40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Koblenz
  • » Netzwerk Fair tagte: Integration in den Arbeitsmarkt braucht Zeit
  • Tagung Andrea Nahleswar Gastrednerin beim Netzwerk Fair

    Netzwerk Fair tagte: Integration in den Arbeitsmarkt braucht Zeit

    Koblenz. 81 Prozent der Zuwanderer, die neu zu uns kommen, sind nicht einmal 35 Jahre alt. Aus Sicht von Andrea Nahles ist das eine sehr gute Chance, die demografischen Probleme im Land in den Griff zu bekommen. Dass aber auch noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen, weiß auch die Bundesarbeitsministerin. „Das ist wie eine Operation am offenen Herzen“, bekannte die SPD-Politikerin bei ihrem gestrigen Auftritt in Koblenz. Denn: Was gebraucht wird, ist vor allem der Mut, neue Wege zu gehen.

    Zur Konferenz im Zentrum für Ernährung und Gesundheit gehörten Impulsvorträge, Podiumsdiskussion und Workshops. 
    Zur Konferenz im Zentrum für Ernährung und Gesundheit gehörten Impulsvorträge, Podiumsdiskussion und Workshops. 
    Foto: Reinhard Kallenbach

    Andrea Nahles sprach als Ehrengast der Tagung des Netzwerks Fair. Das Kürzel steht für „Flüchtlinge und Asylsuchende integriert in die Region“. An dem zunächst bis Ende 2019 befristeten, vom Caritasverband Koblenz gesteuerten, Projekt haben sich mehrere Partner beteiligt, darunter die Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen sowie die Stadt Koblenz und der Kreis Mayen-Koblenz samt ihren Jobcentern. Dazu kommen die beiden Wirtschaftskammern, Berufsschulen, Bildungseinrichtungen und Arbeitgeber.

    Beteiligt sind also all diejenigen, die den Neuankömmlingen die Basisaufgaben mit auf den Weg geben, um sie auch als Beitragszahler zu einem wichtigen Teil der Gesellschaft zu machen. Doch ist dieser Ansatz überhaupt realistisch? Die Antwort: Man braucht Zeit, sehr viel Zeit. So rechnete Carola Burkert vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in ihrem Impulsvortrag auf Grundlage des bisher vorhandenen Erfahrungsschatzes vor, dass wohl zehn Jahre benötigt werden, um 60 Prozent der Neuankömmlinge dauerhaft in Arbeit zu bringen. Denn neben fehlenden Deutschkenntnissen erfüllen viele Zuwanderer die Bildungsstandards nicht, die hierzulande gelten. Kurt Krautscheid, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, die das Forum ihres Zentrums für Ernährung und Gesundheit zur Verfügung gestellt hatte, erinnerte daran, dass 20 Prozent der Flüchtlinge die Schulen vorzeitig verlassen und weitere 10 Prozent nie eine Schule besucht haben. Für den Präsidenten ist deshalb der Zeitpunkt für „ehrliche und realistische Worte“ gekommen. Als Kapitulation wollte er das nicht verstanden wissen, vielmehr als Ansporn, intensiver zusammenzuarbeiten. Und dafür steht das Projekt Fair, das unter anderem vom Europäischen Sozialfonds bezuschusst wird. Dass der Caritasverband Koblenz dabei die Federführung hat, kommt nicht von ungefähr. Anette Moesta, Vorsitzende des eingetragenen Vereins, erinnerte an Erfahrungen in der Flüchtlingsarbeit, die weit in die 80er-Jahre zurückreichen. Freilich sind die heutigen Dimensionen andere, räumte Birgit Kugel ein. Die Diözesan-Caritasdirektorin verwies darauf, dass das Bistum Trier 8 Millionen Euro über fünf Jahre für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung stellt. Dass die gemeinsamen Anstrengungen durchaus reiche Früchte tragen können, hoben Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein und Landrat Alexander Saftig hervor. Beide wiesen in der von Thomas Theisen moderierten Podiumsrunde darauf hin, dass die meisten Neuankömmlinge gut untergebracht worden sind und eine Gettobildung verhindert werden konnte.

    Jetzt wird es um den zweiten Schritt gehen: Die Versorgung mit Ausbildungs- und Arbeitsstellen. Und das scheint angesichts der von Andrea Nahles genannten 1,1 Millionen offenen Stellen eine Formsache zu sein. Ist es aber in der Praxis nicht unbedingt, wie der Vortrag von Bernhard Jurgasz zeigte. Der Personalentwickler von der EVM verwies unter anderem auch auf kulturelle Unterschiede, zeigte an Beispielen aus der Praxis aber auf, dass die Probleme lösbar sind.

    Von unserem Mitarbeiter Reinhard Kallenbach

    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    epaper-startseite
    Rhein-Zeitung Koblenz bei Facebook
    Wetter
    Donnerstag

    15°C - 22°C
    Freitag

    14°C - 22°C
    Samstag

    13°C - 18°C
    Sonntag

    13°C - 19°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Bildergalerie: Fotos unserer Leser
    Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

    Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

    Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
    Koblenzer Stadt-Geschichten

    Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf

    Anzeige