40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Kandidatenporträt: Hoffmann baut auf Vernunft statt Ideologie
  • Kandidatenporträt: Hoffmann baut auf Vernunft statt Ideologie

    Kreis Cochem-Zell. In Porträts stellt die RZ die Kandidaten der Landtagswahl aus Wahlkreis 15 vor. Heute Jürgen Hoffmann. Er kandidiert für die FDP.

    Jürgen Hoffmann arbeitet unter der Woche als Risikoanalyst in Luxemburg, am Wochenende genießt er die Ruhe in seinem Heimatort Sosberg. Ein besonderer Platz für den FDP-Kandidaten ist der Thonhügel mit Blick auf Eifel und Hunsrück. Foto: Kevin Rühle
    Jürgen Hoffmann arbeitet unter der Woche als Risikoanalyst in Luxemburg, am Wochenende genießt er die Ruhe in seinem Heimatort Sosberg. Ein besonderer Platz für den FDP-Kandidaten ist der Thonhügel mit Blick auf Eifel und Hunsrück.
    Foto: Kevin Rühle - Kevin Rühle

    Von unserem Redakteur Kevin Rühle

    Sosberg. Als Volkswirt mag Jürgen Hoffmann den Blick von oben. Zusammenhänge erschließen, die Wirkung auch von kleinen Rädchen auf das große Ganze erkennen, das ist sein Beruf. Dazu passt auch der Lieblingsplatz des 37-jährigen Hunsrückers. Es ist eine Anhöhe in Sosberg, der Thonhügel. Der Blick reicht bei gutem Wetter bis Kaisersesch und Koblenz, das Mörsdorfer Bachtal samt Geierlay ist nicht weit weg. Von hier oben funkte früher die Bundeswehr. Hoffmann wünscht sich, dass in Zukunft Wanderer, die von der Hängebrücke kommen, den Ausblick von einer Schutzhütte aus genießen.

    Jürgen Hoffmann hält für die Freien Demokraten im Kreis die Fahne hoch. Es sind nur noch knapp zehn Tage bis zur Landtagswahl, der Risikoanalyst hat sich wieder einen Tag Urlaub genommen - für ein Pressegespräch und eine Wahlkampfveranstaltung. Denn der FDP-Kandidat pendelt, zwischen seinem Zweitwohnsitz in Trier und seiner Heimat im Hunsrück. "Mich haben schon während des Studiums meine Kommilitonen immer gefragt, warum ich jedes Wochenende nach Hause fahre", sagt Hoffmann und lächelt. Es sind Heimat, Ruhe, Familie und Freunde, die ihn nach Sosberg ziehen. "Der Hunsrück, ich gehöre einfach hierher."

    Unter der Woche arbeitet der Banker in Trier oder Luxemburg, manchmal auch in Paris oder Brüssel. "Ich mag den städtischen Trubel in Luxemburg und das internationale Flair, aber ich liebe es, wenn ich nach Hause komme." Zu Hause, das ist derzeit eine Wohnung im Elternhaus. Gemeinsam mit seiner Freundin, einer Eifelerin, sucht er momentan nach einem Haus. Hoffmann hält nichts von Rivalitäten zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück. "Cochem ist auch zu meiner Stadt geworden", hier hat der Volkswirt sein Abitur gemacht.

    Das Interesse für Politik liegt in der Familie. Beide Großväter und der Vater Herbert haben sich in Gemeinderäten engagiert. Die politische Diskussion wurde gepflegt, allerdings ist Jürgen Hoffmann der Erste in der Familie, der in eine Partei eingetreten ist. Zu Beginn seines Studiums besuchte Hoffmann die Praxis von FDP-Kommunalpolitiker Hans-Georg Schuh in Blankenrath. Es entwickelte sich ein Gespräch über den Zustand der Cochemer Kreissparkasse und Kommunalpolitik - noch im gleichen Jahr wurde Hoffmann FDP-Mitglied. "Hans Dietrich Genscher war für mich schon immer ein Vorbild, das passte einfach."

    RZ-Wahlfragebogen: Jürgen Hoffmann antwortet

    Nicht erst, seitdem sich der Volkswirt für eine Kandidatur bei der Landtagswahl entschieden hat, ist Freizeit für ihn Mangelware. "Ich habe lange in Blankenrath Tennis gespielt, heute reicht die Zeit nicht mehr", sagt Hoffmann. Mitglied ist der 37-Jährige im örtlichen Schützenverein, geschossen hat er aber schon länger nicht mehr. "Das ist eine gesellige Sache." Er bedauert, dass viele Vereine in der Region immer weniger Zuspruch finden, "deshalb sollte man die Tradition vor Ort unterstützen". Wenn er in der Heimat ist, nutzt er seine Zeit für eine Wanderung, einen Besuch im Schwimmbad oder einfach einen Abend unter Freunden.

    Hoffmann nennt sich selbst Analytiker und Pragmatiker. Er wirkt trotzdem nicht verschlossen, ist aufmerksam und gut vorbereitet. "Ein Spaßwahlkampf wäre nichts für mich", sagt Hoffmann, und spielt damit auf die "handwerklichen Fehler" seiner Partei in den vergangenen Jahren an. Ideologien sind ihm fremd, "man muss über den Tellerrand schauen können". Das Wort "neoliberal", das seiner Partei anhängt, mag er nicht. "Die Wirtschaft ist natürlich ein starkes Anliegen, vor allem aber auch die Beziehungen der Politik zur Wirtschaft", sagt Hoffmann. Er beklagt, dass sich momentan viele Unternehmer von der Politik nicht richtig vertreten fühlen. Genau hier folgt er den Pfeilern einer liberalen Politik. Er wünscht sich freie Entfaltungsmöglichkeiten für die Bürger, "der Staat sollte nicht bevormunden, ein Generalverdacht ist schädlich". Hoffmann erzählt von seinen Kollegen, die freiwillig jede Kleinigkeit mit Kreditkarten bezahlen. Er selbst sperrt sich gegen die diskutierte Abschaffung von Bargeld. "Das ist ein Unding", sagt der Kreisvorsitzende der FDP. Datenschutz ist für ihn ein wichtiges Thema, Facebook oder Twitter sind ihm fremd, "zu viele wissen, wie wir uns im Internet bewegen".

    Auch seine politischen Forderungen sind klassisch liberal. Der Ausbau der Infrastruktur auf dem Land, also von Straßen, Brücken und Glasfaser für schnelles Internet, ist ihm sehr wichtig, damit Menschen und Unternehmen im Hunsrück oder in der Eifel eine Zukunft haben. Die ausufernde Bürokratie, die er zum Beispiel bei der Unternehmensgründung seiner Schwester kennengelernt hat, ist ihm eher ein Dorn im Auge. Seine Steuererklärung macht der Wirtschaftswissenschaftler übrigens selbst - aber nur in Luxemburg. Für den deutschen Fiskus lässt er lieber einen Experten ran.

    Beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster sieht Hoffmann sein Wahlplakat, das er an der Straßenlampe aufgehängt hat. "Das ist sehr ungewohnt für mich, von mir gibt es eigentlich nur wenige Fotos", sagt Hoffmann nachdenklich. Zugleich ist er aber auch stolz, dass für die FDP am 13. März antreten darf.

    Kandidatenporträt: Beharrlich strebt Beilstein nach Machtwechsel in MainzKandidatenporträt: Katharina Binz setzt aufs prima Klima Kandidatenporträt: Heike Raab pendelt zwischen den Welten
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    Anzeige
    Anzeige
    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Cochem/Zell bei Facebook
    Regionalwetter
    Sonntag

    -5°C - 2°C
    Montag

    -2°C - 2°C
    Dienstag

    0°C - 3°C
    Mittwoch

    2°C - 5°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige