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  • Kaiser-Wilhelm-Tunnel: 84-Tonnen-Kran schwebt auf Brücke ein

    Cochem. Es war Maßarbeit aller Beteiligten: Ein 96 Tonnen schwerer Autokran hat am späten Dienstagabend einen 84 Tonnen wiegenden anderen Autokran auf die neue Eisenbahnbrücke über der Brückenstraße (L 98) in Cochem gehoben. Grund für die aufwendige Aktion: Die beiden Kräne werden die Einzelteile des zerlegten Bohrkopfs verladen, der eine zweite Röhre für den Kaiser-Wilhelm-Tunnel durchs Gebirge zwischen Ediger-Eller und Cochem gefressen hat. Diese Arbeiten sollen bis kurz vor Weihnachten dauern. In einigen Nächten muss die Brückenstraße dafür gesperrt werden.

    Von unserem Redakteur David Ditzer

    Etwa 30, 40 Schaulustige applaudieren, sachte ist der 84 Tonnen schwere blaue Autokran des badischen Unternehmens MSG auf der neuen Brücke über der L 98 in Cochem gelandet. Der Applaus ist hochverdient, findet auch MSG-Geschäftsführer Björn Jatz: „Das gab es noch nie, dass wir einen 400-Tonnen-Kran mit einem 500-Tonnen-Kran auf eine Brücke gehoben haben.“ Mit den Zahlen beschreibt Jatz nicht das Gewicht der gewaltigen Maschinen. Sie stehen dafür, was für Mordsmassen diese mit ihren langen Teleskopauslegern in die Lüfte hieven können.

    Der Mann, der das Kunststück in Cochem vollbracht hat, also der Fahrer des 500-Tonnen-Krans, heißt Michael Knackstedt. Er fährt schon seit dem Jahr 1980 Autokräne und sieht das alles ganz locker. „So etwas wie hier ist nicht gerade alltäglich, aber es ist alles im grünen Bereich“, sagt der 52-Jährige nach getaner Arbeit. In der engen Straße zu manövrieren, mitten im Ort, das sei schon etwas Besonderes – vor allem für die Leute.

    Die schauen gespannt zu, als MSG-Mitarbeiter gegen 21.55 Uhr armdicke Stahlseile um die vier teilausgefahrenen Stützen des Siebenachsers legen, der vor dem Kino auf der Brückenstraße steht. Auf dem Platz vorm Tunnel-Infocenter der Deutschen Bahn und vorm Kino haben sich die Schaulustigen versammelt. Auch aus einer benachbarten Bar strecken sie neugierig die Köpfe heraus. An diesem Abend ist die Wirklichkeit spannender als jeder Kinofilm, unterhaltsamer als jedes Kneipengespräch.

    Wie von Geisterhand hebt der Autokran wenig später vom Boden ab. Dank der Flaschenzugtechnik an der Seilwinde seines noch satte 12 000 Kilogramm schwereren großen Bruders geht es ganz locker und schnurstracks nach oben. Dieser größere Bruder hat übrigens noch 135 Tonnen Kontergewicht auf seinem Buckel. Vom Boden aus halten Arbeiter Seile straff. So verhindern sie, dass der schwebende Autokran hin- und herbaumelt und die Gebäude links und rechts der Straße beschädigt.

    Das spektakuläre Schauspiel dauert nur eine knappe halbe Stunde. Die Landung des fliegenden Fahrzeugs verzögert sich nur noch einmal kurz, weil das provisorische Holzgeländer der neuen Bahnbrücke den teilausgefahrenen Stützen im Weg ist. Doch, um's mit Wilhelm Busch zu sagen, ritzeratze, mit Motorsäge, dafür ohne Tücke, schneiden Arbeiter ins Geländer der Brücke eine Lücke. Die Einflugschneisen sind frei, um 22.23 Uhr landet Michael Knackstedt den Autokran sicher auf der Brücke. Als der Beifall der Zuschauer verklungen ist, sagt er: „Dem kleineren Kran packe ich jetzt gleich noch 120 Tonnen Ballast drauf.“

    Dieser Ballast dient ihm als Gegengewicht, damit er seinem größeren Bruder in den nächsten Wochen zwölf Teile der zerlegten Tunnelvortriebsmaschine auf die Mitte der Brücke hieven kann. Von dort aus hebt der sie dann auf einen Tieflader, und ab geht's über die Straße ins baden-württembergische Schwanau. Dort hat das Unternehmen Herrenknecht seinen Sitz, das die Vortriebsmaschine für den neuen Kaiser-Wilhelm-Tunnel gebaut hat. Dort werden die Teile fürs nächste Bohrprojekt aufbereitet.

    MSG-Geschäftsführer Jatz sagt: „Kurz vor Weihnachten wollen wir fertig sein.“ Was den Zeitplan angeht, darf er auf Kranfahrer Knackstedt und seine Mitstreiter zählen. Zu seinem vermeintlichen Kunststück sagt Knackstedt am Ende bescheiden: Was die Flugstrecke des Autokrans angehe, habe er sich „blind auf die Kollegen verlassen“, die auf Brücke und Straße gestanden hätten. Per Funk wirkten sie als Fluglotsen.

    Die Straße wird in mehreren Nächten gesperrt

    Am Montag, 7. November, war die 1710 Tonnen schwere, 90 Meter lange Tunnelvortriebsmaschine in Cochem durch den Berg gebrochen. Bis zum 23. Dezember soll der Kopf des Bohrers in Cochem komplett zerlegt und abtransportiert sein. Für den Abtransport der Einzelteile, jedes wiegt ebenfalls Tonnen, müssen Brücken- und Endertstraße in folgenden Nächten komplett gesperrt werden, jeweils von 21.30 Uhr bis 4.30 Uhr: am 24., 28., 29. und 30. November sowie am 1., 5., 6., 7., 8., 14., 16., 19. und 22. Dezember. Für die Dauer dieser Straßensperrungen sind Umleitungen eingerichtet. Der örtliche Verkehr muss über die Stadtwaldstraße und die Kreisstraße 18 fahren. Der überörtliche Verkehr wird, von Kaisersesch kommend, über Laubach und die Bundesstraße 259 nach Cochem geleitet. dad

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    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

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