Sorten aus aller Welt. Kurios an dieser Geschichte: Die Tomatenzüchterin mag keine Tomaten. Jedenfalls nicht roh. "Ich mag die Säure nicht", offenbart sie: nur hie und da esse sie eine süße Tomate roh. Wie um alles in der Welt kam sie da auf die Idee, ausgerechnet Tomaten zu züchten? "Durch Zufall", erklärt Weber:"2010 hat mir jemand als Mitbringsel eine Tomatenpflanze geschenkt, eine Tigerella."

    Dass die Wallmenrotherin gern gärtnert, das sieht jeder beim Blick in Webers blühende Oase. Ehemann Michael hat ein Hochbeet gebaut, auf dem seine Frau Salate, Kräuter, Gurken und Kohlrabi zieht. Gartenarbeit betrachtet Bärbel Weber, die als Maschinenbedienerin Schichtarbeit in einer großen Firma macht, als wohltuenden Ausgleich und kümmert sich mit Herz und Verstand um Blumen und Gemüse. Tigerella, die rote Cocktailtomate mit gelben Streifen, ist bei der Frau mit dem grünen Daumen einst prompt gediehen und hat ihr viele Tomaten beschert. Da Bärbel Weber nun mal keine rohen Tomaten mag, doch ernährungsbewusst und leidenschaftliche Köchin ist, machte sie kurzerhand Auflauf damit und stellte fest: Gekochte Tomaten schmecken wunderbar!

    In allen Farben und Formen

    Da wollte sie mehr über Tomaten wissen, entdeckte in der Bücherei mit Staunen, dass es über 2500 Sorten gibt, und probierte mit Pflanzen aus Betzdorf gleich aus, gelbe und dunkle zu züchten. "Als ich mir ein weiteres Buch zulegte und eine Abbildung der Tomatenvielfalt sah, war es um mich geschehen", lacht sie. Rot, gelb, grün, gelbrot, grünbraun, rund, flach, gefurcht, birnen- oder tropfenförmig, groß oder klein - die Spielarten dieses Nachtschattengewächses (Solanaceae, eine Familie der Bedecktsamigen Pflanzen) sind verblüffend. "Mich hat vor allem die Farbenvielfalt fasziniert und wie viel man aus Tomaten kochen kann", schwärmt die Züchterin.

    Mit sechs Sorten hat sie angefangen, von Beginn an jedes einzelne Exemplar gewogen und Buch darüber geführt. Ihr Ertrag im ersten Jahr 2010: 9198 Gramm. Ertrag von sieben Sorten im guten Tomatenjahr 2015: 34 Kilo. 2016 ist, sagt sie, ein mittelmäßiges Tomatenjahr: anfangs zu kühl, mittendrin feucht oder schwülwarm: "Das bedeutet Pilzgefahr, doch ich hab fast nur pilzresistente Sorten."

    Sie legt eine frisch gepflückte rote Ochsenherz-Tomate (Coracao de Boi) auf die Waage: 315 Gramm! "Die Pflanze hat meine Schwägerin aus Madeira mitgebracht. Ursprünglich stammt diese Fleischtomate aus Russland, wird heute meist in Italien angebaut und kann bis zu 500 Gramm wiegen", erklärt sie. Da Bärbel Weber die Pflanzen, die sie suchte, in unserer Gegend nicht bekam, nutzte sie für die Suche bald das Internet: "Über www.tomaten-forum.de können sich Züchter gegenseitig Samen in Tütchen zuschicken - ohne Kosten." So ist sie an echte Raritäten gelangt wie zum Beispiel "Gelbes Birnchen" aus Russland oder "Shah", eine historische gelbe Sorte aus den USA.

    Vergangenes Jahr hat sie "Rosenquarz Multiflora" aus Amerika gezüchtet: "Die Frucht war klein und platzte." Eine Russin aus Ingolstadt schickte ihr Samen der hier sehr seltenen "Black Ethiopian", die ursprünglich aus der Ukraine stammt, von Auswanderern mit nach Mittelamerika genommen wurde und dort zur beliebtesten Volkstomate wurde. Die eiförmige Frucht wird bis zu 200 Gramm schwer und ist dieses Jahr auch ein Highlight in Webers Garten. Wie schon im WM-Jahr 2014, so auch im EM-Jahr 2016 zeigt die sonst kaum an Fußball interessierte Wallmenrotherin in ihrem Heimatdorf - wo Ehemann Michael mit Bayern München sympathisiert, Nachbarn aber Schalke und Borussia Dortmund favorisieren - pflanzlich Flagge für Deutschland: Mit Tomaten in Schwarz, Rot, Gold.

    Tomaten in Schwarz-Rot-Gold

    Die drei sind erstens die "Indigo Rose", sie hat ihre lila-schwarze Farbe aufgrund ihres hohen Gehalts an Anthocyan (Flavonoide), ist sehr saftig, aber im Geschmack etwas fade. Sie ist das Zuchtergebnis der Universität Michigan, die die Sorte aus einer chilenischen Wildart und einer Wildtomate von den Galapagos-Inseln für die amerikanischen Hausgärten züchtete, weil Anthocyan im menschlichen Körper Freie Radikale fängt und Krebs vorbeugt.

    Die zweite Tomate der "Flagge" ist die rote "Besser Select", die ihre Herkunft im Freiburg des 18. Jahrhunderts hat und eine verbesserte Züchtung mit mehr Widerstand gegen Pilzkrankheiten ist: sehr süß im Geschmack, bis 50 Gramm. Drittens Gold: Die "Goldene Königin", 1884 von F. C. Heinemann in Erfurt gezüchtet und zu DDR-Zeiten zur "VEB-Tomate" erklärt, weil der staatliche Volkseigene Betrieb sie gegen Pflanzenkrankheiten verbessert hatte. Sie ist sehr süß und wird bis 50 Gramm schwer.

    Die "Schwarz/Rot/Gold"-Tomaten sind sogar regenresistent. Außer den schon genannten Sorten züchtet Bärbel Weber in diesem Jahr zwei weitere. Das "Ei von Phuket", eine eiförmige Stabtomate von der Malaienhalbinsel im Indischen Ozean: im frühen Wachstum grün, dann wächsern weiß-gelblich und reif hellrosa bis pink. Sie schmeckt mild aromatisch und ist leicht mehlig. Die "Apricosa" (Herkunft unbekannt) hat ihren Namen wohl aufgrund ihrer Form, Farbe und Süße, ist geschmacklich ein Gedicht und wird 10 bis 30 Gramm schwer.

    Eva-Maria Stettner

    Samen aus der Frucht gewinnenGesunder Auflauf, schnell gemacht
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