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    AndernachWie wurde das Weissheimer-Areal in Andernach vermarktet?

    Wenn alles glattgeht, soll das Weissheimer-Gelände in Kürze einen Bebauungsplan erhalten. Dieser wurde in den vergangenen Monaten in Verwaltung und Ausschüssen beraten. Jetzt bringt der Stadtrat einen neuen Aufstellungsbeschluss auf den Weg. Auf RZ-Anfrage erklärt Stadtsprecher Christoph Maurer: "Bislang gab es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan. Es gab immer nur Absichtsplanungen."

     

    Das Sahnegrundstück der Stadt Andernach liegt seit sechs Jahren brach. Nun soll es erstmals einen rechtskräftigen Bebauungsplan bekommen. Die RZ hat sich angeschaut, wie versucht wurde, das Weisseheimer-Areal an den Mann zu bringen.
    Das Sahnegrundstück der Stadt Andernach liegt seit sechs Jahren brach. Nun soll es erstmals einen rechtskräftigen Bebauungsplan bekommen. Die RZ hat sich angeschaut, wie versucht wurde, das Weisseheimer-Areal an den Mann zu bringen.
    Foto: Katrin Franzen

    Von unserer Redakteurin Katrin Franzen

    Wenn alles glattgeht, soll das Weissheimer-Gelände in Kürze einen Bebauungsplan erhalten. Dieser wurde in den vergangenen Monaten in Verwaltung und Ausschüssen beraten. Am Donnerstag, 30. Januar, bringt der Stadtrat einen neuen Aufstellungsbeschluss auf den Weg. Auf RZ-Anfrage erklärt Stadtsprecher Christoph Maurer: "Bislang gab es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan. Es gab immer nur Absichtsplanungen."

    Dass die Stadt in dieser Sache nun Gas gibt, hängt damit zusammen, dass sie endlich wieder einen Projektentwickler am Wickel hat. Der letzte Gesprächspartner hatte nach drei Jahren Eiertanz mit der Stadt im August 2012 das Handtuch geworfen (die RZ berichtete). Über den aktuellen Interessenten schweigt die Stadt bislang, sagt nicht, woher er stammt und was er dort plant. "Natürlich beabsichtigen wir nach wie vor, dass auf dem Weissheimer-Gelände Hotel und Wohnungen entstehen", erklärte Maurer kürzlich auf die Anfrage, ob ein Hotel mittlerweile passé ist.

    Auf die Idee, dass die Stadt sich eventuell von einem Hotelbau verabschiedet hatte, konnte kommen, wer sich über die Vermarktung des Grundstückes Gedanken machte. Denn: Die Investorensuche wirkte auf Außenstehende teils sehr unübersichtlich und unambitioniert, wie Recherchen zeigen.

    Internet: Entwickler und Investoren, die von einem Hotelgrundstück mit Wohnungen in Andernach gehört haben, möchten natürlich mehr darüber erfahren. Sie werden vermutlich im Internet die Suchworte Hotel, Andernach und Grundstück eingeben - und damit ins Leere laufen. Zielführende Treffer sind Fehlanzeige. Wer da nicht schon aufgibt, weil er denkt, dass das Grundstück eh bereits vergeben ist, schaut vielleicht direkt auf der Internetseite der Stadt Andernach nach. Dort beginnt erneut die Sucherei. Wer die Seite www.andernach.de aufruft, klickt auf den Menüpunkt "Wirtschaft". Klar, man will ja einen Hotelbetrieb errichten. Und weiter? Verschiedene Menüpunkte stehen zur Auswahl. Der einzige Punkt, der irgendwie infrage kommt, ist "Gewerbeflächen". Dann muss man sich durchklicken: Unter den Punkten "Halle am Hafen", "Römer Areal", "Schlachthof" und "Gewerbeimmobilien" gelangt man unter "Römer Areal" tatsächlich einen Schritt weiter. "Römer Areal"! Warum hier nicht mit dem viel bekannteren Titel Weissheimer-Gelände geworben wird, ist nicht nachvollziehbar. Unter "Römer Areal" erfährt man dann etwas über die Stadt, über die Römerfunde, über Andernach als Tourismusstandort. Erst am Fuß der Seite wird von dem möglichen Hotel gesprochen, das dort auf dem Römer Areal errichtet werden kann. "Neben der Fünf-Sterne-Lage können die gesicherten historischen Funde in die Gesamtplanung einbezogen werden und so einen überregional wirksamen Mehrwert für die Gäste schaffen." Mit Blick auf die Thermen sei die Verknüpfung mit dem heute stark nachgefragten Wellnessaspekt denkbar. Genaue Vorstellung von dem Projekt wie Geschosshöhen werden nicht genannt. So klickt der Interessent auf den angebotenen Link zum Werbeexposé.

