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    Geburtshaus bei Frauen beliebt: Immer mehr Babys kommen dort zur Welt

    Koblenz. Carla ist im Geburtshaus zur Welt gekommen. Vor sechs Wochen. Für Vera Mohlberg und ihren Freund Alexander Zerwan war es keine Frage, ob sie ins Geburtshaus gehen. „Ich wollte in kein Krankenhaus, betrachte eine Schwangerschaft auch nicht als Krankheit“, sagt die 28-Jährige.

    Hebamme Jennifer Werner (rechts) betreut die kleine Carla und ihre Eltern Vera Mohlberg und Alexander Zerwan auch nach der Geburt noch einige Wochen weiter. 
    Hebamme Jennifer Werner (rechts) betreut die kleine Carla und ihre Eltern Vera Mohlberg und Alexander Zerwan auch nach der Geburt noch einige Wochen weiter. 
    Foto: Doris Schneider

    Die entspannte Atmosphäre im Haus in der Trierer Straße in Metternich und vor allem die Tatsache, dass die werdende Mutter die Hebamme vorher schon gut kennenlernt, sind für sie weitere wichtige Argumente.

    Die gleichen Argumente nennt Hebamme Angela Bold-Bertran als ausschlaggebend, warum sie freiberuflich im Geburtshaus-Team arbeitet. 1975 hat sie ihr Examen gemacht, in Bonn. „Da kamen die Frauen in die Klinik und haben quasi ihre Identität am Eingang abgegeben“, schildert sie. Sie bekamen ein OP-Hemdchen an, wurden rasiert, ihnen wurde ein Einlauf verpasst. Ein CTG überwachte ständig die Herztöne des Kindes. Die Frauen mussten nüchtern bleiben, falls ein Kaiserschnitt nötig würde. „Das Kind war dann ein Produkt des Könnens von Arzt und Hebamme“, schildert die 63-Jährige.

    Das hat sich natürlich auch in den Kliniken längst verändert. Geblieben aber ist die Tatsache, dass die Schwangeren in den Krankenhäusern auf Hebammen treffen, die eben dann gerade Dienst haben. Das ist im Geburtshaus anders. Die Frauen, die hier ihr Baby bekommen wollen, melden sich an. „Wir wünschen uns auch, dass sie bei uns schon die Geburtsvorbereitung machen, um sie besser kennenzulernen“, sagt Jennifer Werner.

    Im Team wird dann besprochen, wer in dem erwarteten Zeitraum Kapazitäten hat. Für die Zeit rund um den Geburtstermin gilt dann eine Rufbereitschaft, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Für die Geburt selbst wird eine zweite Hebamme hinzugezogen. Sie kann die erste unterstützen, indem sie beispielsweise die Dokumentation übernimmt und Handreichungen macht, damit die Erst-Hebamme sich ausschließlich um die Eltern und das Kind kümmern kann. Wehentropfen und Schmerzmittel gibt es nicht, dafür aber eine ganz individuelle Betreuung: „Jede Frau ist ja anders, jede braucht ganz andere Unterstützung“, sagt Jennifer Werner. Die Schwangere kann in der wohnlichen Atmosphäre auf und ab gehen, sich in der großen Wanne entspannen, auf dem Bett liegen, auf einem der Sofas sitzen und den Gebärhocker nutzen – was immer sie braucht.

    Eine solche 1:1 beziehungsweise sogar mit der Zweit-Hebamme 2:1 Betreuung ist im Geburtshaus also normal, im Krankenhaus oft nicht. Für diese Rufbereitschaft zahlen die Frauen 450 Euro, viele bekommen bis zu 200 von ihren Krankenkassen zurück.

    Geeignet ist eine Geburt in der Koblenzer Hebammenpraxis Hebiana allerdings nicht für jede Frau. Wenn es Vorerkrankungen gibt oder die Schwangerschaft nicht problemlos verlaufen ist, können die Frauen nicht angenommen werden, erklären die Hebammen. Dabei muss entgegen früherer Befürchtungen kein Arzt „bescheinigen“, dass eine außerklinische Geburt unbedenklich wäre, was vielen Ärzten verständlicherweise „zu heiß“ ist, sondern es muss eine normale Vorsorge durchgeführt werden, heißt es auf der Homepage der Hebammenpraxis. Im Übrigen melden sich die Schwangeren trotzdem auch im Krankenhaus an – denn es kann immer mal nötig sein, dass sie doch verlegt werden, und dann ist es gut, wenn die Daten schon eingespeist sind. So gibt es auch ab und zu Verlegungen mit dem Rettungswagen – aber die sind zum Glück sehr selten, bekräftigen die Hebammen. Denn selbst, wenn etwas Unerwartetes passiert, ist fast immer noch Zeit genug, in eins der nahe gelegenen Krankenhäuser zu wechseln.

    Bei Carla war das nicht nötig. Nachts kamen die Wehen, gegen halb 4 fuhr Alexander mit seiner schwangeren Freundin mit Tempo 30 die Hunsrückhöhenstraße von Waldesch nach Metternich. „Das war das Schlimmste an der Geburt!“, lacht Vera Mohlberg, und ihr Freund nickt bekräftigend. Bereits um kurz vor 7 war das kleine Mädchen da. Seitdem wird die kleine Familie regelmäßig von Jennifer Werner besucht, in den ersten Tagen bis zu zweimal am Tag, in den nächsten Wochen noch etliche Male. Stillen ist dabei ein wichtiges Thema. Die Nachsorge übernimmt die Krankenkasse – aber das ist bei einer Klinikgeburt ja genauso.

    Bei einem weiteren Kind würde die 28-Jährige übrigens über eine Hausgeburt nachdenken. Das wollte sie jetzt nicht, unter anderem, weil das Haus, in dem sie wohnt, sehr hellhörig ist.

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    Geburten in Zahlen

    92

    Babys sind im vergangenen Jahr hier geboren worden, im Geburtshaus selbst oder in Hausgeburten, die ebenfalls von den freiberuflichen Hebammen begleitet wurden. Rund 250 sind es seit den Anfängen im März 2011, die Zahl steigt kontinuierlich an.

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