40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Weltraummüll im Weinberg? Rätsel um Metallfunde bei Zell
  • Weltraummüll im Weinberg? Rätsel um Metallfunde bei Zell

    Zell-Merl. Alles Gute kommt bekanntlich von oben. Dass manchmal aber auch ziemlich Überraschendes, ja sogar Gefährliches von oben kommt, davon sind die Merler Christel und Richard Erbes überzeugt. So fanden sie in ihren zwei Weinbergen oberhalb von Zell und Merl drei massive, höchst ungewöhnlich verformte und stark beschädigte Metallteile. Handelt es sich um Weltraumschrott?

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Laut Experten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht - obwohl genug davon im All herumschwirrt und zuweilen auch unkontrolliert auf der Erde einschlägt. Die massiven Metallstücke, die vor Christel und Richard Erbes auf dem Tisch ihrer Wohnstube im Zeller Stadtteil Merl liegen, sehen in der Tat kurios aus. So, als seien in weichem Zustand verformt worden. Richard Erbes sagt: "Auf jeden Fall müssen gewaltige Kräfte darauf eingewirkt haben, Kräfte, die wir uns kaum vorstellen können." Zu diesem Schluss kommt er, weil einzelne Löcher in den Stahlteilen Bruchstellen aufweisen, die offenbar davon herrühren, dass Schrauben herausgerissen wurden.

    Selbst an einer etliche Millimeter dicken, vormals wohl runden Platte, ist das der Fall. An einem anderen Teil ist eine circa 15 bis 20 Zentimeter lange rostfreie Stange fast von der Metallplatte abgerissen, die ebenfalls zwei Bohrlöcher hat. Am Ende der Stange befindet sich eine Struktur, eine Art Gewinde. "So ein Material habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen", sagt der 66-jährige Erbes.

    Schon im vergangenen Jahr, kurz nach der Weinlese, hatten er und seine Frau diese Stange und die beiden anderen Teile in ihren Weinbergen gefunden. "Das war so Anfang November", blickt Christel Erbes (62) zurück. Die beiden Eheleute zeigten die kuriosen Fundstücke auch Freunden im Zeller Stadtteil Kaimt, die vis-à-vis der Weinberge wohnen, in denen dieselben steckten. Einer von ihnen ist Reiner Windhagen, der Fotos der Teile an die RZ weiterleitete - verbunden mit der Bitte, womöglich Näheres über deren Herkunft in Erfahrung zu bringen.

    Dr. Manuel Metz ist am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit Sitz in Köln für Raumfahrtmanagement zuständig und befasst sich mit der Thematik Weltraummüll. Nach Ansicht der Fotos aus den Zeller Weinbergen sagt er: "Die Metallteile sehen für mich tatsächlich nicht wie Weltraumschrott aus." Es handele sich allem Anschein nach um Stahl. "Ein Material, das so in der Raumfahrt wenig oder gar nicht eingesetzt wird", begründet er. "Die Teile sehen auch sehr massiv aus, was ebenfalls untypisch ist." Und zu guter Letzt handele es sich bei den Schäden eher um Folgen eines Verbiegens oder einer Bearbeitung mit Werkzeugen.

    Metz: "Wenn Weltraummüll die Erdoberfläche erreicht, dann genügt seine Geschwindigkeit nicht, um diese Art von Schäden zu erklären." Zwar kommt es durchaus täglich vor, dass Weltraumschrott unkontrolliert wieder in die Erdatmosphäre eintritt (siehe Zusatztext), aber die Gefahr, von einem solchen Teil erschlagen zu werden, stuft der DLR-Experte als "verschwindend gering" ein. "Jedes alltägliche Lebensrisiko, das Sie eingehen, ist um mehrere Größenordnungen höher."

    70 bis 90 Prozent des unkontrolliert in die Atmosphäre gelangenden Weltraummülls "verglühen vollständig", so Metz. Der Rest landet vorwiegend entweder in Ozeanen oder Wäldern, sagt auch der Merler Winzer Richard Erbes, der sich mittlerweile in die Thematik eingelesen hat. Mit unerwarteten Gefahren aus der Luft, hat Richard Erbes im Übrigen nicht zum ersten Mal zu schaffen: Vor circa 12 Jahren vernahm er plötzlich ein bedrohliches Sirren, als er im Weinberg arbeitete. Sofort suchte er Schutz und unweit von ihm schlug ein rotbrauner Eisklumpen auf den Boden auf. Wie sich damals herausstellte, stammte er, was eigentlich nicht passieren soll, aus einer Flugzeugtoilette.

    Doch woher kommen nun die Metallfunde aus den Weinbergen der Eheleute Erbes. Nicht aus dem Fahrzeugbau, da hat sich Richard Erbes schon erkundigt. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht aus dem All. Was man in puncto Weltraumschrott häufig finde, seien kugelförmige Titantanks, erläutert Metz. Doch die seien oft noch gut erhalten. So bleibt es vorerst unklar, ob die Metallteile aus den Merler Weinbergen tatsächlich „von oben“ kamen. Nach Auskunft des Luftfahrtbundesamtes ist es durchaus schon vorgekommen, dass Flugzeuge Teile verloren haben, die dann gefunden wurden. Eine entsprechende Anfrage an die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ergab allerdings nichts Belastbares. Nach eingehender Betrachtung der Fotos konnten die Fachleute dort die Teile nicht eindeutig zuordnen.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Cochem/Zell bei Facebook
    Regionalwetter
    Dienstag

    11°C - 22°C
    Mittwoch

    13°C - 23°C
    Donnerstag

    14°C - 25°C
    Freitag

    12°C - 21°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige