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    BremmIm Laden läuft's wie geschnitten Brot

    Der Blick schweift durch die Regale. Es muss doch was geben, was es hier nicht gibt. Frische Äpfel, ein Salatkopf, Weizenmischbrot, die Fernsehzeitschrift – selbst Kukident, die Haftcreme für die dritten Zähne: Das Calmont-Lädchen hat für den täglichen Bedarf (fast) alles. Sechs Wochen, nachdem zum ersten Mal die Ladentür aufsprang, finden sich exakt 1071 Artikel im Bremmer Dorfladen wieder. Tendenz leicht steigend. Obst und Zeitschriften nicht eingerechnet. Und Flachmänner ebenso wenig: Ob sie, kurzfristig wegen Fastnacht als Sonderaktion ins Sortiment genommen, laufen? Das wird die Monatsbilanz ausweisen.

    Vor allem für die älteren Bremmer ist der neue Laden ein Segen. Christel Schmitz (Foto oben) kauft dort gerne ein. Nachgeordert werden kann vieles, wie zum Beispiel Haftcreme für die dritten Zähne. Und der Krabbeltreff macht gerne einen Abstecher in die Kaffee-Ecke.
    Vor allem für die älteren Bremmer ist der neue Laden ein Segen. Christel Schmitz (Foto oben) kauft dort gerne ein. Nachgeordert werden kann vieles, wie zum Beispiel Haftcreme für die dritten Zähne. Und der Krabbeltreff macht gerne einen Abstecher in die Kaffee-Ecke.
    Foto: Thomas Brost

    Mittwoch, 15 Uhr: Kaum hat Ladenkraft Eva Bauer den Schlüssel herumgedreht, schon strömen vier Kleinkinder mit ihren Müttern im Schlepptau herein. Es ist Krabbelgruppenzeit. Am großen Kaffeetisch mit der bequemen Ledergarnitur lässt es sich schön plauschen. Die Kaffee-Ecke, sie zieht an. Bis auf Ben. Der spielt „Mein kleiner, großer Kaufladen“ und saust durch die Regalreihen. Da, er hat einen unbekannten Mann entdeckt, dem er etwas andrehen will. Ein Griff ins Regal, schon reicht er ihm knusprige Zwiebelringe. Und strahlt. Derweil dreht sein kleiner Kumpel Theo im anderen Gang seine Runden. Simone Schlägel sieht's mit Vergnügen. Sie senkt wieder den Kopf, brütet über Dienstplänen. Dank des Computers, der im Laden steht, ist das ein Klacks.

    Simone Schlägel gehört zum engeren Kreis von Ehrenamtlichen im Verein „Calmont-Lädchen Bremm“, die jeden Tag nach dem Rechten schauen. Fehlen wichtige Nahrungsmittel? Sind die Preise auskömmlich, auch um bestehen zu können? Wie ist es um die Qualität der Waren bestellt? Was sie zweifach freut: „Fast jeden Mittag sind viele Leute hier. Und der Umsatz stellt uns zufrieden“, sagt sie. Gut, über die Preishöhe muss man sich andauernd Gedanken machen. Der Verein als Träger des Ladens hält sich an die Empfehlungen, die er von seinem Großhändler erhält. Zweimal pro Woche, dienstags und donnerstags, kommt Ware an. Sie wird auf Regale im 30 Quadratmeter großen Lager gestapelt – fast bis zur Decke. Der Grundbedarf lässt sich, so Schlägel, „dicke decken“. 30 bis 40 Produkte sind seit dem 20. Januar neu ins Sortiment aufgenommen worden, darunter Haftcreme für die dritten Zähne, Ringbücher. Und Hähnchen – sechs liegen in der Gefriertruhe, Schlägel und ihre Mitstreiter sind gespannt, ob sie Abnehmer finden. „Und wenn jemand Likörpralinen haben will, dann bestellen wir sie ihm“, sagt Schlägel. Aus einem Pool von 10.000 Waren können die Bremmer auswählen. Der Metzger liefert dienstags und freitags Wurst auf Bestellung. Alle 14 Winzer aus Bremm haben ein Weinregal aufgestellt mit allem, was das Herz des Weinfreundes begehrt.

