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    Weitersburger Bombe: Bewohner nehmen Evakuierung gelassen

    Bendorf/Vallendar/Niederwerth – Nicht nur Weitersburg, der Fundort der Bombe, war von der Evakuierung betroffen. Auch in Teilen der Nachbarstädte und -gemeinden hieß es: Alle müssen raus.

    Die Bombenentschärfung mit der großen Evakuierung hatte auch Auswirkungen auf den überregionalen Verkehr: Die A 48, hier bei Weitersburg, war zwischen den Anschlussstellen Bendorf und Höhr-Grenzhausen komplett gesperrt. Man fühlte sich an die autofreien Sonntage im Winter 1973 erinnert.
    Die Bombenentschärfung mit der großen Evakuierung hatte auch Auswirkungen auf den überregionalen Verkehr: Die A 48, hier bei Weitersburg, war zwischen den Anschlussstellen Bendorf und Höhr-Grenzhausen komplett gesperrt. Man fühlte sich an die autofreien Sonntage im Winter 1973 erinnert.
    Foto: Winfried Scholz

    Von unseren Mitarbeitern Annette Hoppen, Peter Karges und Winfried Scholz

    Bendorf: Bereits kurz vor 8 Uhr beginnt die Evakuierung der 135 Bewohner des Awo-Seniorenheims auf der Vierwindenhöhe. Rund 40 der älteren Menschen werden von Angehörigen abgeholt, wie Einrichtungsleiter Andreas Erdmann berichtet. Alle anderen Bewohner müssen mit Krankentransportwagen in Ausweichquartiere gebracht werden. Bei einer älteren Dame rinnen Tränen über das Gesicht, als sie mit ihrem Rollstuhl zu einem der Wagen geschoben wird. "Ich habe den Krieg miterlebt", sagt sie. Dass sie noch einmal wegen einer Bombe ihr Zuhause verlassen muss, nimmt sie sichtbar mit.

    Gerade um bei solchen Fällen beruhigend einzuwirken, ist Pfarrer Detlef Kogge als Notfallseelsorger in der zur Notunterkunft umfunktionierten Cafeteria des Bendorfer Wilhelm-Remy-Gymnasiums im Einsatz. Der verläuft ruhig. Etwa 30 Leute haben Zuflucht in dem Aufenthaltsraum gesucht. Die Stimmung hier ist bei Sprudel und Bockwürsten sehr entspannt.

    Weniger gelassen reagieren dagegen etliche Autofahrer, als um 11 Uhr die Zufahrten der B 42 in Richtung Koblenz gesperrt werden, ebenso wie die Hauptstraße in Richtung Vallendar. Obwohl die Sperrung in den Medien in den Tagen zuvor angekündigt wurde, sind etliche Autofahrer offenbar überrascht - und hilflos. Fast jeder zweite Wagen an der Ausfahrt Rheinhafen stoppt, die Beamten werden nach Ausweichrouten befragt. Die sind in Bendorf nicht ausgeschildert. "Der LBM kann Umleitungen nur ausschildern, wenn es einen definierten Start und ein Ende der Umleitungsstrecke gibt", erklärt Hans-Joachim Eggert, stellvertretender Leiter der Autobahnpolizei Montabaur. Das sei jedoch heute schwierig. "Wir wissen ja nicht, wo die Leute hinwollen."

    Niederwerth/Mallendarer Berg: Auf der Insel Niederwerth ist die Evakuierung eher wie ein Umzug. Denn betroffen von der Räumung sind nur die Häuser nördlich der Brückenstraße. "Es sind ungefähr 200 Personen, die ihre Wohnungen räumen müssen", sagt Ortsbürgermeister Josef Gans. Wer die Insel mit dem Auto verlassen will, der muss auch aus dem südlichen Teil vor 11 Uhr aus dem Haus, denn dann ist die Brücke dicht. Von Niederwerth geht es danach nur noch mit der Flotte der Personenschifffahrt Gilles. Viele Betroffene verbringen auf der Insel den Tag einfach am Schützenzelt, denn an diesem Wochenende wird hier Schützenfest gefeiert. "Man merkt, dass man auf der Insel eine Einheit ist", betont ein 19-Jähriger von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft. Verglichen mit anderen Notunterkünften ist rund ums Festzelt mehr los. In der in der Konrad-Adenauer-Schule zählt man über den Tag verteilt gerade mal zehn Personen. Und selbst im Freibad ist trotz freiem Eintritt kein großer Andrang.

    Vallendar: Pünktlich um acht Uhr morgens beginnt die Verlegung der Bewohner des Seniorenheims St. Josef in Vallendar. Nach Auskunft von Heimleiterin Rita Berens sind 72 alte Menschen betroffen. 19 finden bei Verwandten Unterkunft, vier Bewohner werden in ein Krankenhaus verlegt. Die übrigen verbringen den Tag in umliegenden Seniorenheimen. Es gibt keinerlei Panik, es herrscht sogar eine lockere Stimmung. Rita Berens berichtet: "Wir haben unsere Bewohner, von denen viele ja den Krieg noch miterlebt haben, die ganze Woche vorbereitet. Auch die Mitarbeiter, die frei haben, sind heute zur Unterstützung gekommen." In der Neurologischen Klinik geht es ruhig zu. Die meisten Patienten waren schon in den Tagen zuvor verlegt oder früher entlassen worden. In der Notunterkunft in der Stadthalle haben sich rund 40 Vallendarer eingefunden, wie Bürgermeister Gerd Jung berichtet. Mit Brötchen, Kuchen, Kaffee und kalten Getränken werden sie vom DRK versorgt. Sechs Vallendarer Vereine, darunter auch das neue Schützenkönigspaar, helfen bei der Versorgung der Evakuierten. Die Stimmung ist gut. Und auch für die Bewohner des Seniorenheims St. Josef endet der Tag gut: Um 18 Uhr sind alle wieder zu Hause. Glücklich, aber müde, berichtet Heimleiterin Rita Berens.

    Aufatmen: Weitersburger Bombe entschärft Impressionen aus Vallendar - Wir sind evakuiertBombenentschärfung in Weitersburg: Verlassenes VallendarBombenentschärfung in Weitersburg: Lahmgelegter VerkehrVallendar/Bendorf: Alte und Patienten müssen der Bombe weichen
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