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    LutzerathInterview: Immer mehr junge Menschen wollen jagen

    Gerd Tapken ist 57 Jahre alt und Berufsjäger. Mit seiner Familie sowie einem Wüstenbussard, ein paar Schafen und den Jagdhunden lebt er seit zehn Jahren auf dem Waldhof bei Lutzerath. Von hier aus betreut Tapken ein 1600 Hektar großes Hochwildrevier. Als Wildmeister bildet er nicht nur Revierjäger aus, sondern verdingt sich auch als Mentor von Prüfungsanwärtern für den Jagdschein. Die RZ hat mit ihm über junge jagdbegeisterte Menschen gesprochen.

    Immer mehr junge Leute wollen den Jagdschein machen. Gibt es diesen Trend auch im Kreis Cochem-Zell?

    Ja. Und das ist auch gut so. Die Jägerschaft hat ja sonst eher das Image, überaltert zu sein.

    Sie halten es also für sinnvoll, wenn Jugendliche schon auf die Jagd gehen wollen?

    Auf jeden Fall. Eine gewisse Reife muss der junge Anwärter natürlich mitbringen. Schließlich trägt man als Jäger eine große Verantwortung und kann über Leben und Tod eines Tieres entscheiden.

    Was, glauben Sie, treibt die jungen Menschen an?

    Freude am Jagen bringt es, glaube ich, ganz gut auf den Punkt. Die Freude daran, Beute zu machen, gehört dazu. Schließlich ist das ein Urinstinkt des Menschen. Auch das Arbeiten in der Natur reizt die Jugendlichen.

    Sind für Sie als Ausbilder Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Prüfungsanwärtern erkennbar?

    Eigentlich nicht. Wenn überhaupt, dann nur bei körperlich anstrengenden Aufgaben. Einem zierlichen Mädchen fällt es sicherlich schwerer, eine dreieinhalb Kilo schwere Waffe zu halten. Aber mit ein bisschen Hanteltraining bauen die Mädchen ganz schnell Muskeln auf. Weibliche Anwärter sind sehr ehrgeizig, wenn es darum geht, sich gegen die Männer durchzusetzen.

    Haben Sie das Gefühl, dass manche Jugendliche die Jagd mit Ballerspielen am Computer gleichsetzten?

    Da sehe ich keinen Zusammenhang. Ich bilde seit 1995 Jungjäger aus und hatte noch nie jemanden, dem es bloß darum ging, an eine Waffe zu kommen. Ich kenne nur einen einzigen Fall, bei dem das so war. Der Anwärter wurde dann aber auch von der Prüfung ausgeschlossen.

    Wie verantwortungsbewusst gehen die jungen Leute mit dem Gebrauch von Schusswaffen um?

    Sehr. Wie schon gesagt muss bei den jungen Leuten eine gewisse Reife im Umgang mit der Waffe vorhanden sein. Wenn das nicht der Fall ist, führt das im Prüfungsverlauf zum Ausschluss. Waffenkunde ist eines der Fächer, auf das besonders viel Wert gelegt wird. Nach meiner Erfahrung sind es aber, wenn überhaupt, eher ältere Jagdscheininhaber, die lax mit der Waffe umgehen. Wenn mir so etwas auffällt, mache ich denjenigen aber sofort darauf aufmerksam.

    Die Ausbildung ist sehr vielfältig. Welche Fachgebiete sind für die jungen Anwärter am interessantesten?

    Fragen Sie lieber, was am unbeliebtesten ist (lacht). Das sind nämlich Gesetzeskunde und die Rechtsfragen, die gebüffelt werden müssen. Wildkrankheitenkunde ist auch nicht so beliebt, weil man sich da manchmal unangenehme Bilder anschauen muss. Ansonsten sind die Interessen unterschiedlich. Jungs interessieren sich sehr für die Technik des Hochsitzbauens und auch Waffenkunde. Bei den Mädchen ist es eher die Wildtierkunde.

    Worauf wird bei der Jagdprüfung besonders großen Wert gelegt?

    Waffenhandhabung und Wildbrethygiene sind die beiden Fächer, bei denen man, um die Prüfung zu bestehen, keine Fünf haben darf. In beiden Fachbereichen trägt der Jäger ja eine besonders große Verantwortung, deshalb wird auch ein besonderes Augenmerk darauf gelegt.

    Wie lange dauert die Ausbildung und was kostet es, einen Jagdschein zu erwerben?

    Bei mir dauert die Ausbildung ein Jahr. Der Rahmenplan sieht 120 bis 130 Unterrichtsstunden vor. Der theoretische Unterricht findet einmal pro Woche auf dem Waldhof statt. In Rheinland-Pfalz gibt es allerdings auch die Option, einen Mentor ein halbes Jahr lang zu begleiten oder sich in Crashkursen, die rund 4 bis 6 Wochen dauern, auf die Jagdprüfung vorzubereiten. Die Kosten für die Ausbildung inklusive theoretischer und praktischer Unterweisung, Schießausbildung und Prüfungsgebühr, belaufen sich etwa auf 1500 Euro.

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