    Werbeexposé: Das Exposé, mit dem die Stadt das Grundstück beworben hat, schickte sie auch an regionale Unternehmen, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Im Exposé wird ebenfalls über die Römerstadt und touristische Höhepunkte berichtet. Erst auf Seite drei der sechsseitigen Präsentation steht etwas zu einem möglichen Hotelbau. "Die nun geschaffene Freifläche steht ab sofort für eine gehobene Hotel- und Wohnbebauung zur Verfügung." Und erst auf Seite fünf gibt es tatsächlich konkrete Zahlen: Verfügbare Fläche (9257 Quadratmeter), Eigentümer (Stadt), Verfügbarkeit (sofort). Und dann kommt etwas, was jeden Profi erschrecken dürfte: Als Gebietsausweisung steht dort GE. Das bedeutet Gewerbegebiet. Diese Ausweisung schließt laut Baunutzungsverordnung (Paragraf 8) Wohnen und einen Hotelbetrieb (Sondergebiet) aus. Es fehlt zudem der Hinweis, dass eine erneute Ausweisung mit einem Entwickler zusammen angestrebt werde. Immobilienentwickler werden sich möglicherweise umgehend abgewendet haben.

    Warum also diese Ausweisung als Gewerbegebiet? Warum hat man diese Angabe nicht weggelassen? Hat dies die Stadt sogar Bewerber gekostet? Wie Andernachs oberster Stadtplaner Eckhard Koch im RZ-Gespräch berichtet, sei die Ausweisung als Gewerbegebiet an dieser Stelle ein Fehler. Andernach.net-Geschäftsführer Christian Heller betont, dass diese Angabe in den herausgegebenen Broschüren nicht auftauchte, sondern nur in einer Musterbroschüre stand. "Sie finden die Informationen auf der Internetseite aber weiterhin unter Gewerbeflächen, da wir die Fläche nicht nur für den privaten Wohnungsbau zur Verfügung stellen wollen."

    Fachzeitschrift: Professioneller ist die Werbung im "Wirtschaftsblatt Rhein-Main-Saar" 5/12 gelungen. Die Wirtschaftsförderer der Stadt Andernach, Christian Heller, und des Landkreises MYK, Henning Schröder, stehen auf dem veröffentlichten Foto auf dem Weissheimer-Gelände. Im Text werden alle Anforderungen beschrieben und die Chancen dieser Lage. Das Nutzungskonzept sehe für das Areal ein hochklassiges Vier-Sterne-plus-Hotel mit 80 bis 150 Zimmern, drei Vollgeschossen und ausbaufähigem Dachgeschoss sowie Tiefgarage vor. Der Text macht Lust, dieses Filetstück zu erwerben. Über die schriftliche Werbung hinaus hat die Stadt das Grundstück auch auf der Expo-Real München präsentiert, einer Immobilienmesse. Zudem wurde es EU-weit ausgeschrieben.

    Ein Auszug aus dem Werbeexposé.
    Ein Auszug aus dem Werbeexposé.

    Ein Auszug aus dem Werbeexposé.
    Ein Auszug aus dem Werbeexposé.

    Mittlerweile hat die Stadt die offensive Vermarktung des Geländes "zumindest für die an die Konrad-Adenauer-Allee angrenzende Fläche eingestellt", teilt Stadtsprecher Maurer mit. Hintergrund sind Verhandlungen mit einem Entwickler. Aktuell ist das Grundstück auch nicht mehr EU-weit ausgeschrieben - aufgrund einer veränderten Gesetzeslage sei dies nicht mehr notwendig, so Maurer.

