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  • Koblenzer erheben ihre Stimme gegen Rechts

    Koblenz. Dass die Alternative für Deutschland, die AfD, wirklich keine Partei ist wie andere, hat man spätestens dann bemerkt, wenn man gestern Abend den Zentralplatz betreten hat. "Wenn unsere Partei eine Wahlkampfveranstaltung macht, gibt es nicht so ein Polizeiaufgebot", witzelte ein Mitglied der Grünen. Und es kommen wohl auch nicht Hunderte Leute bei eisigen Temperaturen zusammen, um ihre Stimme gegen rechtspopulistische Politik zu erheben.

    Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

    Genau das taten gestern Abend schätzungsweise 500 Bürger vor dem Forum Confluentes. Während die AfD in Räumen des Mittelrhein-Museums ihr Programm für die nahende Landtagswahl vorstellte, formierte sich vor den Türen der Protest, organisiert von Die Partei, der Linken Jugend und dem Bündnis Koblenz Nazifrei. Und dieser Protest wurde dann so stimmungsvoll und positiv, wie ihn viele Teilnehmer gar nicht erwartet hätten.

    Ab 18 Uhr kamen junge wie ältere Bürger auf dem Zentralplatz zusammen, Pärchen ebenso wie Teenager-Gruppen, Familien oder Musiker mit schweren Instrumentenkoffern. Vertreter der verschiedenen Parteien und Ratsfraktionen waren darunter, ob als Privatperson oder mit Bannern und Fahnen. Sie alle wollten ein Zeichen setzen gegen rechtes Gedankengut, gegen Hetze und Stimmungsmache - und eben auch gegen die AfD.

    "Die AfD legt das Feuer, wer ihr nachläuft, reicht das Benzin", stand auf einem Schild, das Andreas Klein hochhielt. Mut und Hoffnung müsse man haben angesichts der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, "und Populisten dürfen wir dabei nicht das Feld überlassen". Die Populisten, das sind für den Koblenzer die AfD und ihre Anhänger - und der Zulauf, den die Partei genießt, erfüllt nicht nur ihn mit Sorge.

    "Man muss den Anfängen wehren", sagten Manfred Gniffke und Walter Baum von der FBG, die am nächsten Donnerstag wieder mit zwei Vertretern der AfD zusammen im Stadtrat sitzen werden. Eine Teilnehmerin, die zusammen mit ihrer Tochter die Demo besuchte, sagte: "Von meinen Eltern und Großeltern habe ich so viele Horrorgeschichten gehört vom Krieg. Die Entwicklung jetzt macht mir Angst."

    Dass es sich lohnt, seine Stimme dagegen zu erheben, wollte ein Koblenzer Paar schon seinen Kindern mitgeben, zu viert besuchten sie die Veranstaltung. "Sie sollen merken: Es ändert sich nichts, wenn man auf dem Sofa sitzen bleibt", sagte der Vater. Ein Gedanke, der wohl auch viele Musiker an diesem Abend in die Kälte getrieben hat.

    Musiker und Sänger von der Rheinischen Philharmonie, von Opernchor, Uniorchester, der 56th District Pipe Band und andere - alle rein privat dabei - packten ihre Instrumente aus und erfüllten den Zentralplatz mit mitreißender Musik. Höhepunkt: Beethovens "Ode an die Freude", gesungen von den Profis ebenso wie von den Menschen auf dem Platz. Direkt neben dem Kulturbau, in dem zeitgleich die AfD ihre Versammlung begann.

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