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  • Gauklerfest: Jonglieren gegen den Regen

    Koblenz. Den ganzen Samstag lang haben wir den Ballkünstler Martin Mall bei seinem ersten Mal auf dem Festival begleitet. Fast wäre der Höhepunkt seiner Show ins Wasser gefallen.

    Besorgte Blicke gen Himmel. Dunkelgraue Wolken schieben sich über den Jesuitenplatz in der Altstadt. Der Regen prasselt immer heftiger auf die Pflastersteine. Gerade einmal sieben Besucher harren mit ihren bunten Regenschirmen vor der Bühne aus. Alle anderen sind unter Vordächer oder Markisen, in Geschäfte oder Cafés geflüchtet. „Innerhalb der nächsten zwei Minuten müssen wir entscheiden, ob meine zweite Show stattfindet“, sagt Martin Mall. Ohne Publikum Jonglieren, das macht keinen Spaß.

    Rund acht Stunden zuvor sah die Welt noch anders aus: Blauer Himmel und Sonnenschein – und Jongleur Mall im Stress: Am Vorabend schon stand der 38-Jährige aus Münster bei der großen Varieté-Gala auf der Bühne. An diesem Samstag, an dem wir ihn begleiten, sind drei Shows innerhalb von viereinhalb Stunden geplant. Viel Zeit zum Ausschlafen steht nicht auf dem eng getakteten Zeitplan. Stattdessen Soundcheck und Ablaufbesprechung mit den Technikern. „Das ist wichtig bei neuen Auftrittsorten“, erklärt Mall. Im Wechsel mit vier anderen Künstlern tritt er auf der Bühne am Jesuitenplatz auf. „Das Konfetti von meinem Vorgänger muss weggefegt gefegt sein, wenn ich dran bin.“

    Keine Zeit fürs Festival

    Das ist es rechtzeitig, bevor der Jongleur um kurz vor 19 Uhr das erste Mal vor das Publikum tritt. Der Platz ist gut gefüllt. Knapp 20 Minuten lang lässt er im Rhythmus der Musik Bälle in allen Größen durch die Luft fliegen. Danach rennen Schweißperlen von der Stirn, das weiße Hemd unter dem dunklen Jackett ist an einigen Stellen durchsichtig. Vorbei an bunt verkleideten Stelzenläufern und Trapezkünstlern hetzt Mall in sein Hotelzimmer. Die Zeit bis zum nächsten Auftritt reicht gerade zum Umziehen und für eine Tasse Kaffee. Sich das Festival, die Darbietungen anderer Künstler anzuschauen, schafft er an diesem Tag nicht.

    Es regnet noch immer. „Ich will meine zweite Show spielen“, entscheidet Mall. Zumindest eine Kurzversion will er den paar Zuschauern vorführen. Kaum hat der Moderator das verkündet, kommen sie plötzlich alle wieder unter den Vordächern und Markisen hervor, aus den Geschäften und Cafés heraus, spannen ihre Schirme auf, eilen in Richtung Bühne. „Jetzt wird gegen den Regen jongliert!“ Die Bälle fliegen wieder.

    In seiner Show "Cellovation" jongliert Martin Mall zu Cellomusik.
    In seiner Show "Cellovation" jongliert Martin Mall zu Cellomusik.
    „Ein tolles Gefühl! Plötzlich entsteht da ein magischer Moment zwischen dem Künstler und seinem Publikum“, stahlt Martin Mall glücklich. Natürlich gab es für die regenfesten Zuschauer nicht nur die Kurzfassung, sondern doch das volle Programm.

    21.30 Uhr. Noch knapp anderthalb Stunden bis zu Malls letztem Auftritt an diesem Tag. „Jetzt heißt es wach bleiben“, gähnt er. Er sitzt auf einem Plastikstuhl in einem der großen Zelte im Backstagebereich. Um ihn herum wuseln Künstlerkollegen in vogelähnlichen Kostümen, ein Clown steht am Büfett, von draußen dröhnt die Musikanlage einer Bühne. Der Regen trommelt auf das dünne Plastikdach.

    Die Abschlussshow absagen?

    Ob seine Abschlussshow bei dem Wetter überhaupt noch stattfindet, ist ungewiss. „Diese Unvorhersehbarkeiten gehören zum Job dazu“, seufzt der Jongleur. Dabei hat er sich auf seinen allerletzten Auftritt am meisten gefreut: Denn bei völliger Dunkelheit fangen seine Jonglierutensilien an zu leuchten.

    Und wie sie leuchten: Pünktlich zur Abschlussshow auf der Bühne am Jesuitenplatz fällt kein Tropfen mehr vom Himmel. Hunderte Besucher hauchen Ahs und Ohs, als Martin Mall seine hellen Requisiten in den dunklen Himmel wirft.

    von unserer Redakteurin Anna Lampert


    Mehr Infos zum Künster gibt es unter www.martinmall.com

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