    Simone Schlägel hat mittlerweile ihre Position gewechselt. Sie sitzt an einem der drei Kaffeetische. Der Blick zur Kuchentheke ist verheißungsvoll – sie nimmt ein leckeres, frisches Kuchenstück, dazu einen Cappuccino. Else Lehnen (82) hat sich nebenan niedergelassen, es werden ein paar Worte gewechselt. Für die Bremmer, insbesondere für die älteren im Dorf, ist der Dorfladen ein Segen. „Ich bin so froh, dass ich selbst einkaufen gehen kann“, sagt Else Lehnen. Sie müsse nicht unbedingt wesentlich tiefer ins Portemonnaie greifen, denn „es gibt auch Dinge hier, die günstiger als im Supermarkt sind“. Schlägel nickt. Papierbeutel zum Beispiel. Und anderes mehr. Christel Schmitz ist auch Rentnerin, sie kommt jetzt regelmäßig vorbei. „Der Laden gefällt mir sehr gut, man bekommt, was man braucht.“ Vor allem, wenn man nicht fahren könne.

    Im Krabbeltreff kreisen die Gespräche um Fastnacht und die nächsten Pläne. Und um den Laden. „Ich bin froh, dass wir wieder was im Dorf haben“, sagt Isa Lauxen. Sich mit Müttern zwanglos zu treffen, Kaffee trinken: „Das ist einfach schön.“ Carmen Franzen ergänzt: „Der Laden ist eine Bereicherung für Bremm.“ Er werde sehr gut angenommen. Sogar so gut, dass an manchem Nachmittag ruck, zuck die Sitzplätze belegt sind. Franzen hofft, dass sich der Laden dauerhaft trägt und „dass das Angebot bleibt, die Auswahl ist besser als erwartet“.

    Eine weitere junge Mutter, Angelina Franzen, ist „sehr glücklich“ über den neuen Dorfmittelpunkt. Sie kommt ursprünglich aus Bullay, wo sie gewohnt war, dass es Treffpunkte außerhalb der eigenen Wohnung gibt. Was sie besonders schätzt: „Ich muss nicht mehrmals die Woche mit dem Auto einkaufen fahren, und man trifft immer jemanden hier.“ Für die Dorfgemeinschaft sei dies fast wie ein Lottogewinn. Gleich neben dem Laden wohnt Sophia Friderichs. Sie nutzt die Nähe weidlich aus. „Für mich ist es sehr praktisch, denn wenn ich Lust auf irgendwas habe, ist der Laden nur einen Katzensprung entfernt“, sagt sie.

    An diesem Mittwoch knubbelt es sich nicht im Lädchen. Aber zu anderen Zeiten haben Simone Schlägel und das Personal schon Bistrotische im Flur aufgestellt, um den Ansturm der Kaffeefreunde zu bewältigen. „Meist“, so Schlägel, „kommt so zwischen 17.30 Uhr und 18 Uhr ein Schub herein.“ Im April steigt der nächste Versuchsballon in Bremm – ein paar Tische sollen draußen zum Verweilen einladen. Bis es so weit ist, wird viel diskutiert. Der Vorstand macht sich Gedanken um Öffnungszeiten, Preise, Werbung. An Radwegen und Mauern will man potenzielle Kunden auf das Geschäft hinweisen – und mit großen Plakaten im Calmont-Klettersteig. Die machen den Wandersleut' Lust auf einen Abstecher in den kleinen, aber feinen Laden.

    Der Dorfladen an der Calmontstraße ist montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 8 bis 13 Uhr.

    Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

    Verein hat bereits 158 Mitglieder

    Getragen wird der Dorfladen vom Verein „Calmont-Lädchen Bremm“. Zurzeit hat der Verein, gut drei Monate nach seiner Gründung, schon 158 Mitglieder. Bezahlen muss man als Mitglied nur eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 20 Euro.

    Viele Mitglieder bringen sich ehrenamtlich an. Weiterhin sind im Laden vier 450-Euro-Kräfte beschäftigt. Vorsitzende des Vereins ist Gisela Heib, die Bremmer Ortsbürgermeisterin. bro

    Cochem Zell
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