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  • Heroinsüchtige erwürgten Freund: Hohe Haftstrafen

    Wegen 4000 Euro töteten zwei Männer einen Koblenzer, wickelten seine Leiche in Frischhaltefolie und deponierten sie anschließend unterm Bett. Das Gericht verurteilte sie trotz Mord nicht zu "lebenslänglich".

    Karlo W. und Heiko S. wurden wegen Mord an ihrem Koblenzer Freund zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Archivfoto: Sascha Ditscher
    Karlo W. und Heiko S. wurden wegen Mord an ihrem Koblenzer Freund zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Archiv
    Foto: Sascha Ditscher

    Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

    Koblenz. Sie sind heroinsüchtig, sie brauchten Geld, sie wussten von den Ersparnissen ihres Freundes (56) - darum erwürgten sie ihn am Morgen des 13. November 2015 im Badezimmer seiner Wohnung in Koblenz-Niederberg. Jetzt hat das Landgericht Koblenz die beiden Männer wegen Mord zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt: Karlo W. (42) muss für 11 Jahre ins Gefängnis, sein Komplize Heiko S. (37) für 14 Jahre. Für ihn ordnete das Gericht zudem eine Sicherungsverwahrung an.

    Vor zwei Wochen hatte Staatsanwalt Sebastian Hübinger in seinem Plädoyer lebenslange Haftstrafen für die Angeklagten gefordert. Doch der Vorsitzende Richter Ralf Bock sah in der starken Heroinsucht der Männer Schuld mindernde Umstände. Deshalb wich das Urteil des Gerichts von der Forderung der Staatsanwaltschaft ab.

    Bereits am ersten Prozesstag schilderten die beiden Angeklagten die Planung und Durchführung der Tat. Dabei waren ihre Aussagen größtenteils deckungsgleich. Die Hauptschuld schoben sich die ehemaligen Freunde dennoch gegenseitig zu - so soll der jeweils andere die treibende Kraft gewesen sein. Für das Urteil spielten die Widersprüche keine Rolle. Denn laut Gericht handelten die Männer zweifelsfrei gemeinschaftlich: Sie wussten von den 4000 Euro auf dem Konto von Karlo W.s Mitbewohner, kannten die Pin-Nummer der Bankkarte und wollten sein Geld um jeden Preis. Also planten sie die Tat am Abend des 12. November. Und letztlich setzten sie ihr Vorhaben gemeinsam um. So folgte Karlo W. seinem Mitbewohner ins Badezimmer, nahm ihn in den Schwitzkasten und drückte seinen Unterarm auf dessen Hals. Nachdem die Männer ringend zu Boden fielen, stemmte Heiko S. seinen Körper auf den Arm seines Komplizen und erhöhte dadurch den Druck auf den Hals des Opfers - bis es schließlich aufhörte zu atmen und starb. Danach hoben die Männer 1000 Euro vom Konto des Toten ab und besorgten sich Heroin. Einige Stunden nach dem Mord wickelten sie die Leiche in Frischhaltefolie und deponierten sie unter Karlo W.s Bett, wo sie drei Wochen später von der Polizei gefunden wurde.

    Das Gericht sieht in der Tat gleich drei Mordmerkmale erfüllt: Habgier, Heimtücke und die Ermöglichung einer weiteren Straftat - nämlich den Raub der Bankkarte des Getöteten.

    Strafmildernd wirkte sich für Karlo W. aus, dass er sich selbst gestellt, die Tat bei der Polizei gestanden und seinen Komplizen verraten hatte. Dadurch leistete er Aufklärungshilfe. Ohne ihn wäre man laut Gericht nur schwer auf Heiko S. gekommen. Dieser saß bereits 14 seiner 37 Lebensjahre im Gefängnis. Richter Ralf Bock merkte an: "Trotz Verurteilungen ließen Sie sich nicht von Straftaten abbringen." Deshalb ordnete das Gericht die Sicherheitsverwahrung für Heiko S. an. Der Richter betonte aber auch, dass der Grund für die Gefahr des Angeklagten in seiner Sucht liegt. Deshalb würden erst die nächsten Jahre entscheiden, ob er in die Sicherungsverwahrung muss. Für beide Männer beantragte das Gericht die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Vorsitzende Richter resümierte: "Wenn Sie das beide mit Erfolg überstehen, dann ist ein Licht am Ende des Tunnels. Ansonsten ist da Dunkelheit." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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