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  • MayenIntendant im Interview: Mayener Burgfestspiele stehen vor Neuanfang

    Dass bei den Mayener Burgfestspielen eine neue Ära angebrochen ist, lässt sich bisher vor allem an Kleinigkeiten erkennen. Das wird sich in wenigen Wochen ändern, wenn die erste Spielzeit unter der Leitung des neuen Intendanten Daniel Ris offiziell eröffnet wird und die Burgfestspiele im Wortsinn die große Bühne betreten. Hinter den Kulissen hat die Zukunft des Theaterfestivals aber längst begonnen, die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Die Rhein-Zeitung hat mit Daniel Ris über seine Vision für die Mayener Burgfestspiele gesprochen.

    Fünf Produktionen: Der neue Burgfestspiel-Intendant Daniel Ris hat das Organisatorische im Griff.  Foto: Hilko Röttgers
    Fünf Produktionen: Der neue Burgfestspiel-Intendant Daniel Ris hat das Organisatorische im Griff.
    Foto: Hilko Röttgers

    Herr Ris, als neuer Intendant der Mayener Burgfestspiele stehen Sie kurz vor dem Beginn Ihrer ersten Spielzeit. Wird bei den Festspielen jetzt alles anders?

    Ja, das ist schon so. Es ist ein echter Neuanfang.

    Was ändert sich denn?

    Mein Lieblingswort ist in dem Zusammenhang die „Vielfalt“. Wir haben fünf Stücke auf dem Spielplan, die von fünf verschiedenen Regisseuren inszeniert werden, von denen jeder seine eigene Handschrift hat. Es gibt jetzt auch wieder Gastspiele und neu die sogenannten „Festspiel-Extras” mit Comedy, Late-Night und vielem mehr. Für all das brauchen wir eine ganz andere Organisationsstruktur als bisher, und wir müssen uns stärker im Team verständigen.

    Können Sie ein Beispiel nennen?

    Jeder Schauspieler spielt 2017 in zwei Stücken mit. Das macht die Besetzung natürlich nicht einfacher. Die Darstellerin, die die Luise in „Kabale und Liebe“ spielt, muss bei uns zum Beispiel auch ein Soulgirl in „Der kleine Horrorladen“ singen können. Das sind teilweise sehr schwierig zu besetzende Kombinationen. Außerdem brauchen wir einen ausgeklügelten Probenplan. Wir haben zwei Probebühnen organisiert und proben in drei Zeitschienen, das ist aufwendig. Und es wurde bei den Burgfestspielen so noch nie praktiziert. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

    Die Proben haben in dieser Woche begonnen. Sind die organisatorischen Vorbereitungen inzwischen also abgeschlossen?

    Die Proben für „Ronja Räubertochter“ laufen seit dem 18. April. Eine Woche später kommt dann der Rest des Ensembles dazu. Die Tribüne steht. Die Arbeit in den Kostümwerkstätten und der Bühnenbildbau laufen bereits auf Hochtouren. Menschen und Räume sind sozusagen organisiert, und es ist alles auf dem Gleis. Wir produzieren aber wahnsinnig viel in sehr kurzer Zeit. Wir sind recht gut vorbereitet, aber ich habe trotzdem sozusagen noch 1000 Baustellen im Kopf.

    Anders als Ihr Vorgänger Peter Nüesch stehen Sie nicht selbst auf der Bühne, obwohl Sie auch ausgebildeter Schauspieler sind. Warum diese Zurückhaltung?

    Ich selbst spiele nicht, weil ich mich auf die Gestaltung der Festspiele und das Organisatorische konzentrieren will. Im Moment habe ich ganz einfach keine Zeit mehr, um noch etwas anderes zu machen. Jetzt noch eine Hauptrolle zu spielen, würde ich wirklich nicht schaffen. Aber ehrlich gesagt vermisse ich das Spielen gerade auch nicht. Ich bin seit 26 Jahren Schauspieler, aber jetzt zum ersten Mal Intendant. Das ist für mich zurzeit viel aufregender.

    Intendant der Burgfestspiele sind Sie auf jeden Fall bis 2019. Wird das Publikum Sie vielleicht in Zukunft als Schauspieler sehen?

    Wenn das neue Prinzip etabliert ist und ich als Intendant eine andere Routine bekommen habe, dann könnte es sein, dass ich vielleicht daran denke, irgendwann einmal eine Rolle zu übernehmen. Aber es gibt ja keine Notwendigkeit, dass der Intendant Ris auch auf der Bühne steht. Es gibt wunderbare Schauspieler die ich nach Mayen engagieren kann – und das habe ich für 2017 auch getan. Ich will mich aber nicht verstecken. Deswegen gehe ich beispielsweise viel in Schulen und mache auch die Lesungen für interessierte Bürger zu Hause in deren Wohnzimmern.

    Vom Organisatorischen zum Inhaltlichen: Welche Art Theater können die Burgfestspiel-Besucher erwarten?

