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    AndernachNeuer Band der Andernacher Annalen: In fünf Koffern auf spannende Quellen gestoßen

    Kürzlich erschienen ist der neue Band der Andernacher Annalen, die der Historische Verein seit 1995 herausgibt. Ein ungewöhnlicher Quellenfund bildet die Grundlage für mehrere der Aufsätze, die schwerpunktmäßig Aspekte des Ersten und Zweiten Weltkriegs behandeln.

    Wirkten am aktuellen Band der Annalen mit: Horst Schuh, Hartmut Nagel, Günter Haffke, Wolfgang Luithlen und Guido Seibert (von links)
    Wirkten am aktuellen Band der Annalen mit: Horst Schuh, Hartmut Nagel, Günter Haffke, Wolfgang Luithlen und Guido Seibert (von links)

    Horst Schuh, Luftwaffenoffizier a.D. und einer der Autoren, erstand bei einem Antiquitätenhändler in Cochem fünf alte Koffer, randvoll mit Unterlagen und Dokumenten der Familie Luithlen aus Andernach. Enthalten waren auch 80 Feldpostkarten aus dem ersten Weltkrieg, die Hermann Walter Otto Luithlen (1895 - 1981) an Familienmitglieder geschickt hatte - sein Einsatz im Krieg als Telegrafist führte ihn von Koblenz bis nach Konstantinopel, das heutige Istanbul. Anhand der Auswertung durch Schuh erfährt der Leser, wie ein einzelner Soldat Krieg erlebte - und dies in einer Ausführlichkeit, die in Feldpostkarten und Briefen eher selten zu finden ist. Schnell war ein Kontakt mit Wolfgang Luithlen in Andernach hergestellt, der selbst erstaunt war, dass es diese Dokumente noch gab. Sie waren offensichtlich bei der Räumung des Firmengeländes der Fino-Werke, einst im Besitz der Familie, in die Hände des Antiquitätenhändlers geraten. Unter Mithilfe des Nachfahren konnte der Autor Fragen bezüglich Abkürzungen im Text oder Personen auf Fotografien klären und die Familiengeschichte als wichtige Information erfahren.

    Das umfangreiche Material in den Koffern gestattete auch einen Blick auf die Lebensgeschichte einer Frau aus der in vieler Hinsicht privilegierten Andernacher Industriellenfamilie: Gertrud Luithlen, die auf eine Berufsbildung verzichten musste, sich aber Zeit ihres Lebens karitativ engagierte. Dies zeigt der Aufsatz von Hartmut Nagel, der es durch detektivische Arbeit verstand, Fotografien zu verorten, Personen zu identifizieren, die nicht zur Familie Luithlen gehörten, und die Dokumente in ihren historischen Zusammenhang zu stellen. Dabei zeigte er auch die Widersprüche auf, die sich durch die spätere Mitgliedschaft Gertrud Luithlens in der nationalsozialistischen Organisationen Frauenschaft und Volkswohlfahrt ergeben.

    Darüber hinaus fand sich in den Koffern auch das Tagebuch des Familienmitglieds Hermann Walter Otto Luithlen aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Die subjektiven Eintragungen bezeugen die Erlebnisse eines Zivilisten. In knapper Form nehme Luithlen familiäre und betriebliche Aspekte in den Blick, aber auch die Situation in Andernach und die allgemeine Lage in Deutschland, berichtet Hartmut Nagel, der den Text in Hinblick auf Rechtschreibung, Lesbarkeit und Hintergrunderklärungen bearbeitet hat.

    Außerdem steuert Günter Haffke zu den Annalen eine Studie zu zwei Kirchenfenstern in Namedy bei, die vielen Bewohnern des Stadtteils bekannt sein dürften. Sie befinden sich seit 1919 im gotischen Chor der Kirche in Namedy und sind eine Stiftung des katholischen Burgherren Carl Anton von Hohenzollern, der während des Ersten Weltkriegs zusammen mit dem Pfarrvikar Heinrich Endres das Bildprogramm entwickelt hatte. Bei genauerer Untersuchung des Bildprogramms erkennt man eine subtile Propaganda für den Ersten Weltkrieg von kirchlicher Seite, die heute befremdlich erscheint. Die Fotos von Guido Seibert ermöglichen es, mit auf Spurensuche zu gehen.

    Die neue Ausgabe der Annalen ist ab sofort im Buchhandel, im Kulturpunkt und im Stadtmuseum für 15 Euro erhältlich.

    Mayen-Andernach
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