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  • Kandidatenporträt Wahlkreis 9: Joachim Paul tritt für die AfD an

    Die RZ stellt nach und nach Kandidaten vor, die in den Wahlkreisen an Rhein und Mosel antreten. Joachim Paul kandidiert für die AfD.

    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Koblenz. Einst forderte seine Burschenschaft einen "Ariernachweis" für Neumitglieder - heute ist er AfD-Wahlkampfchef im Land, trommelt für mehr Nationalstolz und weniger Armutsflüchtlinge: Joachim Paul (45) sitzt für die Alternative für Deutschland im Koblenzer Stadtrat und will am 13. März in den Landtag einziehen. Als Burschenschafter ficht er gern im Kettenhemd, als AfD-Politiker will er abgelehnte Flüchtlinge rigoros abschieben, den "Akademisierungswahn" stoppen, die Meisterausbildung kostenfrei anbieten. Er wettert gegen die "Sozial- und Asylindustrie" in Deutschland und die GEZ-Krake des "nimmersatten Staatsfunks".

    Paul, der im Rauental aufwuchs, hat auf der Wange eine zwei Zentimeter lange Narbe. Ein Schmiss? Eine Fechtverletzung? Sagt er nicht: "Manches muss ein Mysterium bleiben." Er wurde während des Studiums (Germanistik, Geschichte, Politik) an der Universität Bonn Mitglied der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks - eines Männerbundes, der die Erinnerung an den deutschen Osten pflegt und dem Motto "Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland" folgt. Bei den Raczeks ist das Fechten, die sogenannte Mensur, Pflicht. Begründung: Sie ist "ein bewährtes Mittel, uns Nassauer und Hanswurste vom Hals zu halten. Andererseits wirkt sie wie ein Magnet auf jenen Typus kerniger junger Männer, die wir uns als Bundesbrüder wünschen."

    Paul ist ein Mann für die zweite Reihe, kein großer Redner. Das Reden überlässt er gern dem rheinland-pfälzischen AfD-Chef Uwe Junge, dessen zweiter Stellvertreter er ist. An den Anfang seiner Bewerbung für das Amt stellte er ein Zitat von Ferdinand Lassalle - SPD-Gründervater und bekanntes Mitglied der Raczeks. Bis 2013 war er FDP-Mitglied, besuchte dann eine Veranstaltung zur Eurokrise von FDP-Landeschef Volker Wissing - und fühlte sich plötzlich in der falschen Partei. Er wechselte in die AfD, gründete mit rund 50 Mitstreitern deren Koblenzer Verband. Seit 2015 sitzt er im Koblenzer Stadtrat, bildet mit Rolf Pontius eine Zweimannfraktion.

    RZ-Wahlfragebogen: Joachim Paul antwortet

    Die RZ trifft Paul in seinem Büro im Koblenzer Rathaus, einem 14-Quadratmeter-Räumchen, das bis zum Stadtratseinzug der AfD vom Hauselektriker als Lager genutzt wurde. An der Wand hängt ein gerahmtes Foto von AfD-Chefin Frauke Petry, hinter der Tür brummt ein Kühlschrank, ein Rollladenschrank ächzt unter Aktenordnern.

    Paul fläzt im Bürostuhl, rollt vor und zurück, fuchtelt mit beiden Armen, nutzt die ganze Breite des Raums. Er erzählt vom Wahlkampf: "Die Arbeit kitzelt alles aus mir raus. Ich war intellektuell nie so gefordert." Er schwärmt von Petrys Auftritt im Kreis Kusel vor 500 Zuhörern: "Ein Triumph!" Er schimpft über zerstörte AfD-Plakate, verdächtigt Anhänger von SPD und Grünen. Und er berichtet von Burschenabenden mit Vorträgen zum Kampf gegen Napoleon, reichlich Oettinger-Bier und seinem Lieblingslied "Ein Jäger aus Kurpfalz".

    Die Raczeks erklärten 2011, es sei "in Zeiten fortschreitender Überfremdung nicht hinnehmbar, dass Menschen, welche nicht vom deutschen Stamm sind, in die Deutsche Burschenschaft aufgenommen werden". Paul nennt die als "Ariernachweis" bekannt gewordene Forderung ein Missverständnis. Er habe davon aus den Medien erfahren und sich davon distanziert.

    Paul ist Lehrer in Neuwied, unterrichtet an der Ludwig-Erhard-Schule angehende Elektroniker oder Lagerarbeiter in Sozialkunde. 2015 beschmierten Unbekannte die Schule mit Parolen wie "Kein Bock auf Nazis!" und "Fuck Burschis". Wenn Paul ein Landtagsmandat erhält, will er sich beurlauben lassen.

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