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  • Koblenz: Beratungen Schwangerer müssen oft mit Dolmetscher geführt werden

    Koblenz. Die steigende Zahl von Flüchtlingen schlägt sich auch in der Schwangerenberatung des Sozialdienstes katholischer Frauen nieder: Nicht nur die reine Zahl der Migrantinnen ist gestiegen, sondern auch die Gespräche selbst haben sich verändert: Häufig müssen sie mit einem Dolmetscher geführt werden, häufig stammen die Frauen aus einem anderen Kulturkreis und haben teils dramatische Geschichten erlebt, und häufig sind sie jetzt in Koblenz in Wohnsituationen, die die Beraterinnen so zuvor nicht kannten und die eigene Probleme mit sich bringen.

    Foto: dpa

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    498 Frauen haben 2015 insgesamt Beratungen bei dem Fachdienst in Anspruch genommen. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Migrantinnen. Unter ihnen ist die Gruppe der Frauen aus nicht-europäischen Ländern wie Syrien, dem Irak, der Russischen Föderation, Vietnam und Eritrea mit 109 besonders groß. 83 Klientinnen stammen aus Osteuropa, 29 aus der Türkei, 28 aus EU-Staaten, andere sind ohne Angabe der Nationalität. Und auch von den 232 Klientinnen mir deutscher Staatsangehörigkeit hat knapp ein Drittel einen sogenannten Migrationshintergrund.

    Die Gespräche mit den schwangeren Flüchtlingen unterscheiden sich häufig von anderen, und zwar vor allem in drei Punkten:

    1 Viele Frauen können sich nicht gut auf Deutsch oder Englisch verständigen, viele bringen eigene Dolmetscher mit, Bekannte oder Freundinnen, die sich oft selbst nicht 100-prozentig verständigen können. Die Gespräche sind dadurch mühsamer und länger, weil alles über drei Ecken läuft - vor allem ist es oft schwierig, die Fachbegriffe klarzumachen. Schon länger sucht der Sozialdienst deshalb Frauen, die als Übersetzerinnen helfen können. Rund 25 Frauen sind schon gefunden, die etwa 15 Sprachen abdecken. In Zusammenarbeit mit In Terra, einem Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Mayen, wird eine Schulung für sogenannte Sprach- und Kulturmittler angeboten, erklärt SkF-Geschäftsführerin Stefanie Coopmeiners.

    2 Der andere Kulturkreis, aus dem viele Klientinnen stammen, bringt seine eigenen Probleme mit sich. Das beginnt schon damit, dass Frauen fast immer von ihren Männern begleitet werden, die manchmal dann das Gespräch an sich reißen wollen - "doch das kriegen wir ruhig, aber bestimmt hin", sagt Beraterin Jessica Yildiz lächelnd. Wichtig ist aber, die Frauen quasi "abzuholen", sie sollen ja Vertrauen fassen und nicht verängstigt werden. Das passiert durch die Gegebenheiten in Deutschland sowieso schon: Denn während in den Heimatländern oft eine ganze Familie auf das Baby wartet und für die junge Mutter da ist, müssen sie hier allein klarkommen. Und: "Wir bereiten die Frauen zum Beispiel auch darauf vor, dass im Krankenhaus auch ein männlicher Arzt eingreifen kann, das ist für sie meist sehr ungewöhnlich", so Ursula Löcherbach. Die Beraterinnen bilden sich auch selbst fort und informieren sich über die Lebensweise und Kultur in anderen Ländern, um die Frauen besser verstehen zu können. "Und wir schaffen es auch oft, dass sie sich dann trotz aller Probleme auch auf das Kind freuen können", sagt Ursula Löcherbach.

    3 Die Probleme der Migrantinnen unterscheiden sich häufig von denen deutscher Schwangerer. Helma Göbel nennt zwei Beispiele: Eine Frau lebt mit ihrem Mann in einer Gemeinschaftsunterkunft. Küche und Bad werden von insgesamt 19 Personen genutzt, die angehende Familie sucht dringend eine passende Wohnung - fast unmöglich. Oder: Eine Familie, die mit einem älteren Kind in einer winzig kleinen Wohnung lebt, wartet seit zwei Monaten auf die Geburtsurkunde des Neugeborenen, die Papiere liegen nach Angabe der Familie in Trier, und ohne diese kann kein Elterngeld und keine Erstausstattung beantragt werden.

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