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    DohrFirma Kampf: Nachwuchssuche in der Grundschule

    Fachkräftemangel: Dieses Problem kennen fast alle Branchen. Viele Personalchefs, Firmenchefs und Ausbilder stöhnen: Die Qualität der Bewerber ist mäßig. Wenn es denn überhaupt Bewerbungen gibt. Diese Erfahrung macht auch die Firma Kampf Schneid- und Wickeltechnik in Dohr. Jammern. Nein, das führt nicht zum Ziel. Lieber mal was Neues ausprobieren. Und so hat das Unternehmen aus der Not heraus ein Experiment gewagt, das alle begeistert: Schüler, Auszubildende, Eltern, Lehrer. Maschinenbauer: Nach dem Motto „Je früher, desto besser“ kooperiert das Unternehmen im zweiten Jahr mit der Grundschule Cochem-Dohr. Auszubildende stecken die Viertklässler mit ihrer Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik an. Kindgerecht muss es sein. Dabei sind Roboter im Spiel, aber auch jede Menge Idealismus – und vor allem Spaß.

    Zu Besuch bei den Maschinenbauern der Firma Kampf: Die Viertklässler der Grundschule Cochem-Dohr haben hinter die Kulissen geschaut, das Unternehmen geht mit der sehr frühen Nachwuchswerbung einen ungewöhnlichen Weg.  Foto: Grundschule Cochem-Dohr
    Zu Besuch bei den Maschinenbauern der Firma Kampf: Die Viertklässler der Grundschule Cochem-Dohr haben hinter die Kulissen geschaut, das Unternehmen geht mit der sehr frühen Nachwuchswerbung einen ungewöhnlichen Weg.
    Foto: Grundschule Cochem-Dohr

    „Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie die Kinder, und wir reden ja von Viertklässlern, dieses Projekt annehmen“, wird Schulleiterin Bettina Schäfer später schwärmen. Manfred Adams, neben Heiko Daheim und Andre Krämer einer der drei Projektverantwortlichen der Firma Kampf und Mitinitiator der Aktion, freut sich über die Offenheit der Schule. „Das würde ich mir sehr viel öfter wünschen.“ Adams ist überzeugt davon, dass dieser Weg mit dazu beitragen kann, die zurzeit herrschende Meinung „Ohne Abitur und Studium geht nichts“ dahin gehend zu ändern, dass eine Ausbildung in einem Handwerksberuf keine Einbahnstraße sein muss. „Im Gegenteil, ich denke einfach, dass der Blick hinter die Kulissen, den wir nicht nur den Kindern, sondern auch ihren Eltern ermöglichen, dazu beiträgt, sich einfach einmal zu überlegen, was im Berufsleben alles möglich ist.“

    Wie ernst es dem Unternehmen damit ist, zeigt allein schon der Aufwand, der in das Projekt gesteckt wird: Drei Monate lang haben sich die 16 Schüler der vierten Klasse jeden Dienstag mit drei Auszubildenden und den Projektverantwortlichen getroffen. Zunächst wurde die Klasse zu einer Betriebsführung eingeladen. Hier wurden die Kinder über die Geschichte der Firma und verschiedene Ausbildungsberufe informiert und schauten sich die verschiedenen Abteilungen, Maschinen und Produkte an. „Allein das fanden sie schon total spannend, endlich mal zu erfahren, was sich hinter den Mauern des Gebäudes, das alle von außen kennen, so tut“, blickt Bettina Schäfer zurück. Sie hält es ebenfalls für sehr wichtig, den Fokus der Kinder und auch der Eltern so früh wie möglich auf Alternativen zu Abitur und Studium zu legen.

    Praxis von Anfang an: An zwei Vormittagen wurde der Sachunterricht in die Ausbildungswerkstatt verlegt, um gemeinsam mit den Auszubildenden ein Werkstück anzufertigen und zu montieren – das Ergebnis war ein „Raketenauto“, das durch einen Luftballon angetrieben wird. Nicht nur die Jungs waren davon begeistert. Danach folgte die spannendste Aktion: Der Bau und die Programmierung von Lego-Mindstorm-Robotern. Dazu stellte die Firma Kampf sechs Baukästen und Tablets zur Verfügung. „Klar, das gehört einfach auch dazu, die passende Ausstattung muss schon sein“, betont Manfred Adams, der hofft, in den nächsten Jahren das eine oder andere Kind als Auszubildenden in der Firma wiederzutreffen. „Dieses Branding ist total wichtig, wenn sich die Kinder dann später bei der Berufsfindung an diese spannende Zeit erinnern.“ Adams hat keinen Zweifel daran, dass es so kommen wird. Er hat die Kinder erlebt.

    Zunächst bauten sie in Gruppen mithilfe der Auszubildenden nach Anleitung ihre Roboter zusammen und überlegten sich einen Parcours, den ihr Roboter einmal abfahren soll. Nun ging es an die Programmierung. Die Auszubildenden haben sich im Vorfeld sehr gut auf diese Aufgabe vorbereitet und erklärten den Kindern Schritt für Schritt die Vorgehensweise. So konnten am Ende alle Roboter ihren Parcours abfahren und erkannten mittels Sensoren sogar Hindernisse oder nahmen unterwegs Gegenstände auf und legten sie an anderer Stelle wieder ab.

    Die Klasse hat sich revanchiert und zum Abschluss die Vertreter des Unternehmens eingeladen, um die erarbeiteten Plakate vorzustellen und über die Zusammenarbeit zu berichten. Auch zahlreiche Eltern waren dabei. Die Kinder präsentierten stolz ihre Ergebnisse. Und zeigten, was ihre Lego-Mindstorms-Roboter alles drauf haben. „Ohne das große Engagement und die große Geduld der Auszubildenden wäre diese Aktion so nicht möglich gewesen“, freut sich Bettina Schäfer schon auf die nächste. Und Manfred Adams sowieso. Drei bis vier Bewerber, zu guten Zeiten waren das früher um die 20, hat die Firma noch im Jahr. Ungesiebt. Viel zu wenig. „Wir müssen etwas tun.“ Und das ist nicht nur auf Schüler begrenzt. Das Unternehmen bietet auch Praktika für Lehrer an. Das wird noch zu wenig genutzt. „Leider, aber ich halte das für einen Fehler“, betont Adams. Wie kann jemand eine Handwerkslehre empfehlen, der gar nicht weiß, was da passiert? Diese Frage ist wohl einer der Kerne allen Übels.

    Von unserer Redakteurin Petra Mix

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