    Meine Goldene Theater-Regel lautet: „Du sollst nicht langweilen”. Im Theater geht eigentlich alles; aber Langeweile nicht. Ich denke, wir haben da für den Sommer 2017 gute Voraussetzungen. Wir haben wirklich tolle Künstler im Ensemble, und wir haben wunderbare Stücke auf dem Spielplan. Kunst ist aber trotzdem nie berechenbar, sondern immer auch ein Risiko. Ich hoffe natürlich, dass wir die Leute begeistern können. Kein Schauspieler spielt ja gern vor leeren Rängen. Und es ist für die Burgfestspiele auch wirtschaftlich wichtig, weil wir einen großen Anteil unseres Etats an der Kasse erwirtschaften müssen.

    Ein gutes Stichwort: Wie läuft denn der Vorverkauf?

    Unser Hit ist zur Zeit „Ronja Räubertochter“. Da haben wir schon rund 8000 Karten verkauft. Darum haben wir auch stark gekämpft. Wir haben zum Beispiel alle Grundschulen angesprochen und Materialmappen für den Unterricht vorbereitet. Auch das Programm auf der Kleinen Bühne im Alten Arresthaus läuft sehr gut. „Alte Liebe“ ist bereits ausverkauft, und das, obwohl wir in diesem Jahr 15 Termine anbieten. Für „Tschick“, unsere zweite Produktion auf der Kleinen Bühne, sind für die Abendvorstellungen aber noch Karten zu haben, so wie für alle anderen Stücke auch. Generell werden die Neuerungen der Festspiel-Extras und der Schul-Vorstellungen für weiterführende Schulen besonders gut angenommen.

    Außerdem stehen mit Schillers „Kabale und Liebe“ und dem Musical „Der kleine Horrorladen“, das Sie selbst inszenieren, zwei Klassiker auf dem Spielplan.

    Ja, aber bei „Kabale“ wäre es besonders schade, wenn die Leute denken: Das ist doch diese verstaubte Klassiker-Pflichtlektüre. Es ist nämlich ein toller Text, und das Stück strotzt vor guten Rollen! Wir wollen herausarbeiten, was „Kabale“ zu einem Klassiker macht und was die Handlung heute noch mit uns zu tun hat. Das sind zum Beispiel die zwischenmenschlichen Konflikte. Es geht um die Eltern-Kind-Problematik und um die ideale Vorstellung von wahrer Liebe – Dinge, die auch heute noch gültig sind.

    Und was spricht für den „Kleinen Horrorladen“?

    Der „Horrorladen“ ist mein absolutes Lieblingsstück! Wenn man es ernst nimmt, ist es ein Stück über den schmalen Grat zwischen Sehnsucht und Gier. Der „Horrorladen“ ist dabei aber unglaublich witzig, mit schrägem Humor, und es gibt tolle Musik, die stilistisch die 1960er-Jahre zitiert, gespielt von einer Liveband mit vier Musikern. Trotz der relativ kleinen Besetzung klingt die Musik von Alan Menken toll. Man hat nie das Gefühl, dass da etwas fehlt.

    In fünf Wochen gehen die Burgfestspiele mit der ersten Premiere richtig los. Was wünschen Sie sich persönlich für Ihre erste Saison?

    Ich wünsche mir, dass das Publikum mit Offenheit und Neugier kommt. Und natürlich auch, dass wir es dann überzeugen und begeistern können.

    Die Fragen stellte unser Redakteur Hilko Röttgers

    Der Spielplan der Mayener Burgfestspiele

    Die Mayener Burgfestspiele beginnen am Samstag, 20. Mai, um 11 Uhr mit einem Theater-Spektakel auf dem Marktplatz. Mit dem Familienstück „Ronja Räubertochter“ steht die erste Premiere auf der Bühne in der Genovevaburg am Sonntag, 28. Mai, um 15 Uhr auf dem Programm. Es folgen der Schauspiel-Klassiker „Kabale und Liebe“, der am Samstag, 10. Juni, 20 Uhr, Premiere feiert, und das Musical „Der kleine Horrorladen“, der am Samstag, 24. Juni, 20 Uhr, erstmals zu sehen sein wird. Auf der Kleinen Bühne im Alten Arresthaus feiert zunächst das Jugendstück „Tschick“ am Freitag, 2. Juni, 20 Uhr, Premiere. Einen Monat später, am Samstag, 1. Juli, 20 Uhr, wird das Stück „Alte Liebe“ erstmals aufgeführt. Außerdem stehen Festspiel-Extras auf dem Spielplan, etwa die Gastspiele „Das Interview“ (Dienstag, 4. Juli, 20 Uhr, Kleine Bühne) und „Der zerbrochene Krug“ (Sonntag, 6. August, 19 Uhr, Genovevaburg) sowie Comedy, Late-Night-Programme und die Abschiedsgala am Samstag, 26. August, 20 Uhr. hrö

    Ausführliche Infos gibt es unter www.burgfestspiele-mayen.de

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