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  • Karnevalisten in Koblenz & Kreis MYK gehen auf Nummer sicher

    Koblenz/Kreis MYK. Machen verschärfte Sicherheitsvorkehrungen dem Sitzungskarneval zu schaffen? Eine Umfrage unter Veranstaltern in der Region kommt zu keinem eindeutigen Ergebnis.

    Karneval heißt: Ausgelassene Stimmung, Party, gute Laune. Da sollen keine Sicherheitsbedenken die Laune trüben. Entsprechend vorsichtig gehen die meisten Vereine mit entsprechenden Regeln und Verordnungen um.
    Karneval heißt: Ausgelassene Stimmung, Party, gute Laune. Da sollen keine Sicherheitsbedenken die Laune trüben. Entsprechend vorsichtig gehen die meisten Vereine mit entsprechenden Regeln und Verordnungen um.
    Foto: Erwin Siebenborn

    Von Markus Kratzer und Charlotte Scharf

    Klar wird aber, dass Vereine und Gesellschaften von sich aus auf Nummer sicher gehen. Es war nicht zuletzt die Tragödie bei der Loveparade 2010, die viele Betreiber von Hallen und Sälen aufgerüttelt und manchen Veranstalter mit schärferen Sicherheitsauflagen konfrontiert hat.

    "Die Sicherheitsvorkehrungen sind gleich geblieben, aber nach dem Unglück in Duisburg wird viel strikter darauf geachtet, dass sie auch eingehalten werden", sagt Uwe Rath von der Arge Oberfell. "Bei unseren Veranstaltungen kommen eh selten mehr Menschen, als wir Plätze haben."

    Auch Regina Kräber, Erste Vorsitzende der Basjaneser Möhnen in St. Sebastian, hat sich von Anfang an an die strengen Auflagen - beispielsweise die Abstände der Tische oder der Bestuhlung - gehalten: "Wir möchten nicht, dass irgendetwas passiert. Hinterher macht man sich dann Vorwürfe."

    Für die Karnevalsveranstaltungen in Bendorf oder in den Verbandsgemeinden Untermosel und Rhens hat sich ebenfalls nichts verändert. "Wir haben die Loveparade nur zum Anlass genommen, unsere Erlaubnisbescheide hinsichtlich der zulässigen Besucherzahlen zu überprüfen und zu konkretisieren", so ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes der VG Untermosel im Gespräch mit unserer Zeitung. Diese Erkenntnisse werden nun als Grundlage für die Genehmigung der beantragten Veranstaltungen genommen. Weicht ein Veranstaltungsplan ab, muss die Kreisverwaltung entscheiden.

    Von "dezenten Veränderungen" spricht Lutz Schnitzendöbel, Präsident des Festausschusses Andernacher Karneval. "Viele Kommunen als Betreiber haben mittlerweile ihre Konzepte überdacht", erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Radikale Verschärfungen hat er in seinem Umfeld nicht wahrgenommen. Auf rund 10 Prozent weniger Gäste musste man sich in Andernach allerdings einstellen, weil die Gänge im Sitzungssaal breiter wurden. Doch damit habe man sich arrangiert, sagt Schnitzendöbel.

    "Alle Vorgaben werden eingehalten", resümiert Willi Fuhrmann, Vizepräsident im Verband Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK) aus Niederzissen. Nach der Katastrophe von Duisburg habe er auch mit Blick auf die Veranstaltungen im Kreis Ahrweiler festgestellt, dass nun etwas genauer hingeschaut werde. Bewährt habe sich der Einsatz von Sicherheitsdiensten bei Karnevalspartys. Ausschreitungen oder unerwünschte Vorkommnisse habe es seitdem kaum noch gegeben. "Das gibt auch dem Veranstalter Sicherheit."

    Den finanziellen Aspekt bringt Michael Bleidt, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Heimbach (Neuwied) ins Spiel. "Die Maßnahmen sind eine Herausforderung und werden sich vermutlich auch im Rahmen der Kosten auswirken", sagte er der Deutschen Presseagentur. Aber auch in Neuwied sperrt man sich nicht gegen strengere Vorschriften. "Grundsätzlich begrüßen wir hohe Sicherheitsstandards, jedoch haben wir gerade einen Grad erreicht, der das Ehrenamt zu überfordern droht", sagt Bleidt weiter.

    Eine ähnliche Grundskepsis herrscht auch in der Stadt Koblenz, wo bei der Arbeitsgemeinschaft Koblenzer Karneval zunächst befürchtet wurde, dass einige Stadtteilsitzungen in Zukunft nicht mehr stattfinden können. Die Stadt gab inzwischen vorsichtig Entwarnung - Probleme gebe es wohl nur in Einzelfällen (die RZ berichtete).

    Mit Verständnis reagiert Helmut Hohl, Vorsitzender des Carneval Comité Oberlahnstein (CCO) und Pressereferent im Verband Rheinische Karnevals-Korporationen (RKK), auf einen reformierten Fluchtwegeplan der Stadtverwaltung für die Stadthalle, auch wenn damit Einnahmeeinbußen verbunden sind. "Durch breitere Gänge sind uns im Laufe der vergangenen Jahre rund 120 Plätze weggefallen", rechnet er vor. Neben einer Nottreppe vom Saal auf die Empore ist jetzt auch beim Einsatz von Nebelmaschinen oder Pyrotechnik eine zusätzliche Brandwache erforderlich. Doch bei drei ausverkauften Sitzungen ist die Einsicht größer als das Bedauern, lässt Hohl durchblicken.

    Bezogen auf das Unglück von Duisburg, hat Kai-Uwe Hurtner von der Karnevalsgesellschaft Grau-Blau Höhr-Grenzhausen keine Veränderungen im Verhalten der Sitzungsgäste gemerkt. "Unsere Halle wird in regelmäßigen Abständen vom TÜV überprüft sowie von der Bauaufsicht der Kreisverwaltung. Alle geforderten oder ergänzenden Maßnahmen, die zur Sicherheit der Halle und somit auch der Gäste beitragen, werden unverzüglich von uns realisiert", erläutert er auf Anfrage. So werde man in diesem Jahr vernetzte Rauchmelder installieren und sich Gedanken über eine autarke Notbeleuchtung für die Notausgänge machen. "Es ist uns wichtig, dass sich unsere Gäste in der Grau-Blau-Narrhalla wohlfühlen", spricht der Vorsitzende wohl den meisten Veranstaltern aus der Seele.

    RKK-Bezirksrepräsentant: Veranstalter sind sensibler

    Helmut Schmitt, RKK-Bezirksrepräsentant aus Ulmen (Kreis Cochem-Zell), hat festgestellt, dass viele Veranstalter sensibler mit dem Thema Sicherheit umgehen: "Es wird besser aufgepasst." Securitykräfte, Rotes Kreuz, Feuerwehr - das gehört nach seiner Beobachtung mittlerweile bei größeren Veranstaltungen zusammen. Ob bei der Mädchensitzung im Ulmener Bürgersaal oder bei Veranstaltungen in Büchel oder Kaisersesch: "Wenn man die Regeln einhält, führt das zu einem guten Miteinander." Schmitt weist darauf hin, wie wichtig es für die Veranstalter ist, einen ausreichenden Versicherungsschutz zu haben.

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