40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Mittelmosel
  • » Die Zinsen sind im Keller, die Laune ist's (noch) nicht
  • Die Zinsen sind im Keller, die Laune ist's (noch) nicht

    Bernkastel-Kues. Zufrieden mit dem vergangenen Geschäftsjahr sind die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Mittelmosel - Eifel, Mosel, Hunsrück. Die Bilanzsumme kletterte im Vergleich zum Vorjahr um 32 Millionen auf 2,639 Milliarden Euro. Auch bei den Kundenkrediten und -einlagen gab es Zuwächse. Aber, relativierte der Vorstandsvorsitzende Edmund Schermann jetzt in einem Gespräch in Bernkastel-Kues: "Wir haben allen Grund, etwas vorsichtiger und behutsamer in die Zukunft zu blicken." Er verwies unter anderem auf das anhaltend niedrige Zinsniveau.

    Volker Knotte, Eric Westerheide und Vorstandschef Edmund Schermann setzen für die Sparkasse Mittelmosel weiter auf ein gesundes Wachstum.  Foto: Ditzer
    Volker Knotte, Eric Westerheide und Vorstandschef Edmund Schermann setzen für die Sparkasse Mittelmosel weiter auf ein gesundes Wachstum.
    Foto: Ditzer - David Ditzer

    Von David Ditzer

    In seinen 22 Jahren Vorstandsarbeit hat Edmund Schermann "eine solche Zinssituation noch nicht erlebt". Mit Blick auf das "extrem niedrige Zinsniveau" wählt er klare Worte: "Das ist kein Zinsmarkt mehr aus unserer Sicht. Das ist ein dominierter Markt, wo die Europäische Zentralbank die Spielregeln vorgibt." Und die sind seit der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 eindeutig: Um Kredite und Konsum anzukurbeln, senkte man den Leitzins sukzessive, fast bis auf null. Für die Sparkasse und ihre Kunden bleibt das nicht folgenlos.

    Folgen für die Kunden einerseits: Fragt sich ein heute 30-jähriger beispielsweise, wie viel er anlegen muss, um mit 60 rund 100 000 Euro auf der hohen Kante zu haben, muss er "heute das Vier- bis Fünffache anlegen" (ohne Inflation) wie noch Mitte der 90er-Jahre, so Schermann.

    Andererseits: Wer in den 90ern einen Baukredit von 100 000 Euro (umgerechnet) auf zehn Jahre (Zinsbindung, 1 Prozent Tilgung) aufgenommen hat, musste mit circa 800 Euro pro Monat rechnen, um denselben abzutragen. Davon waren etwa 700 Euro Zinsen, 100 Euro Tilgung, erläutert Volker Knotte, der das Privatkundengeschäft führt. Heute muss man nur noch gut 200 Euro pro Monat rechnen, um einen solchen Kredit abzutragen.

    Schermann macht aus der Hauptfolge der Nullzinsphase für die Bank kein Geheimnis: "Wir verdienen weniger im Zinsgeschäft, wo 80 Prozent unserer Erträge herkommen." Vor diesem Hintergrund erzielte die Sparkasse Mittelmosel noch ein "gutes bis sehr gutes Ergebnis" (Schermann). Das Volumen der Kundenkredite (aktuell: 1,639 Milliarden Euro) stieg um 9 Millionen Euro. 296 Millionen waren Neuausleihen (Vorjahr: 265 Millionen). Bei den Kundeneinlagen (aktuell: 1,984 Milliarden Euro) freut sich die Sparkasse über ein Plus von 70 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. 7 Millionen Euro mehr als 2014, nämlich 573 Millionen Euro, machten die Kundenwertpapiere aus. An die Kreise Cochem-Zell und Bernkastel-Wittlich, die die Sparkasse tragen, werden - nach einem bestimmten Schlüssel - insgesamt 1,1 Millionen Euro ausgeschüttet. 1,52 Millionen Euro verwendeten die Bank und ihre Stiftungen für gemeinwohlorientierte Zwecke (verteilt auf 937 Projekte). Davon flossen 70 000 Euro in die Sprachförderung für Asylbewerber.

    Dass die Sparkasse bei allen Herausforderungen noch so gute Zahlen vorlegt, liegt aus Sicht der drei Vorstände an der robusten, meist mittelständischen Wirtschaft in der Region, der dadurch niedrigen Arbeitslosenquote und daran, dass man die niedrige Zinsertragslage nicht dadurch auszugleichen versucht, dass man "hoch ins Risiko geht" (Schermann).

    Eric Westerheide (verantwortlich für Geschäft mit gewerblichen Kunden) fasst das so zusammen: "Unsere Region ist stabil und normal, unsere Sparkasse ist ebenfalls stabil und normal. Und wir arbeiten genau so weiter." Was Schermann und seine Kollegen ärgert: Allein im vergangenen Jahr musste man 180 000 Euro in einen europäischen Topf zahlen, der der Bankensicherung dient (zusätzlich zur eigenen Institutssicherung). So bezahle die Sparkasse, die nichts zur Finanzkrise beigetragen habe, die Rechnung für die schwarzen Schafe mit. Und nun fordere EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch noch eine zusätzliche europäische Einlagensicherung.

    Die Sparkasse hatte 2015 genauso viele Standorte (55) und Geldautomaten (59) wie 2014. Dagegen sank die Zahl der Mitarbeiter um 23 auf 589. Das liegt Schermann zufolge vor allem daran, dass circa 15 Mitarbeiter, die schon vor drei oder vier Jahren in Altersteilzeit gingen, nun formal verrentet sind. Im Übrigen, so Schermann weiter, "wird nicht damit zu rechnen sein, dass sich der Personalbestand ausweitet". Was die Präsenz in der Fläche angeht, soll vorerst alles beim Alten bleiben. Man behält sich aber vor, bei Bedarf auf aktuelle Veränderungen des Markts zu reagieren. Die Erneuerung der Filiale Cochem soll im Frühjahr nächsten Jahres vollbracht sein.

    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Chef v. Dienst

     

    Mail

    Anzeige
    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Cochem/Zell bei Facebook
    Regionalwetter
    Freitag

    19°C - 34°C
    Samstag

    19°C - 33°C
    Sonntag

    18°C - 32°C
    Montag

    13°C - 24°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige