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    CochemProzessbeginn in Cochem: Hat Oberfeldwebel Soldaten misshandelt?

    Oberfeldwebel Jens M. (Name geändert) soll einen Rekruten am Helmrand mehrere Meter durch einen Flur in einer Kaserne geschleift haben. Kurz danach sei er ihm absichtlich in die Kniekehle gesprungen. Jetzt kommt es zum Prozess um den Fall.

    Von unserem Redakteur Thomas Brost

    Derselbe Unteroffizier soll bei einer ausschweifenden Feier einen anderen Rekruten am Auge verletzt, später einem anderen eine Kopfnuss und einen Faustschlag in den Bauch verpasst haben. Und schließlich soll der Ausbilder ausgeflippt sein, weil ein MG-Schütze bei einer Übung seinen Schießeinsatz verpennt hatte - der Oberfeldwebel warf angeblich ein Funkgerät nach ihm. Vorwürfe, die schwer wiegen und deren strafrechtliche Relevanz das Amtsgericht Cochem zu ergründen hat. Mit mehr als 30 Zeugen.

    "Sie können frühzeitig die Flucht nach vorn antreten, wenn Sie sich zu einem Geständnis entschließen", versuchte Amtsrichter Gerald Michel dem Angeklagten eine goldene Brücke zu bauen. Der jedoch sah Intrigen am Werk. "Das stimmt alles nicht, ist definitiv nicht so", sagte der Oberfeldwebel, der in Koblenz lebt. Was eine "Ohrenschelle" anbetraf, so wollte er darin eine Retourkutsche eines Soldaten für eine schlechte Beurteilung desselben erkennen. "Das hat er böswillig gegen mich erfunden, das ist an den Haaren herbeigezogen." Der ehemalige stellvertretende Zugführer einer Bundeswehreinheit legte gleich Skizzen vor, die er selbst angefertigt hatte, und eine selbst gebaute Attrappe eines Funkgerätes.

    Apropos Funkgerät: Der vermeintliche Wurf mit dem 1,5 Kilogramm schweren Gerät war ein zentraler Untersuchungspunkt am ersten Verhandlungstag. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte sich Jens M. dazu hinreißen lassen, mit dem Funkgerät nach einem MG-Schützen zu werfen, der auf dem Schützenpanzer "Fuchs" stand. Das Gerät verfehlte den Schützen, der nach eigenen Worten "träumte", als er einen Schießbefehl von Jens M. erhalten hatte. Die meisten Zeugen bestätigten die Version der Staatsanwaltschaft, ein Zeuge jedoch war der Ansicht, dass Jens M. das Gerät aus der Hand geglitten war.

    Die beiden vermeintlichen Opfer, die an diesem Tag gehört wurden, gaben kein überzeugendes Bild ab. Der eine hatte zuvor in der Vernehmung durch den Wehrdienstanwalt (WDA) angegeben, am Auge verletzt worden zu sein. Jens M. habe sich bei einer feuchtfröhlichen Zugfeier von hinten angeschlichen, um ihm eine "Ohrenschelle" zu verabreichen. Allerdings habe er dies gemerkt und sei ausgewichen - Jens M. traf stattdessen ein Auge des Rekruten, das daraufhin anschwoll. Welches Auge dies gewesen sei, konnte der Rekrut auf Nachfrage dem Gericht nicht zweifelsfrei erklären. Und auch sonst hatte keiner der Soldaten den Vorfall bemerkt.

    Ein anderer Soldat hatte bei einer Alarmübung sein Maschinengewehr in der Unterkunft vergessen. Deswegen habe ihn Jens M. ("ich bin streng, aber gerecht") zurückgeschickt. Der Ärger habe sich angestaut, Jens M. soll den Soldaten mit der Helmkante über den Flur gezogen haben, drei, vier Meter weit. Dann sei der Soldat gestrauchelt, habe sich auf sein Gewehr aufgestützt und einen Sturz vermieden. Später habe Jens M. ihn am Panzer "Fuchs" abgepasst und ihn in die Kniekehle getreten - so weit die schriftliche Version der Anklage. Jetzt, vor Gericht, konnte der Soldat nicht genau erklären, was passiert war.

    Dass beim Bund der Ton ein rauer ist, kam mehrfach zutage. Da habe Jens M. ("ich entschuldige mich für die Ausdrucksweise") untergebene Soldaten als "Spasti" oder als "Hurensohn" tituliert. Einige Soldaten bestätigten dies, dies sei aber ein normaler Umgangston, nicht immer ganz ernst gemeint. Was Richter Gerald Michel und dem Staatsanwalt besonders aufstieß: Jens M. hatte in einem Aushang am Schwarzen Brett in der Kaserne diejenigen Soldaten, die sich vor einer Übung krankgemeldet hatten, als "Körperkrüppel" bezeichnet.

    Der Prozess wird am Montag, 26. September, um 8.30 Uhr im Amtsgericht, Saal 101, fortgesetzt.

    Cochem Zell
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