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    Cochem-ZellVereine stehen vor Herausforderung: Vorschriften erschweren die Karnevalsumzüge

    Für viele ist die fünfte Jahreszeit die wichtigste des ganzen Jahres. Das gilt für Mitglieder von Karnevalsvereinen ebenso wie für die vielen närrischen Besucher, die jedes Jahr zu den Umzügen und Sitzungen pilgern. Dass die stattfinden können, ist allerdings nicht selbstverständlich, sondern erfordert meist viel ehrenamtliches Engagement. Ist das nicht gegeben, kann ein Karnevalsumzug auch mal entfallen oder gar für immer von der Bildfläche verschwinden. So wie vor einigen Jahren in Binningen geschehen, oder in diesem Jahr in Waldesch bei Koblenz. Die RZ hat sich einmal umgehört, wie es um die Umzüge im Kreis Cochem-Zell bestellt ist.

    Strengere Vorschriften erschweren den Vereinen im Kreis seit einigen Jahren das Ausrichten der Karnevalsumzüge. Dennoch sind die Narren aktuell guter Dinge, sie würden sich allerdings über mehr aktive Mitglieder freuen. Vor allem in der Bütt mangelt es an Nachwuchs.
    Strengere Vorschriften erschweren den Vereinen im Kreis seit einigen Jahren das Ausrichten der Karnevalsumzüge. Dennoch sind die Narren aktuell guter Dinge, sie würden sich allerdings über mehr aktive Mitglieder freuen. Vor allem in der Bütt mangelt es an Nachwuchs.
    Foto: Archiv Kevin Rühle

    In Blankenrath ist man aktuell noch guter Dinge, wie Torsten Holzhäuser, Vorsitzender des Blankenrather Carnevals-Vereins mitteilt: „Wir haben immer noch 45 Gruppen bei unserem Umzug dabei, einen Abwärtstrend können wir nicht feststellen.“ Und auch die Besucherzahlen seien konstant gut. Allerdings machen die strengen Vorschriften die Arbeit nicht gerade leichter. „Seit einigen Jahren haben wir von der Verbandsgemeinde strengere Auflagen bekommen, die Wagen müssen TÜV-geprüft sein und die Aufbauten unterliegen einer Betriebsgenehmigung“, erklärt der Hunsrücker. Da eine TÜV-Abnahme zwischen 100 und 300 koste, könnten einige Gruppen keinen Wagen mehr bauen. Vor allem für Jugendgruppen sei das ein Problem. Allgemein wünscht sich Holzhäuser mehr Bereitschaft, das Brauchtum Karneval zu erhalten. „Es ist schon schwer, Leute zu finden, die aktiv mithelfen“, sagt er. Die Leute seien kaum noch von der Couch zu bekommen.

    Ähnlich beschreibt auch Günter Hammes die Situation in Cochem. Er ist Präsident der Cochemer-Karnevals-Gesellschaft: „Wir sind zum Glück in einer guten Lage, haben genug Anmeldungen für Gruppen und Wagen für den Umzug.“ Auch über die Mitgliedszahlen kann Hammes nicht klagen, wenn auch er sich mehr Nachwuchs im Verein wünschen würde. Den Finanzfaktor beim Thema Sicherheit während des Umzuges sieht auch er nicht ohne Sorge. „Ohne die Feuerwehr, die uns bei der Sicherung des Zuges für einen kleinen Obolus unterstützt, hätten wir da auch ein finanzielles Problem“, sagt Hammes, der auch Kreisjugendfeuerwehrwart ist. Bezüglich der Vorschriften in Sachen TÜV und Betriebsgenehmigung sagt er: „Sicherheit steht natürlich an erster Stelle, aber manchmal wird’s auch übertrieben mit den Vorschriften.“ Schließlich würden die Wagen während des Umzugs ja nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren.

    Doch wie sieht es eigentlich jenseits der Hochburgen aus? Gibt es in den kleinen Gemeinden eher Probleme? Nicht so in Illerich, wie Uwe Schäfges, Erster Vorsitzender des Illericher Karnevalsvereins, es knapp auf den Punkt bringt: „Hier läuft es!“ Die Eifelgemeinde wechselt sich mit dem Nachbarort Kaisersesch ab, jeweils alle zwei Jahre richtet eine der beiden Ortschaften den Karnevalsumzug aus. Ein Modell, das es in der Eifel öfter gibt. Das bringe eine gewisse Entlastung, so Schäfges. Der Umzug in Illerich sei immer sehr gut besucht, mit 25 Gruppen sei auch der Umzug für eine Gemeinde unter 800 Einwohnern gut aufgestellt, so der Eifler. Nachwuchssorgen gibt es ebenfalls keine, höchstens über den ein oder anderen Büttenrednernachwuchs würde man sich freuen. „Die Kinder wachsen bei uns in den Karneval mit rein, Spielmannszüge und Tänzergruppen haben Zuwachs“, berichtet Schäfges. Und wenn doch mal irgendwo Personalbedarf ist, spricht der Verein die Leute einfach drauf an und motiviert sie selbst zum Mitmachen: „Manchmal muss man die Leute auch einfach nur drauf bringen“, sagt der Illericher.

    Um die Ballungsräume und Hochburgen macht Hans Mayer, Präsident des Verbandes Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK) mit Sitz in Koblenz, sich weniger Sorgen. Er sieht die Herausforderungen für den traditionellen Karneval eher im ländlichen Raum. „Wer wird in Zukunft noch bereit sein, sich in den Vereinen einzubringen, wer wird die Verantwortung bei Umzügen und Veranstaltungen übernehmen?“ Die Sicherheitsauflagen seien durch das Loveparade-Unglück in Duisburg 2010 verschärft worden. Auch Mayer betont „Sicherheit geht vor allem“, sieht aber die Kosten, die durch TÜV und Versicherung auf die Vereine zukommen, eher kritisch. Schließlich gäbe es ja auch noch andere große Kostenpunkte, beispielsweise das Wurfmaterial. Auf den vielen Veranstaltungen, bei denen er Gast ist, sehe es allerdings bisher noch immer gut aus. „Ich freue mich über jeden Zug, der stattfindet“, sagt Mayer.

    Von unserem Reporter Christoph Bröder

     

    Der Verband Rheinische Karnevals-Korporationen

    Der Verband Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK) mit Sitz in Koblenz ist der größte selbstständige Regionalverband Deutschlands mit rund 1400 angeschlossenen Vereinen aus den Bereichen Karneval, Brauchtum, Gardetanz und Musik.

    Die Aufgaben des Verbandes sind die Förderung und der Erhalt des Brauchtums Karneval in seiner kulturhistorischen und heutigen Form. Gegründet wurde er 1959 in Bad Ems mit 64 Vereinen.

     

    Cochem Zell
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