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    AndernachEinzelhandel: Vielfalt geht in Andernach verloren

    Viele „Schade“-Kommentare und nicht weniger als 18 traurige Smileys: Auf keinen Facebook-Beitrag ihres Secondhandladens für Kinderkleidung erhielt Jenny Täubner, Inhaberin von „Mini & Me“ am Andernacher Marktplatz, mehr Resonanz als auf den, in dem sie die baldige Geschäftsaufgabe verkündete. „Damit haben wir mehr als 6000 Leute erreicht“, sagt die junge Frau. „Es hätte uns aber mehr genützt, wenn auch nur ein Bruchteil davon zum Einkaufen gekommen wäre.“

    Bei „Mini & Me“ am Marktplatz fanden Eltern bislang eine große Auswahl an Kinderkleidung für alle Altergruppen. Nun jedoch gibt Jenny Täubner ihr Geschäft auf, bis Ende Februar läuft noch die Abwicklung, in der die Kommissionsware abgeholt wird.  Foto: Michael Fenstermacher
    Bei „Mini & Me“ am Marktplatz fanden Eltern bislang eine große Auswahl an Kinderkleidung für alle Altergruppen. Nun jedoch gibt Jenny Täubner ihr Geschäft auf, bis Ende Februar läuft noch die Abwicklung, in der die Kommissionsware abgeholt wird.
    Foto: Michael Fenstermacher

    Weil es ihre Mutter und Mitinhaberin Verena Weber privat an die Ostsee zieht, gibt Jenny Täubner den Laden auf, allein weitermachen sei für sie keine Option gewesen. „Dafür läuft es in Andernach einfach zu schlecht“, sagt sie – trotz der vielen entsetzten Reaktionen auf die Ankündigung, dass am 28. Februar der letzte auf Kinderkleidung spezialisierte Laden in der Innenstadt schließt und damit die Zahl der Leerstände weiter anwächst. So sind derzeit bei einem Immobilienportal im Internet sieben freie Ladenlokale in Andernach zu finden, doch bei einem Gang durch die Stadt fällt auf, dass die tatsächliche Zahl weit höher liegt.

    Andernacher, die Kleider für den Nachwuchs brauchen, würden eher nach Mülheim-Kärlich ins Gewerbegebiet fahren, meint die junge Mutter – und ein wenig kann sie das sogar verstehen. Denn: „Die Parkplatzsituation hier ist eine Katastrophe“, meint sie. Nur um in das Geschäft am autofreien Marktplatz zu kommen, würden die Leute es nicht auf sich nehmen, ein gutes Stück entfernt zu parken und dann zu Fuß zu gehen – zumal es in der Nähe auch an weiteren Einkaufsmöglichkeiten fehlt. „Der Marktplatz ist tot“, findet Jenny Täubner.

    Mehr Unterstützung hätte sie von der städtischen Wirtschaftsförderung Andernach.net erhofft. „Es wird zu wenig Werbung für den Einzelhandel gemacht“, meint die Inhaberin. Aktionen, die geeignet sind, die Kundenfrequenz zu erhöhen gebe es auch nicht, stellt sie fest und nennt das Weihnachtsdorf als Beispiel. „Für uns ist der Dezember die schlechteste Zeit des Jahres, weil unser Laden durch die Aufstellung der Buden komplett vom Marktplatz abgeschnitten ist.“ Nicht nachvollziehen kann Jenny Täubner es außerdem, dass das Frühlingsfest mit verkaufsoffenem Sonntag in die Rheinanlagen verlegt wurde – fernab von allen Geschäften.

    Christian Heller, Geschäftsführer der Andernach.net, nimmt solche Kritik ernst, betont aber, dass man bei Aktionen stets darauf setze, „die Innenstadt mitzunehmen“. So sei das Weihnachtsdorf eigentlich auch als Frequenzbringer für den Marktplatz gedacht. „Die Fahrwege vor dem Geschäften lassen wir ja bewusst frei“, sagt er, und auch beim Frühlingsfest, das mit der Eröffnung der Geysirsaison zusammenfalle, versuche man, die Einzelhändler einzubinden.

    Ingesamt liegt die Zahl der leer stehenden Einzelhandelsobjekte im Stadtgebiet laut Heller konstant bei circa 50. Vieles würde innerhalb weniger Wochen oder Monate neu vermietet. Wenn Lokale seit Jahren leer stünden, liege das häufig an der mangelnden Investitionsbereitschaft oder -fähigkeit der Besitzer.

    Demnächst vorliegen sollen die Ergebnisse einer Einzelhandelsanalyse, für die Studenten der Fachhochschule Koblenz in der Stadt unterwegs waren. Eines nimmt Heller vorweg: Befragte Kunden würden gern mehr Sportartikel und Textilien einkaufen können. Diesen Bedarf sieht auch Heller und sieht die Gefahr, dass im Branchenmix Vielfalt verloren geht. So ist er einerseits froh, dass mit einem Fitnessstudio ein Nachmieter für die frühere Intersport-Filiale in der Kramsgasse gefunden wurde. Faktisch bedeute dies aber auch eine weitere Ausdünnung des Einzelhandelsangebots.

    Von unserem Redakteur
    Michael Fenstermacher

     

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