    Abgesprungene Entwickler

    Nachdem die Stadt das Grundstück im Jahr 2006 gekauft hatte, führte sie ab der zweiten Jahreshälfte Gespräche mit potenziellen Bauherren. Die Stadt schrieb das Grundstück mit Hotel- und Wohnbauprojekt europaweit aus. Bis Frühjahr 2008 gingen zwei Bewerbungen ein. Nur die Unterlagen einer irischen Investorengruppe waren laut Stadt verwertbar. Das Hotel sollte 2010, spätestens im Frühjahr 2011 stehen - in der Hoffnung auf einen positiven Effekt durch die Bundesgartenschau.

    Der Stadtrat beschloss im Juni 2008, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. CDU-Vorsitzende Mechthild Heil machte damals auf Folgendes aufmerksam: "Wir haben ein Problem mit dem Investor: Es gibt keinen konkreten Ansprechpartner." Zudem sei es seltsam, dass mal ein irischer Name und dann wieder einer aus Spanien angegeben werde. Doch die Stadt hielt weiterhin an der Zusammenarbeit fest.

    Im Sommer dann wurden bedeutende Römerfunde auf dem Gelände gemacht. Diese, so die Stadt, sollten in den Neubau einbezogen werden. Die Verträge mit dem Investor sollten noch im selben Jahr unterzeichnet werden. Im Frühjahr 2010 wurde bekannt, dass der Investor abgesprungen ist. Als Grund nannte OB Hütten die Finanzkrise. Er präsentierte wenig später einen neuen Interessenten, den bayerischen Projektentwickler Ekkehard Kremer. Der hatte noch nichts gebaut und wollte das Grundstück entwickeln. Die Stadt arbeitete drei Jahre mit ihm zusammen - bis es zum Bruch kam. Oberbürgermeister Achim Hütten setzte Kremer im Juli 2012 die Pistole auf die Brust. Damit der Kaufvertrag, der bereits ausgehandelt war, unterschrieben werden kann, sollte Kremer bis Ende August 2012 konkrete Finanzierungsunterlagen einreichen: einen Eigenkapitalnachweis und einen Nachweis der Fremdfinanzierung. Kremer meint, dass diese Schritte und der Zeitplan so nicht in den Vereinbarungen standen. Er schmiss das Handtuch. kaf

    Das kostet die Planung

    Die Planungskosten für das Weissheimer-Gelände sind nicht separat im Haushalt 2014 eingestellt. Diese werden über den sogenannten allgemeinen Planungstitel finanziert, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Das ist eine Art Sammeltopf, gefüllt mit 35 000 Euro, der von Fall zu Fall in Anspruch genommen wird. Er beinhaltet Gelder für Fachgutachten oder Vorleistungen, wenn Bebauungspläne erstellt werden, die im Einzelfall notwendig werden, aber vorher nicht absehbar oder zu beziffern waren. Aus diesem Topf wird jetzt auch geschöpft. Der Verkauf des Grundstücks und die Wiederherstellung der Kirchstraße sind explizit veranschlagt, heißt es. "Das Grundstück wird zum gutachterlich festgesetzten Preis veräußert", sagt Maurer. In den Haushaltsplänen der vergangenen Jahre plante die Stadt mit einem Verkaufserlös fürs Grundstück von 2,04 Millionen Euro. Was die Wiederherstellung der Kirchstraße kosten wird, kann die Stadt heute noch nicht beziffern. "Das Projekt Kirchstraße soll ja erst 2016 in Angriff genommen werden", sagt Stadtsprecher Christoph Maurer. Sprich: Die Straße ist bislang unberührt. Wie sehr die Straße in den kommenden Jahren in Mitleidenschaft gezogen wird und wie hoch die Wiederherstellungskosten ausfallen werden, ist schwer abschätzbar. "Die Gesamtkosten für das komplette Projekt belaufen sich etwa auf 500 000 Euro", sagt Maurer. kaf

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