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    CochemEr sollte vor den Kadi, ging aber lieber klauen

    Im September hatte ein 20-Jähriger aus der Eifel eine Vorladung zu einer Verhandlung wegen Wohnungseinbruchs beim Amtsgericht Cochem. Er entschuldigte sich telefonisch bei Richter Gerald Michel: Er sei zu krank, um vor Gericht zu erscheinen.

    Symbolfoto.
    Symbolfoto.
    Foto: Kevin Rühle

    Von unserer Mitarbeiterin Brigitte Meier

    Ein ärztliches Attest werde er nachreichen. Stattdessen landete auf dem Schreibtisch des staunenden Jugendrichters eine neue Anklage, aus der hervorging, dass der junge Mann just zum Zeitpunkt des "abgesagten" Gerichtstermins einen weiteren Wohnungseinbruch in Kaisersesch begangen hatte. Damit der Heranwachsende nicht ein zweites Mal der Hauptverhandlung fernbleiben konnte, wurde er vorübergehend in Jugendhaft genommen und vorgeführt.

    Der Angeklagte gestand insgesamt vier Anklagen, einschließlich des jüngsten Einbruchs, bei dem er zudem zwei Jugendliche (14 und 16) zum Mitmachen animiert haben soll. In den Jahren 2015 und 2016 hat der Angeklagte in Kaisersesch und Cochem bei laufender Bewährung unter anderem seine Arbeitgeber beklaut, indem er sich Zugriff zum Tresor verschaffte. Im jüngsten Fall hat er ein Fenster eines Wohnhauses aufgehebelt und Geld sowie eine Münzsammlung mitgehen lassen.

    Der Angeklagte führte seine Spielsucht und ständige Schulden als Gründe für die Delikte an. Er bat um eine weitere Chance: "Ich will nicht mehr ins Gefängnis." Doch der Vorsitzende Richter der Jugendschöffenverhandlung, Gerald Michel, hielt dem 20-Jährigen vor, dass er bislang jede Chance vertan habe. Das Urteil lautete daher: ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung.

    Jugendgerichtshelfer Thomas Mauer wählte drastische Worte: "Alle Menschen, die Ihnen helfen wollten, fühlen sich von Ihnen verarscht." Dem stimmte Michel zu. Der Angeklagte habe viele wohlwollende Menschen immer wieder enttäuscht. So hätte er mit Unterstützung von drei verschiedenen Arbeitgebern die Möglichkeit gehabt, eine Lehre als Bürokaufmann zu Ende zu bringen. Doch kurz vor der Abschlussprüfung wurde er wieder straffällig.

    Michel bezeichnete es als besonders verwerflich, dass der Angeklagte seine Arbeitgeber bestohlen hat. Dreist sei die Täuschung des Gerichts gewesen, indem er sich krank gemeldet habe, um erneut einzubrechen. Die Spielsucht sei natürlich ein Problem: "Aber auch auf dem Land gibt es Hilfsangebote, die Sie ignoriert haben."

    Der Haftbefehl zur Sicherung der Hauptverhandlung musste aufgehoben werden, sodass der Angeklagte bis zur Aufforderung zum Strafvollzug auf freiem Fuß ist. Deutlich warnte Michel ihn vor neuen Straftaten.

    Cochem Zell
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